Limmatufer

Hochlandrinder pflegen das Uferland am Ende der Limmat

Beim Zusammenfluss mit der Aare findet die Limmat zurück zur Natur. Dort grasen Schottische Hochlandrinder, die sich auch nicht durch neugierige Journalisten aus der Ruhe bringen lassen.

Es gibt Orte, die lassen einen nicht mehr so schnell los, wenn man sich einmal auf sie eingelassen hat. Der vom Bahnhof Turgi (AG) in einer guten halben Stunde zu Fuss erreichbare Limmatspitz ist so ein Ort. Genauer: die Sand- und Kiesbank im Schatten der grossen, alten Weide am Ende der Limmat. Von links plätschert ein Nebenarm der Aare an einer schilfumrandeten Insel mit schmalem Sandstrand vorbei, rechts mündet träge die Limmat in den breiten Hauptstrom der Aare. An einem Ast der Weide hat jemand ein Surfbrett angebunden, das nun einsam im Wasser schaukelt – Zeuge der Zivilisation, die hier seit über zehn Jahren auf dem Rückzug ist. Am Inselufer vis-à-vis liegt der Holzbau eines Bibers im flachen Wasser. Aareabwärts sonnen sich zwei Schwäne auf einer Kiesbank. Die Kiesbänke verströmen den Geruch von Algen und Muscheln. Er erinnert daran, dass das flussnahe Land hier immer wieder überflutet wird. Weideblätter rascheln im Wind.

Am gegenüberliegenden Aareufer rauschen Autos vorbei. Doch sie sind weit genug weg, um die Idylle nicht gross zu stören. Schottische Hochlandrinder grasen einen Steinwurf entfernt am limmatseitigen Ufer der Aare.

Schottische Hochlandrinder am Wasserschloss

Schottische Hochlandrinder am Wasserschloss

Pro Natura Aargau hat die Hochländer in Zusammenarbeit mit einem Bauern am Limmatspitz angesiedelt. Die Umweltorganisation erwarb die sechs Hektaren am Ende der Limmat 1998, um das Land zu renaturieren. «Am Limmatspitz wurde erstmals im Aargau eine grössere landwirtschaftliche Nutzfläche der Natur zurückgegeben», verkündet eine Infotafel beim Eingang zum Naturschutzgebiet. Um das Land der Natur zurückzugeben, fuhren zunächst einmal Bagger auf: 2002/3 wurden Uferbefestigungen entfernt und ein Nebenarm der Limmat ausgehoben. «Die Limmat wäre zu schwach gewesen, um aus eigener Kraft noch einen Nebenarm zu bilden», sagt Monica Marti vom Aargauer Naturmuseum Naturama, während sie eine Gruppe Wanderer durch den Limmatspitz führt. Zu schwach nach den zahlreichen Kanälen und Kraftwerken, mit denen die Menschen der Limmat auf ihrem Weg vom Zürichsee zur Aare immer wieder Wasserkraft abzapfen.

«Mission erfüllt»

Wie steht es heute, zwölf Jahre nach Beginn der Renaturierung, um den Limmatspitz? «Mission erfüllt», sagt Ulysses Witzig, Schutzgebiet-Beauftragter von Pro Natura Aargau. «Das Gebiet hat sich super entwickelt.» Zahlreiche seltene Tierarten haben sich laut Witzig inzwischen im Mündungsgebiet der Limmat ausgebreitet: Eisvögel nisten im sandigen Steilufer des 2003 von Baggern ausgehobenen Limmat-Nebenarms. Fischarten wie die Nase und die Äsche laichen zwischen Kiesbänken und ins Wasser gestürzten Bäumen. Watvögel wie der Flussuferläufer waten durch Schlamm und Schlick und finden hier Nahrung. Auch Biber fühlen sich beim Limmatspitz offenbar wohl. Und auf dem früher landwirtschaftlich intensiv genutzten Uferland sorgen die schottischen Hochlandrinder dafür, dass eine extensive Weide entsteht, wie Witzig weiter erklärt.

Der Prozess der Renaturierung gehe weiter, erklärt Witzig: So pflanzte Pro Natura die in der Schweiz praktisch ausgestorbenen Schwarzpappeln auf dem Limmatspitz-Weideland an, in der Hoffnung, dass sie sich auch entlang der Aare bis zum Rhein verbreiten. Das dauert allerdings. Auch Tümpel wurden von der Naturschutzorganisation im Hinterland der Limmatmündung angelegt, damit sich der Laubfrosch dort etabliert. Er lässt aber noch auf sich warten. Doch andere Froscharten und Libellen sind in den Tümpeln längst heimisch geworden.

Zivildienstleistende sorgen im Auftrag von Pro Natura dafür, dass die zahlreichen Wanderer und Ausflügler den Limmatspitz auf seinem Weg zurück zur Natur nicht zu
sehr beeinträchtigen: «Sie weisen Hündeler darauf hin, ihre Hunde an der Leine zu halten», sagt Witzig. «Und sie entfernen Feuerstellen, die Ausflügler abseits der offiziellen Feuerstellen hinterlassen haben.»

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