Zu gewinnen gab es allerdings mehr als bewundernde Blicke an den Open Fitness Meisterschaften am Samstag in der Dietiker Stadthalle: 12000 Franken winkten als Preisgeld. Veranstaltet wurde der Wettkampf von der Organisation Open Fitness & Body-Building OFBB/NAC.

Am Tag X muss alles stimmen

In den Garderoben sitzen Cornelia Büsch – Hausfrau, Tierbetreuerin und Personal Fitness Trainerin – und Guido Mariuzzo – Linienflugpilot bei der Swiss und Personal Fitness Trainer – auf zwei dünnen Gummimatten. Aus mitgebrachten Plastikschalen essen sie Reis mit Honig. Wasser trinken sie kaum. Nur ab und zu einen ganz kleinen Schluck. «Je weniger Wasser im Körper ist, desto besser kommen die Muskeln zur Geltung», erklärt Mariuzzo und giesst seiner Lebenspartnerin Cornelia etwas Honig über ihren Reis.

Auf diesen Wettkampftag haben sich die Athleten, die aus dem In- und Ausland angereist sind, monatelang vorbereitet – so ist es beim Bodybuilding üblich. Am Tag X muss alles stimmen: Männer haben nur noch 3 bis 6 Prozent Körperfett, Frauen 7 bis 9 Prozent. Wichtig ist ausserdem, kein Wasser unter der Haut zu haben. Und natürlich die perfekt aufgetragene Bräunungscreme.

Die Jury sei in ihrer Bewertung sehr hart und achte auf jedes Detail, erzählt Büsch. Ihre Stimme verrät den Ehrgeiz, dieser Härte gerecht zu werden. «Mitmachen ist das eine, gewinnen ist besser», scherzt Mariuzzo und blickt seine Partnerin aufmunternd in die Augen. Man merkt: Bodybuilding ist ein Wettkampfsport, mehr als nur ein Hobby.

Das Essen wird abgewogen

Jeder Athlet bereitet sich unterschiedlich auf den grossen Tag vor. Diät, Kardio- und Krafttraining machen aber alle. Die Unterschiede liegen im Detail. Büsch und Mariuzzo starteten ihre Vorbereitung für die Wettkämpfe in Dietikon in den USA. Drei Wochen lang – jeden Tag Training und sehr bewusstes Essen. «Wir wiegen unser Essen jeweils ab», sagt Büsch. Kontrolle und genaue Planung seien der Schlüssel zum Erfolg.

Zudem brauche es einen starken Durchhaltewillen – und viel Wissen über Trainingsmethoden, Ernährung und sogar über chemische Prozesse. Wenn Büsch und Mariuzzo über Proteine, Eiweissmoleküle und Muskelfaserzellen sprechen, fühlt man sich in den Chemieunterricht an der Schule zurückversetzt.

Kein Hantelstemmen im Cockpit

Das Gefühl, wegen des harten Trainings etwas zu verpassen in ihrem Leben, haben die beiden nicht. «Dieses Gefühl hat keiner der Athleten, die heute hier sind», sagen sie. Bodybuilding sei ihre Leidenschaft. Vor allem für den Swiss-Piloten Mariuzzo ist es allerdings sehr aufwändig, Job und Bodybuilding unter einen Hut zu bringen. «Auf einem Langstreckenflug Zürich-Hong Kong kann ich schlecht Gewichte stemmen. Ich nehme aber immer meinen Protein-Bedarf mit», sagt er und lacht. Auch bei seiner Diät müsse er manchmal Abstriche machen. «Im Cockpit muss ich mich stark konzentrieren. Da muss ich genügend Kohlenhydrate und Energie zu mir nehmen, damit ich voll leistungsfähig bin», sagt er.

Kurzer Auftritt nach langer Arbeit

Zurück auf die Wettkampfbühne in der Dietiker Stadthalle: Der Moment, auf den alle Sportler so lange hingearbeitet haben, dauert nur wenige Minuten. Auf der Bühne nehmen die Bodybuilder die Pflichtposen ein und hoffen, dass die Jury von ihrem Körperbau angetan ist. Dann ist schon alles vorbei und die Rangliste steht fest.

Mariuzzo erreicht in einem starken Teilnehmerfeld den guten, aber undankbaren vierten Platz. Büsch wird – ebenfalls mit harter Konkurrenz – Fünfte. «Wir ziehen unsere Lehren daraus und werden weiter trainieren, damit wir besser werden», sagen die beiden kämpferisch und denken schon an den nächsten Wettkampf. Wie lange sie diesen Leistungssport noch machen wollen, wissen die Bodybuilder nicht. Beide sind über 45 Jahre alt. «Vielleicht werden wir trainieren, bis uns die Augen zufallen», sagt Büsch, und ihr Partner nickt zustimmend.