Dietikon
Hobbysänger Venanzio Deflorin steht mit Profis auf der Bühne

Venanzio Deflorin darf als Statist an der Freiluftaufführung von Nabucco auf dem Kirchplatz in Dietikon mitwirken. Gesang sei für ihn wie ein Gebet sagt der 72-Jährige.

Andrea Heller
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Der Schalk sitzt Venanzio Deflorin tief im Nacken. Der Heimwehbündner erzählt gerne über Gott und die Welt. Überhaupt hat der muntere Hobbysänger viele spannende Geschichten zu bieten.
Einst habe er in Indien vor 5 000 Leuten, unter denen auch der Maharadscha war, gesungen. Ganz spontan habe er in einem Hotel den überraschten Gästen ein romanisches Schlaflied vorgesungen. Ein einmaliges Erlebnis für Deflorin, der jeden Tag singt - und nun einen Opernauftritt in Dietikon hat.

Statistenrolle gewonnen

Der muntere Hobbysänger, der alle vier Landessprachen der Schweiz spricht, wurde nämlich von der az Limmattaler Zeitung ausgewählt, an der Openair Aufführug von Nabucco am 13. Juli mitzuwirken. Mit über 100 Darstellern des Opernensembles der Prager Festspieloper wird Deflorin Giuseppe Verdis Freiheitsoper auf dem Kirchplatz Dietikon aufführen dürfen. Für die Statistenrolle beworben hat sich der fröhliche Rentner jedoch nicht selbst. Seine Lebenspartnerin hat ihn heimlich angemeldet und ihn dann mit der Statistenrolle überrascht.

Am meisten freut sich Deflorin darauf, mit professionellen Sängern auf der Bühne stehen zu dürfen. Er könne von jedem Auftritt etwas lernen. Nervös ist er jedoch nicht, dafür habe er schon zu oft vor Publikum gesungen. Einmal mit professionellen Sängern auf der Bühne zu stehen sei jedoch seit langem Deflorins Traum. Wenn der gelernte Fernmeldespezialist die Möglichkeit gehabt hätte, wäre er selbst Sänger geworden.

Gesang spielt zentrale Rolle

Der Gesang hat von jeher eine wichtige Rolle in Deflorins Leben gespielt. «Gesang ist für mich wie ein Gebet. Er berührt mich tief», sagt er ernst. Musik könne man nicht erzwingen, manchmal komme sie wie von selbst, manchmal nicht. Es sei wie überall im Leben. Auch mit der Musik gäbe es Hochs und Tiefs.

Verdis Oper, die das Streben des jüdischen Volkes nach Freiheit aus der Babylonischen Gefangenschaft thematisiert, ist kein Neuland für Deflorin. Er habe mehrmals mit einem der drei Chöre, denen er angehört, Auszüge daraus gesungen. Es sei eines seiner Lieblingswerke. Eine bevorzugte Stelle in der Oper habe er nicht. Ihm gefallen die Musik und die Arien im Allgemeinen.

«Va, pensiero, sull'ali dorate» (Steig, Gedanke, auf goldenen Flügeln) wird Deflorin auf dem Kirchplatz mit dem 50-köpfigen Chor singen dürfen. Das berühmte Lied von Verdis Gefangenenchor war die heimliche Hymne für den Freiheitskampf des italienischen Volkes im 19. Jahrhundert.

Bekannte Gesichter werden im Publikum sitzen

Seine offensichtliche Leidenschaft für das Singen hängt Deflorin nicht an die grosse Glocke. Von seinem Auftritt in der 1842 in Mailand uraufgeführten Oper hat er bis jetzt niemandem erzählt. «Es ist wie mit der Liebe», sagt er. «Wenn man aufrichtig fühlt und glücklich ist, genügt die eigene Freude.»

Seine Partnerin sorge jedoch dafür, dass er Unterstützung von bekannten Gesichtern im Publikum erhalte, sagt er lachend.