Dietikon
Hitziger Wahlkampf-Endspurt mit «Japan-Effekt»

Im Stadthauskeller lieferten sich junge Kantonsratskandidierende von Grünen, FDP, SP und SVP ein Wortgefecht. Thema war der Ausstieg aus der Atomkraft.

Daniel Andrés Egli
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Nach der Diskussion bei Orangensaft und Weisswein: Andreas Wolf (Grüne), Rosmarie Joss (SP), Marc Estermann (SVP) und Dominik Tiedt (FDP). dae

Nach der Diskussion bei Orangensaft und Weisswein: Andreas Wolf (Grüne), Rosmarie Joss (SP), Marc Estermann (SVP) und Dominik Tiedt (FDP). dae

Limmattaler Zeitung

Der Kanton Zürich wählt am 3. April den Regierungs- und den Kantonsrat neu. Seit Wochen läuft der Wahlkampf, und in diesem wechseln sich Wählerumfragen, kleine Unstimmigkeiten und grosse Versprechungen ab. Längst sind auch die Naturkatastrophe in Japan und die prekären Folgen davon im Atomkraftwerk Fukushima in den Diskussionen angekommen.

Insbesondere die Grünen und Grünliberalen profitieren vom «Japan-Effekt» und legen in den Umfragen stark zu. Dies zeigt die jüngste Wählerumfrage von Isopublic und wurde in den vergangnen Tagen eindrücklich mit den historischen Wahlsiegen der Grünen in Basel und im deutschen Bundesland Baden-Württemberg bewiesen.

Doch ist die Sachlage wirklich so einfach? Diese Woche stellten sich vier junge Kandidierende für den Kantonsrat den Fragen von Daniel Winter, Chefredaktor der az Limmattaler Zeitung, und des Publikums an einem Politpodium im Dietiker Stadtkeller. Schnell wurde klar: Weder kann sich links-grün auf den Effekt der Katastrophe in Japan verlassen, noch ist es den Bürgerlichen möglich, sich nur auf ihre starken Themen zu berufen. Gefragt war Neues und Innovatives.

Atomausstieg, aber wie?

Die erste Frage, welche Daniel Winter in die Runde warf, war auch gleich die am heissesten diskutierte des ganzen Abends. Die seit den verheerenden Ereignissen in Japan immer wieder stark diskutierte und thematisierte Frage der Atomenergie in der Schweiz liess die jungen Politgemüter sofort in die Gänge kommen. Da wurde von alternativen Energien gesprochen. Von unrealistischen Versprechungen. Von grossen Zielen.

Marc Estermann (SVP) liess durchblicken, er sei keineswegs ein Atombefürworter, aber: «Ich sehe zum heutigen Zeitpunkt einfach keine realistischen Alternativen. Eine Kurzschlusshandlung sehe ich als hochgradig problematisch an», argumentierte der 25-jährige Student aus Geroldswil.

Ganz anders sah das Kantonsrat Andreas Wolf von den Grünen. Dem 31-jährigen Umweltwissenschaftler ist vor allem die Umsetzung der 2000-Watt-Gesellschaft ein Anliegen. Ohne Atomstrom wohlgemerkt: «Die Grünen setzten sich seit bald 30 Jahren gegen den Atomstrom und für alternative Energien ein. Da spielt der Japaneffekt überhaupt keine Rolle.»

Diese Argumente wiederum gefielen Dominique Tiedt von den Freisinnigen überhaupt nicht. Der 29-jährige Volkswirtschaftler positionierte sich und seine Partei in diesem Punkt wie gewohnt. Überlegt und zurückhaltend: «Ich denke wir müssen die Ereignisse in Japan jetzt gut analysieren und die für die Schweiz richtigen Schlüsse daraus ziehen. Zurzeit sehe ich jedoch keinen unmittelbaren Handlungsbedarf», so der Geroldswiler Gemeinderat.

Zwischenrufe aus dem Publikum

Etwas pointierter und sehr emotional legte die SP-Kantonsrätin Rosmarie Joss aus Dietikon ihre Argumente vor. Die diplomierte Physikerin und Mitglied des Vorstandes der Jungsozialisten war für einen sofortigen Beginn in Sachen Ausstieg aus der Atomkraft. «Ich setzte mich dafür ein, dass die Atomlobby und die bürgerlichen Parteien erstens ihre jetzt gemachten Versprechungen auch wirklich einlösen, und dass die Atomlobby die Ereignisse in Japan nicht einfach so wie nach Tschernobyl aussitzen kann, sondern dass man jetzt wirklich Konsequenzen zieht.»

Die Frage um die Atomenergie sorgte nicht nur auf dem Podium für Diskussionen. Auch aus dem Publikum waren je länger je mehr Zwischenrufe und Unmutsäusserungen zu hören. Während der anschliessenden Fragerunde wurden dann vor allem die beiden linken Politiker ins Verhör genommen. Beim anschliessenden Apéro beruhigte sich die Stimmung schnell wieder. Das Podium war vorbei – und nun gilt es abzuwarten, was der kommende Sonntag bringt.