Schlieren

Hitzige Diskussion: Tabula rasa für die grüne Mitte

Streitpunkt war die Einfahrt weg von der neuen Badenerstrasse direkt vor der Alterszentrum-Parzelle westlich des Familienzentrums. Diese Einfahrt besteht bereits.

Die Stadt sistiert den Wettbewerb für das neue Alterszentrum, weil der Kanton die verkehrstechnische Anbindung kritisiert.

Auf dem Kulturplatz westlich des neuen Stadtplatzes gehts vorwärts: Nachdem die Unterführung Mausoleum abgebrochen wurde, wird derzeit eine neue Fläche erstellt. Neben einem zusätzlichen Gehweg und einer eingefassten Grünfläche wird die Stadt auch eine WC-Anlage platzieren lassen. Im Gegensatz dazu kam die Planung des angrenzenden Stadtparks abrupt zum Stoppen. Wie einem Stadtratsbeschluss von dieser Woche zu entnehmen ist, zieht die Exekutive die Notbremse und will für knapp 90 000 Franken eine neue Planungsgrundlage erstellen lassen.

Der Grund ist ein zweiter Rückschlag: Nach dem Nein der Stimmbevölkerung zum Stadtsaal-Projekt im vergangenen März kommt nun das zweite Hindernis. So musste der Stadtrat dem Projektwettbewerb «Wohnen und Pflege am Bach» für ein neues Alterszentrum als Sandbühl-Ersatz den Stecker ziehen.

Vor einem Jahr sprach das Parlament einen Kredit von 570 000 Franken für die Durchführung eines Architekturwettbewerbs für den Bau. Er soll 60 Alterswohnungen sowie 30 Pflegezimmer beherbergen und rund 42 Millionen Franken kosten. Grund für die Sistierung des Architekturwettbewerbs sei ein negativer Entscheid der Baudirektion zur Erschliessung der Liegenschaft via Badenerstrasse, schreibt der Stadtrat in seinem Beschluss.

Liegenschafts- und Finanzvorsteherin Manuela Stiefel (FDP) erklärt auf Anfrage, dass man im Sommer über den Entscheid des Kantons in Kenntnis gesetzt wurde. «Der Kanton beurteilte die vorgesehene Zufahrt von der Badenerstrasse als zusätzliche Einfahrt. Diese könne er nicht bewilligen», so Stiefel. Dem Austausch mit dem Kanton habe jedoch ein Missverständnis zugrundeliegen müssen. Denn die historischen Bauernhäuser, die südlich der neuen Badenerstrasse gelegen sind, würden auch mittels dieser Einfahrt erschlossen. Zudem bestehe die Einfahrt bereits (siehe Foto oben).

Im Februar kanns losgehen

Ende September trafen sich Vertreter der Stadt mit dem Amt für Verkehr und dem Tiefbauamt für eine Aussprache. Mit Erfolg: «Danach stellte man uns die Genehmigung des Anschlusses des Alterszentrums in Aussicht», sagt Stiefel. Einerseits habe man die Sache aufklären können, andererseits habe sich die Situation in der Tat ein wenig verändert, seit die Stadt das Gesuch einreichte. Denn der Stadtsaal hätte ebenfalls über diesen Perimeter erschlossen werden sollen. «Dieser wird nun aber auf absehbare Zeit nicht erstellt», so Stiefel. Weiter habe man sich mit dem Kanton auf die Erstellung einer Testplanung geeinigt, da es auch ihm ein Anliegen gewesen sei, die südliche Seite der Badenerstrasse, die grüne Mitte Schlierens, präziser zu planen.

Der Start des Architekturwettbewerbs musste gestoppt werden, da die Stadt den zehn bereits ausgewählten Planerteams wegen der Sistierung nicht genau bekannt geben konnten, wie das neue Alterszentrum erschlossen werden sollte. «Sie können keine Einrichtung dieser Grösse planen, ohne zu wissen, wie sie angefahren wird», sagt Stiefel. «Alles in allem rechnen wir mit einer Verzögerung von rund einem halben Jahr, bis die Architekten mit den detaillierten Angaben versorgt werden und mit der Arbeit loslegen können.»

Mit dem Wettbewerbsstopp rückten nun übergeordnete Fragen wieder in den Vordergrund, sagt Bauvorstand Stefano Kunz (CVP). Etwa, was man nach dem Stadtsaal-Nein mit dem Kulturplatz machen wolle, wo der Spielplatz beim Familienzentrum neu verortet werden kann und wie eine alternative Erschliessung des Alterszentrums aussehen könnte. «Nun, da wir ohnehin eine Pause einlegen müssen, nutzen wir die Zeit, um einen Masterplan zu erstellen, der vorgibt, wie die Mitte aussehen soll.»

Reformierte Kirche plant mit

Demnach werden zwei Planungsteams mit der Durchführung einer Testplanung mit dem Titel «Grüne Mitte» betraut. Als Beurteilungsgremium der Arbeiten wirkt die Arbeitsgruppe Zentrum. Sie besteht aus Stadtpräsident Markus Bärtschiger (SP), Finanzvorsteherin Stiefel, Stadtbaumeister Hans-Ueli Hohl, Stadtplanerin Barbara Meier und Kunz selber. Möglicherweise stosse eine weitere Person aus der Verwaltung hinzu.

Bemerkenswert ist, dass auch Mitglieder der reformierten Kirchenpflege in diesem Beurteilungsgremium Einsitz haben werden. «Wir haben erkannt, dass eine gemeinsame Planung des Stadtparks mit der Reformierten Kirche sehr wichtig ist, da unsere jeweiligen Parzellen stark verschachtelt sind», so Kunz. Eine Zusammenarbeit böte zahlreiche Möglichkeiten. So stehe das Pfarrhaus leer, weshalb sich die reformierte Kirche Gedanken zu dessen Nutzung mache, und der grosse Umschwung könnte besser genutzt werden.

«Wir haben einen gewissen Zeitdruck. Bereits Ende Februar soll der neue Masterplan vorliegen», so Kunz. Der Masterplan würde in den Projektwettbewerb des Alterszentrums einfliessen. Angst, dass der Stadtrat nun am Volk vorbeiplant, hat Kunz nicht. «Die verbindlichen Elemente werden dieselben bleiben. Es geht hier um die Gestaltung der Grünen Mitte.»

Es entstehe ein Mehrwert

Einen Vorgeschmack, in welche Richtung es gehen könnte, gibt Stiefel bereits. So habe man sich bezüglich des Spielplatzes im Stadtpark bereits Gedanken gemacht und ziehe in Betracht, an einem Pro-Juventute-Projekt teilzunehmen. «Der Spielplatz ist sehr beliebt und wird rege genutzt. Es ist denkbar, dass er innerhalb des Stadtparks in Koordination mit der Umgebungsgestaltung der Alterseinrichtung neu konzipiert wird», so Stiefel.

Im Projekt ginge es darum, dass Kinder und Jugendliche gemeinsam mit Senioren in einem partizipativen Verfahren einen neuen Spielplatz mitgestalten. Unterm Strich lasse sich sagen, dass die Verzögerung von rund einem halben Jahr zwar bedauerlich ist, aber durchaus Sinn ergebe und ein Mehrwert entstehe.

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