Vor knapp einem Jahr stellten die Aescher die Weichen. So will die Gemeinde ihr Glasfasernetz selber bauen lassen und auch im Besitz der Infrastruktur bleiben, wie Hochbauvorstand Max Holliger (FDP) ausführte. Ebenfalls zu den Rahmenbedingungen gehört, dass für sämtliche Liegenschaften eine Anschlusspflicht besteht. Die neuen Anschlüsse, die voraussichtlich 2020 in Betrieb gehen, sollen in Zusammenarbeit mit der Swisscom erstellt werden. Das aktuelle HFC-Netz wird dann abgestellt.

Günstig ist das Glasfasernetz jedoch nicht. Denn pro Liegenschaft kostet der neue Anschluss 2000 Franken. Ein Betrag, der als Modernisierungsgebühr bezeichnet wird. Bei Neubauten müssen die Besitzer 2500 Franken hinblättern. Hinzu kommen etwa Kosten für einzelne Wohneinheiten. Gemeinsam mit Beiträgen der Swisscom – rund 300 000 Franken – sollen so knapp 1,25 Millionen zusammenkommen. Alles in allem kostet der Ausbau 1,5 Millionen Franken. Unterm Strich lässt sich die Gemeinde das Glasfasernetz also gut 250 000 Franken kosten.

Bevor das neue Netz erstellt werden kann, braucht Aesch eine entsprechende Gesetzesgrundlage. Über die Verordnung zum Kommunikationsgesetz hatten die
52 Teilnehmer der ausserordentlichen Gemeindeversammlung von Mittwoch einiges zu diskutieren. Besonders die Anschlusspflicht war Stein des Anstosses. «Kann man nicht auf diese verzichten? Schliesslich verfügen wir auch bei der heutigen Version der Verordnung über keine solche», sagte ein Votant und stellte einen Streichungsantrag. So könne sich ein Bauherr doch dazu entschliessen, in seinem neuen Eigenheim nur über sein Mobiltelefon zu kommunizieren.

Gemeindepräsident Hans Jahn (Forum) verwies darauf, dass der Gemeinderat eine möglichst einheitliche Handhabung angestrebt habe. «Vergleichbar mit den Regelungen im Abfallwesen oder bei der Wasserversorgung.» Anschliessend entbrannte eine hitzige Diskussion über die Freiheit der Bürger und die Notwendigkeit eines Glasfasernetzes. «Man muss doch nicht derart komplizierte Abläufe generieren», monierte ein Herr und fragte in die Runde, ob man nicht einfach alles der Swisscom übergeben könne.

Weitere Betreiber möglich

Die Exekutive brauchte darauf nicht zu antworten, denn der Sitznachbar des Gegners ergriff das Wort. «Das geplante Netz kann bis zu vier Providern aufnehmen. Will die Gemeinde dereinst die Kosten hinuntertreiben, kann sie das Glasfasernetz an einen weiteren Anbieter vermieten.» Dies sei ein guter Schachzug des Gemeinderates, resümierte der Herr.

Auch ein weiterer Votant verwies darauf, dass man mit dem aktuellen Netz nicht für die Zukunft gerüstet ist. «Es ist zentral, dass wir hier in Aesch das Glasfasernetz erhalten.» Gemeindepräsident Jahn machte den Vorschlag, den Paragrafen, nach dem eine Anschlusspflicht besteht, in der Verordnung zu belassen. «Dafür ergänzen wir die Schlussbestimmungen um die Möglichkeit, auf einen Anschluss verzichten zu können», so Jahn. Dies erschien der Mehrheit der Versammlung als vernünftiger Kompromiss. Lediglich 15 sprachen sich gegen die Anschlusspflicht aus, während 27 dafür votierten.

Ein weiterer Antrag eines Anwohners des Dorfkerns, wonach die Rohranlagen bei Umbauten möglichst auf den öffentlichen Raum zu verlegen sind, wurde von der Versammlung einstimmig angenommen. Bei Neubauten wie im Gebiet Heligenmatt-Feltsch sei dies bereits heute der Fall, so Jahn.

Dass der Gemeinderat das Glasfasernetz dereinst freihändig an Provider vermieten darf – wie vom vorherigen Votant gelobt –, goutierte die Versammlung ebenfalls nicht. Neu müssen solche Pachtverträge, welche die Gemeinde mit allfällig neuen Providern abschliesst, von der Gemeindeversammlung abgesegnet werden. «Das würde ich lieber an den Gemeinderat delegieren, da ich selber nicht drauskomme», monierte ein Teilnehmer. «Wir sind auch keine Spezialisten auf dem Gebiet», erwiderte Jahn mit einem Schmunzeln.

Schliesslich befürworteten die anwesenden Stimmberechtigten die neue Verordnung einstimmig mit den Änderungsanträgen. Nun wird sie vom Gemeinderat in Kraft gesetzt. Damit er dies kann, muss erst noch eine Abstimmung gewonnen werden. Bereits am 25. November befinden die Aescher an der Urne über den 1,5-Millionen-Franken-Kredit für die Erstellung des Netzes. Nach Eingang der Gebühren und Swisscom-Gelder werden sich die Ausgaben jedoch auf rund 250 000 Franken reduzieren.