Schlieren

«Hochhäuser sollen an sinnvollen Lagen grundsätzlich möglich sein»: Schlieremer Richtplan liegt öffentlich auf

Entlang der Limmattalbahn soll verdichtet werden. Beispielhaft sei das Projekt für das Schindler-Areal (blaue Hochhäuser). Der private Gestaltungsplan für das Gebiet liegt derzeit öffentlich auf.

Der Schlieremer Richtplan stösst auf grosses Interesse bei der Bevölkerung – grundlegende Kritik bleibt aus.

Aktuell verfügt Schlieren über keinen kommunalen Richtplan für die Bereiche Siedlung und Landschaft. Das ist ein Problem, denn ein Grossteil des anstehenden Bevölkerungswachstums soll laut Kanton in den bereits urbanen Gebieten – also auch in Schlieren – stattfinden. Damit dies nicht ziel- und planlos geschieht, gibt sich die Stadt nun ein solches Planungsinstrument. Vor rund 200 Anwesenden wurde der Entwurf, der nun für einen Monat öffentlich aufliegt, im Stürmeierhuus vorgestellt. Dass der letzte Tag für mögliche Einwendungen aus der Bevölkerung im Juli auf einen Freitag, den 13. fällt, ist für den Bauvorstand und designierten Stadtpräsidenten Markus Bärtschiger (SP) kein Grund für Pessimismus, wie er sagte.

Barbara Meyer, Projektleiterin Stadtentwicklung der Stadt Schlieren

«Erholungsräume wie das Gaswerk-Areal oder der Stadtpark sollen nicht nur erhalten, sondern aufgewertet werden.»

Barbara Meyer, Projektleiterin Stadtentwicklung der Stadt Schlieren

Basis des neuen Richtplans ist das 2016 veröffentlichte Stadtentwicklungskonzept aus der Feder des Planungsbüros Albert Speer und Partner (AS&P). Neben der Aufwertung der Naturräume auf dem Schlieremer Berg und dem Limmatbogen sah dieses auch vor, das Stadt- und mehrere Quartierzentren zu stärken. Mit dem Kesslerplatz und der Kreuzung Gasometerbrücke/Zürcherstrasse soll Schlieren zwei Stadteingänge erhalten. «Erholungsräume wie das Gaswerk-Areal oder der Stadtpark sollen nicht nur erhalten, sondern aufgewertet werden», sagte Barbara Meyer, Projektleiterin Stadtentwicklung, an der Präsentation von Donnerstag.

Mit dem kommunalen Richtplan soll nun ein ganzes Steuerungsinstrument geschaffen werden, wie sie weiter erklärt. Darin sind 22 Festsetzungen niedergeschrieben, derer sich der Stadtrat annehmen will. Neben allgemeinen Bekenntnissen etwa zu einer hohen architektonischen Qualität oder einer qualitätvollen Entwicklung des Gaswerk-Areals, kommt auch Konkretes. So soll entlang des Trassees der Limmattalbahn verdichtet gebaut werden, Landreserven, die nicht entlang der Bahn gelegen sind, sollen erst von der nächsten Generation entwickelt werden. Quartiere, die bereits heute stimmig sind, sollen so bleiben und es sollen keine Anreize zur Verdichtung gegeben werden. «Hochhäuser sollen an sinnvollen Lagen grundsätzlich möglich sein», so Meyer weiter. «Allerdings nur im Zentrum an bester Lage, wo das Stapeln Sinn ergibt.» Zudem müssten die Projekte eine qualitätvolle Gestaltung aufweisen.

Schindler-Areal als Paradebeispiel

Beispielhaft für die Verdichtung entlang der Tramlinie 2, die ab Herbst 2019 durch Schlieren fahren soll, sei das Schindler-Areal, wie Meyer sagt. Im Rahmen eines privaten Gestaltungsplans, der ebenfalls derzeit öffentlich aufliegt, will die gleichnamige Pensionskasse ihr Land bebauen und aufwerten. Die beiden hellblauen Hochhäuser mit Jahrgang 1968 bleiben bestehen, während sechs angrenzende Gebäude aus den 1930er-Jahren dem Erdboden gleichgemacht werden, um darauf mehrere Gebäude mit 145 Wohnungen zu erstellen. Heute sind es knapp 50. Als Mehrwertausgleich für die erhöhte Ausnützung erstellt die Bauherrin 34 Alterswohnungen, fördert das Kleingewerbe im Erdgeschoss und baut eine Kindergarteneinheit.

Regierungsrat hat letztes Wort

Einwendungen gegen den Richtplanentwurf, welche bis zum 13. Juli eingehen, wird der Stadtrat allenfalls in das Dokument einfliessen lassen. Danach geht es ins Schlieremer Parlament. Segnet auch dieses das Werk ab, geht es weiter zum Regierungsrat, der es ebenfalls absegnen muss. Eine Verbindlichkeit für Eigentümer besteht erst, nachdem die kommunale Bau- und Zonenordnung auf Grundlage des neuen Richtplans abgesegnet wurde.

«Ein sehr anspruchsvoller Schritt für meinen Nachfolger oder meine Nachfolgerin», so Bärtschiger. Genau hier knüpften auch die zahlreichen Fragen aus dem Publikum an: Was geschieht, wenn sich der Regierungsrat querstellt? «Gut möglich, dass er wie beim Verkehrsplan Punkte streicht, die das Parlament eingebracht hat», so Bärtschiger. Man sei aber bei der Erarbeitung in Kontakt mit dem Kanton gestanden und habe nicht ins Blaue hinaus geplant, versichert er.

Auch die einst geplante Einzonung des Landwirtschafts-Gebiets Erdbeerifeld entlang der Bernstrasse stiess auf Kritik. Ein Besucher monierte, dass niemand an der lärmigen Verkehrsachse wohnen wolle. «Vor 20 Jahren hätte ich auch nicht gedacht, dass jemand an den Bahngleisen wohnen werde», so Bärtschiger. Doch hätten die technischen Möglichkeiten des Lärmschutzes enorme Fortschritte gemacht. Weil das südliche Erdbeerifeld im kantonalen Richtplan aber nicht als Siedlungsgebiet ausgewiesen ist, verzichtete der Stadtrat darauf, diese Massnahme in den Plan aufzunehmen.

«Menschen sollten dereinst dort wohnen, wo sie arbeiten – dies wird im Richtplan zu wenig berücksichtig», monierte ein anderer Besucher. Dafür fehle es an Parkplätzen. Zuzüger hätten oft zwei Autos, sagte er weiter. Statistiken würden zeigen, dass die Anzahl Autos pro Einwohner rückläufig sei, erklärte Abteilungsleier Bau und Planung Hans-Ueli Hohl. Bärtschiger fügte an, dass vermehrt Unternehmen Wohnungen für ihre Mitarbeiter in Schlieren suchen. «Viele wollen in Schlieren leben und arbeiten, können es aber nicht, da nur wenige Wohnungen auf dem Markt sind.» Mit der geplanten Verdichtung werde dem Abhilfe geschaffen.

Ein weiterer Anwesender monierte, dass der Naturschutz im Richtplan stiefmütterlich behandelt werde. «Verglichen mit anderen Planungsinstrumenten anderer Städte sind die Formulierungen in Schlieren sehr schwammig.» Nebst dem, dass Bärtschiger darauf hinwies, dass der Mann eine Einwendung platzieren soll, betonte er auch, dass der Stadtrat im Bereich Naturschutz weitere detaillierte Massnahmen festschreiben wollte.

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