Schlieren
Höchster Schlieremer: Die SVP springt für die FDP ein

Weil Priska Randegger (FDP) auf die Wahl ins Gemeinderatspräsidium verzichtet, kommt nun die SVP zum Zug.

Alex Rudolf
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Neu der höchste Schlieremer: Daniel Tännler (SVP) mit seinem ersten und zweiten Vizepräsidenten Daniel Frey (FDP/links) und Rolf Wegmüller (CVP/rechts).

Neu der höchste Schlieremer: Daniel Tännler (SVP) mit seinem ersten und zweiten Vizepräsidenten Daniel Frey (FDP/links) und Rolf Wegmüller (CVP/rechts).

Alex Rudolf

Eigentlich hätte Priska Randegger (FDP) am Montagabend vom Gemeinderat zur höchsten Schlieremerin gewählt werden sollen. An der Seite des scheidenden Präsidenten Pascal Leuchtmann (SP) fungierte sie während eines Jahres als erste Vizepräsidentin. Doch kam es anders: Aus der Legislative folgte als Vorschlag für Leuchtmanns Nachfolge nicht Priska Randegger, sondern der zweite Vize Daniel Tännler (SVP). Wie aus einer Erklärung von FDP-Fraktionssprecher John Daniels später hervorging, verzichte Randegger aus privaten Gründen auf das Präsidium. Mit Tännler wird nun ein SVP-Gemeinderat jenes Präsidialjahr übernehmen, das eigentlich der FDP zugestanden hätte. Dafür portierte diese den freisinnigen Daniel Frey als ersten Vize, der im kommenden Jahr turnusgemäss Parlamentspräsident werden soll. Als zweiter Vize-Präsident wurde Rolf Wegmüller (CVP) vorgeschlagen.

Es komme anders, als man denkt

Im Rahmen der geheimen Wahlgänge wurde Tännler dann auch mit 29 Stimmen gewählt – Randegger erhielt ebenfalls Stimmen. Tännler, der zweifache Vater und Leiter einer Transportabteilung, ist seit dieser Legislatur erneut im Stadtparlament. Davor war er während vier Jahren in der Bürgerrechtskommission und davor bereits mehrere Jahre Schlieremer Gemeinderat. In seiner Antrittsrede bemerkte er, dass es im Leben meist anders komme, als man denke. «Eigentlich wäre ich erst im Jahr 2017/18 an der Reihe gewesen, doch stehe ich schon heute vor Ihnen und bin ein wenig nervös», sagte er und erklärte Annahme der Wahl. Zudem entschuldigte er sich bereits jetzt für allfällige Fehler, die er machen werde, oder für Situationen, in denen er sich im Ton vergreifen werde. «Wir dürfen nicht vergessen, dass wir alle nur das Beste für Schlieren wollen», so Tännler. Auch Daniel Frey wurde mit 29 Stimmen zum ersten Vize gewählt, Rolf Wegmüller kam auf deren 25.
In seiner Abschlussrede appellierte der scheidende Präsident Leuchtmann an das Vertrauen des Parlaments in sich selber und in den Stadtrat. «Schlieren wird so oder so urbaner», sagte er und merkte an: «Damit wir diesen Wandel aktiv begleiten und steuern können, braucht es dieses Vertrauen», so Leuchtmann. Mit viel Misstrauen sei man blind für die Dinge, die gelingen können. So sei das Vertrauen das Öl im Getriebe, das ein «Chrosen» verhindere.
Weiter wurden John Daniels als Präsident der Rechnungsprüfungskommission bestätigt und Pascal Leuchtmann wie auch Prisca Randegger neu in die Geschäftsprüfungskommission (GPK) gewählt. Peter Seifriz (SVP) wurde als Präsident der GPK bestätigt. Zu den Stimmenzählenden wurden Gaby Niederer (QV), Dominik Ritzmann (Grüne) und Rixhil Agusi-Aljili (SP) gewählt.

Turnus ist nicht oberstes Gebot

Dass ein Ratsvize freiwillig auf seine oder ihre Wahl zum Gemeinderatspräsidenten verzichtet, ist in Schlieren unüblich. Die Wahl des Gemeinderatspräsidiums gilt zwar als Formsache, doch bereits im 2014 rückte das Stadtparlament vom üblichen Ablauf ab. Damals wurde anstelle der zweiten Vizepräsidentin Jolanda Lionello ihr Parteikollege Pascal Leuchtmann für das Amt des ersten Vizepräsidenten portiert. Wie sich herausstellte, lag der Grund dafür bei einer Absprache, welche die interfraktionelle Kommission (IFK) zuvor getroffen hatte. Es war vorgesehen, dass Lionello ihren Sitz an Leuchtmann abgibt, da dieser damals noch das Präsidium der Geschäftsprüfungskommission innehatte und somit von einer Wahl ins Büro des Parlaments ausgeschlossen war.
Der heutige Stadtrat Markus Bärtschiger (SP) wurde 2006 als erster Schlieremer Politiker zwei Mal zum Präsidenten des Gemeinderates gewählt. Der Grund dafür war, dass der damalige erste Vizepräsident Martin Buck (SP) sich nicht für die Gesamterneuerungswahlen 2006 zur Verfügung stellte. Nachdem Bärtschiger bereits 1995/1996 höchster Schlieremer war, wurde er von der Fraktion als Ersatz vorgeschlagen und mit 29 von 36 Stimmen gewählt.