Urdorf
Hochschule auf Werbetour: Wie ETH-Studenten Kantischüler motivieren

Die Zürcher ETH wirbt in Kantonsschulen für ihre Studienfächer und setzt dabei auf Studenten. Zurzeit ist sie in Urdorf. Ehemalige Kantischüler verraten dem Nachwuchs, worauf es ankommt.

Flurina Dünki
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Die Hochschule wirbt in Kantonsschulen für ihre Studienfächer und setzt dabei auf Studenten.
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«Ich möchte den Schülern die Ängste nehmen, die im Zusammenhang mit dem Studienbeginn auftauchen.» Nathalie Küng,Pharmaziestudentin
«Es gab keinen ausschlaggebenden Moment, in dem ich plötzlich wusste: Das will ich studieren.» Andris Wyss, Student Umweltingenieurwissenschaften

Die Hochschule wirbt in Kantonsschulen für ihre Studienfächer und setzt dabei auf Studenten.

Zur Verfügung gestellt

Die ETH ist an Kantonsschulen auf Werbetour für ihre Studienfächer. Dabei setzt sie auf Studenten, die den Kantischülern ihr Fach näher bringen. Eine von ihnen ist Nathalie Küng. Die 21-Jährige studiert seit 2014 Pharmazie am Polytechnikum. Ihre Matur hat sie an der Kantonsschule Limmattal (KSL) gemacht. Gestern stand sie im Rahmen der Auftaktveranstaltung zu «ETH unterwegs» zusammen mit weiteren KSL-Absolventen den Schülerinnen und Schülern ihres ehemaligen Gymnasiums Red und Antwort. Die Kanti Limmattal habe sie sehr gut auf ihr Studium an der ETH vorbereitet, sagt Küng.

Seit 2004 besuchen Studenten der ETH jedes Jahr zehn Kantonsschulen, um den Gymnasiastinnen Forschungs- und Lehrgebiete ihrer Hochschule vorzustellen. Nachdem die ehemaligen Urdorfer Kantonsschüler gestern ihre persönlichen Geschichten über die Studienwahl erzählten, erhalten die Gymnasiasten heute mittels Vorträgen und Informationsständen Einblick in die Welt der Technik-, Gesundheits- und Naturwissenschaftsstudien der ETH. Unter der Anleitung von Studenten dürfen sie sich dank vorbereiteten Experimenten gleich selber als zukünftige Chemiker, Physiker oder Informatiker beweisen.

Während ihrer Kanti-Zeit habe die ETH aufgrund des Rotationsmodus keine Veranstaltungen in Urdorf durchgeführt, sagt Küng. Als Inspirationsquelle für die pharmazeutische Fakultät hat der Obfelderin eine Nachbarin gedient: «Pharmazie klang zwar spannend, ich konnte mich aber nicht recht entscheiden. Erst zu diesem Zeitpunkt erfuhr ich, dass eine Nachbarin 30 Jahre zuvor Pharmazie studiert hatte. Ich sprach mit ihr, sie nahm mich an ihre Arbeitsstelle mit und ihre Begeisterung sprang auf mich über.» Nicht alle Schüler kommen jedoch in den Genuss einer persönlichen Mentorin. Die ETH ist deshalb bestrebt, selber das Interesse an ihren Fakultäten in Maturanden zu wecken. «Unsere Gesellschaft braucht motivierte und talentierte junge Menschen, die in Naturwissenschaften und Technik aktiv sind», sagt Lino Guzzella, Präsident der Schulleitung der ETH Zürich.

Zum ersten Mal dabei

Zusammen mit Küng berichtete gestern auch Andris Wyss über seinen Eintritt in die ETH. Der Student in Umweltingenieurwissenschaften beschreibt seine Studienwahl als längeren Prozess. «Es gab keinen ausschlaggebenden Moment, in dem ich plötzlich wusste: Das will ich studieren.» Der Entscheid sei vielmehr über längere Zeit in ihm gereift. Während sich der Umweltnaturwissenschaftler der Forschung widme, arbeite der Umweltingenieurswissenschaftler in der Entwicklung von Umweltanlagen wie Kehrichtverbrennungen, Hochwasseranlagen oder Kläranlagen. Das Element des Wassers reizt den 23-Jährigen Schlieremer, der sich in seinem Masterstudium aktuell im Thema vertieft.

Beide Studenten sind zum ersten Mal bei «ETH unterwegs» dabei. Sie wolle den Schülern Ängste nehmen, die im Zusammenhang mit dem Studienbeginn auftauchen, so Küng. «Es ist nicht so, dass man nie mehr von einer Studienrichtung wegkommt, wenn man sich erst einmal entschieden hat. Es gibt die Möglichkeit, die Fakultät zu wechseln oder sich innerhalb seiner Fakultät anderweitig zu spezialisieren als zu Beginn geplant», sagt sie. Während man im Gymnasium auch für Materien habe büffeln müssen, die man nicht mochte, habe man im Studium die Wahl, sich für eine Richtung zu entscheiden, die den eigenen Fähigkeiten und Interessen entspreche.