Die Weininger und Geroldswiler singen dieses Jahr die Nationalhymne zusammen – an der gemeinsamen Bundesfeier in der Fahrweid. Die Grenze zwischen den beiden Dörfern verläuft mitten durch dieses Quartier, das ausserhalb beider Dorfkerne liegt.

Die Idee zur gemeinsamen Feier hatte der Geroldswiler Gemeindepräsident Michael Deplazes. Er will damit ein Wahlversprechen aus dem Jahr 2014 einlösen. «Ich habe schon damals gesagt, dass es mein Ziel ist, die Bevölkerung aus dem Dorfteil Fahrweid verstärkt ins Gemeindeleben einzubinden», sagt Deplazes. «Diese Feier ist ein erster Schritt dazu. Weitere werden folgen.» Da ein grosser Teil des Quartiers auf Weininger Gemeindegebiet liegt, kam er auf die Idee einer gemeinsamen Bundesfeier.

Finanzielle Überlegungen hätten dabei keine Rolle gespielt: Für die 1.-August-Feier habe man sowieso ein fixes Budget. «Das Geld war im Vorfeld kein Thema. Unser Ziel ist eine schöne Bundesfeier», sagt Deplazes. Solange ihm die Verantwortung für die Geroldswiler 1.-August-Feier obliegt, solle die Feier hin und wieder in der Fahrweid stattfinden. Schliesslich wohnen viele Geroldswiler in diesem Dorfteil. Bisher wechselte die Gemeinde den Standort der Bundesfeier jedes Jahr: Entweder fand sie im Dorfzentrum oder im Gebiet Werd statt. Vielleicht etabliert sich nun das Fahrweid-Quartier als dritter Standort. «Ich könnte mir vorstellen, dass wir den die Bundesfeier in Zukunft alle zwei bis drei Jahre zusammen mit Weiningen begehen. Darum wünsche ich mir, dass auch viele Geroldswiler aus dem Dorf mit mir den 1. August im Quartier Fahrweid feiern», sagt Deplazes.

Auch Weiningen wechselt den Ort seiner Bundesfeier regelmässig: zwischen dem Dorfkern und dem Quartier Fahrweid. Erstere Variante organisiert jeweils die SVP, letztere der Quartierverein Fahrweid, der seit 1991 Einwohnern beider Gemeinden offensteht.

Hansueli Furrer vom Quartierverein freut sich, dass der Verein dieses Jahr eine gemeinsame Bundesfeier mit Geroldswil und Weiningen durchführen kann. Und: «Aus Sicht des Quartiervereins spricht nichts dagegen, es immer so zu machen.» An der Feier offerieren die Gemeinden einen Spaghettiplausch. Gut möglich, dass das Essen oder das Essverhalten auch in der Festrede zum Thema wird: Denn diese hält Hélène Vuille, die Limmattalerin des Jahres 2013, die erfolgreich gegen die Verschwendung von Lebensmitteln kämpft.

Auch die Idee, sie zu engagieren, stammt von Michael Deplazes. «Man ist gebannt, wenn man Frau Vuille sprechen hört und merkt, mit wie viel Enthusiasmus sie bei der Sache ist.» Ihr Engagement passe zum 1. August, zumal der Nationalfeiertag auch ein Tag der Solidarität sei.

Obdachlose und ihre Heimat

Hélène Vuille will keine strikt traditionelle Rede halten. Sie verrät schon so viel: «Ich will den Menschen eine Stimme geben, die es nötig haben.» Die Rede hat sie bereits geschrieben. Sie handelt unter anderem davon, was Heimat für Obdachlose bedeutet. «Der 1. August hat auch für jene Menschen eine grosse Bedeutung, die auf der Strasse leben», so Vuille. Sie wird lustige und traurige Geschichten erzählen — den Geroldswilern und den Weiningern.