Urdorf
Hoch oben lösen sich die Alltagsprobleme in Luft auf

Ballonpilot Stefan Trindler bekommt in der Höhe einiges mit – das nächste Mal an der kommenden Schweizer Meisterschaft im Thurgau

Carla Stampfli
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Ein Team hebt ab (v.l.): Sonja und Stefan Trindler, Navigator Gerry Löffel.

Ein Team hebt ab (v.l.): Sonja und Stefan Trindler, Navigator Gerry Löffel.

zvg

Der Blick in den Himmel verrät: An diesem Tag wird es keine Trainingsfahrt im Ballon geben. «Das Gewitterrisiko ist hoch. Das Wetter ist unbeständig und es ist zu windig», sagt Ballonpilot Stefan Trindler. Es ist nun mal so, sagt der Urdorfer: Zwar ermöglicht er Wind die Ballonfahrt erst, bläst er jedoch ungünstig, wird er schnell zum Feind. «Der Wind allein bestimmt Fahrtrichtung und Geschwindigkeit», sagt Trindler.

Auch am Donnerstag, wenn der 27-Jährige an der Schweizer Meisterschaft der Ballonfahrer in Bischofszell starten wird, wird der Wind den Ablauf der Wettfahrt diktieren. Der Organisator entscheidet anhand der Witterungsverhältnisse, welche Aufgaben die Piloten zu lösen haben. Auf den Hobbypiloten könnten beispielsweise die folgenden Herausforderungen warten: Mit dem Ballon in einer gewissen Zeitspanne eine möglichst grosse oder kleine Distanz zurücklegen, ein virtuelles Rechteck in den Himmel zeichnen oder ein bestimmtes Ziel anfahren. Letzteres mag Trindler besonders. «Mir gefällt es, wenn ich weiss, wohin ich fahre.» Die Aufgabe mit dem Rechteck, die sogenannte 3-D-Aufgabe, sei ihm hingegen etwas zu abstrakt.

Ballonpilot Stefan Trindler bekommt in der Höhe einiges mit – das nächste Mal an der kommenden Schweizer Meisterschaft im Thurgau.
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Ballonpilot Stefan Trindler bekommt in der Höhe einiges mit – das nächste Mal an der kommenden Schweizer Meisterschaft im Thurgau.
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Ballonpilot Stefan Trindler bekommt in der Höhe einiges mit – das nächste Mal an der kommenden Schweizer Meisterschaft im Thurgau.

Carla Stampfli

Mutter teilt Leidenschaft des Sohns

An der Schweizer Meisterschaft geht der Sozialarbeiter mit dem Ballon der Stiftung «Winds of Hope» des Weltumrunders Bertrand Piccard an den Start. Mit im Team ist auch Mutter Sonja, die das luftige Hobby mit ihrem Sohn teilt. Als «Verfolgerin» wird sie im Auto dem Ballon nachfahren und die aktuellen Wetterdaten hochfunken. Als Pilot kontrolliert Trindler, dass er und Navigator Gerry Löffel sich im richtigen Höheintervall befinden. Ist das nicht der Fall, dreht er den Brenner auf, um an Höhe zu gewinnen, oder zu, um herabzusinken. Doch der Brenner kann nur die vertikale Lage des Ballons beeinflussen. Den Antrieb gibt der Wind.

Für Ballonfahrten geht Trindler hauptsächlich in den Thurgau oder ins Mittelland. Das Limmattal befindet sich innerhalb der Kontrollzone des Flughafen Zürichs und ist für den Luftverkehr gesperrt. Wo er mit seinem Ballon abheben darf, zeigt ihm die Schweizer Karte der internationalen Zivilluftfahrtorganisation. «Nebst dem Wind müssen wir bei den Fahrten auch die Flugbahnen berücksichtigen», sagt er. Blase der Wind stärker als üblich, müsse der Startplatz auch weiter entfernt von der Kontrollzone liegen – zu hoch wäre das Risiko, mit dem Ballon in die Nähe der Flugbahnen zu gelangen.

Teures und zeitintensives Hobby

Ob er nie Angst habe, dort oben, in 300 bis 6000 Metern Höhe? «Nein», sagt er. Er sorge dafür, dass er nie in eine heikle Situation gerät, und berücksichtige stets die Witterungsverhältnisse. «Es gehört zur mentalen Stärke, auch mal zu sagen: Heute fahre ich nicht.» Das Ballonfahren sei keine Risikosportart, so Trindler. In der Schweiz werden die rund 500 zugelassenen Ballone wie Flugzeuge gewartet, jede Fahrt wird in das Flugbuch eingetragen. Dementsprechend teuer ist das Material. Eine Ballonhülle alleine kostet rund 25 000 Franken, ebenso viel Brenner und Korb zusammen. Manche Modelle würden auch die 100 000-Franken-Marke erreichen. «Es ist ein teures und sehr zeitintensives Hobby», sagt Trindler. Aus diesem Grund gebe es auch immer weniger Piloten. An der Schweizer Meisterschaft nehmen denn auch ausländische Mitstreiter teil. Trindler wird dabei als einer der Jüngsten um die höchste Punktzahl fahren.

Doch nicht immer geht es Trindler um die sportliche Leistung. Er und seine Mutter bieten auch Passagierfahrten an. Dabei gehe es um andere Dinge als beim Wettkampf: «Wir gehen auf die Passagiere ein und schauen, dass sie sich wohlfühlen», sagt er. Bei der gut eineinhalbstündigen Fahrt versuche er den Passagieren die Faszination des Sports näherzubringen: «In der Luft hört man alles. Man hört die Hunde bellen, die Geräusche der Autobahn und die der Züge.» Sobald man in die Höhe steige, tauche man in eine ungewohnte Dimension ab. «Hoch oben habe ich eine ganz andere Sichtweise auf Alltagsprobleme», sagt Trindler. Wenn er etwa im Mittelland auf eine Ballonfahrt aufbricht und den Zürichsee und den Vierwaldstättersee im Blick hat, sehe er, wie klein die Schweiz sei. «Das tut manchmal gut.» (CES)