Schlieren

Hinter den Kulissen: Diese Müllmänner sorgen für ein sauberes Schlierefäscht

Die Männer vom Werkhof machen Ordnung am Schlierefäscht. Sie sammelten bislang weniger Abfall ein als am Fest vor vier Jahren.

Es ist noch vor sieben Uhr morgens: Doch bereits jetzt sitzt die ganze Crew in leuchtend orangen Westen im Znünirüümli des Schlieremer Werkhofs. In der Luft hängt der Duft von Kaffee, es geht ein frischer Morgenwind und ein paar Gesprächsfetzen der Männer füllen den Raum.

Sobald der Abteilungsleiter des Abfuhrwesens, Marcel Burgherr, den Raum betritt, geht es los: «Du schmierst den Wagen sieben durch. Ihr beiden fährt mit dem Tuk-tuk und holt die Pet-Säcke. Du kommst mit mir.» Kaum zwei Minuten dauert die Arbeitseinteilung. Kurz darauf sind alle aufgestanden und verlassen den Raum. Draussen auf dem Werkhof formieren sich die Arbeitsgrüppchen und das erste Abfallsammelfahrzeug verlässt den Hof. Erstes Ziel ist das Festgelände des Schlierefäschts. Dieses wird jeden Morgen vom Team der Sammelstelle Schlieren geputzt.

Und wenn nach der morgendlichen Putz-Tour ein grösseres Abfall-Missgeschick auf dem Areal geschieht, kann es sein, dass das Telefon im Werkhof klingelt. «Dann kommen wir und machen Ordnung. Es ist schliesslich das Schierefäscht», sagt Burgherr.

Auf dem Gelände vor der grossen Bühne angekommen, nickt Burgherr zustimmend. Auch wenn hier und dort noch ein Papier, ein Zigarettenstummel oder eine Flasche liegt, verglichen mit dem letzten Schlierefäscht sei das alles nichts. «Damals war der Platz vor der grossen Bühne mit Cüpli-Gläsern gepflastert», sagt Burgherr. Das Mehrweggeschirr habe dazu geführt, dass dies nun nicht mehr passiere. Denn die Leute halten nun nicht nur einen Plastikbecher, sondern sozusagen zwei Franken Depot in der Hand. Diese werfen sie nicht einfach so auf den Boden.

Wenn sie auf der Strasse halten, motzen einige Leute

Die Männer in den Überkleidern tragen alle Handschuhe. Ansonsten kennen sie keine Berührungsängste: Mit schnellen Griffen holen sie die Container vom Strassenrand zum Gefährt. Dort werden die Mülltonnen eingehängt und mittels Knopfdruck geleert. Während die Tonne über dem Schlund des Müllwagens hängt, klappt der Deckel noch ein bis zweimal auf und zu, bis wirklich alles draussen ist. Dann wird die Tonne heruntergelassen und wieder zurück an den Ort geschoben.

Derweil ertönt ein Zischen und Knirschen aus dem Bauch des Wagens. Dieses zeigt, dass die Schaufel den Abfall im Inneren des Wagens zusammenpresst. Dabei umweht ein süsslicher und bisweilen scharfer Geruch das Gefährt, das zuletzt für die Grünabfuhr gebraucht wurde.
Das ganze Prozedere dauert kaum eine Minute: Doch es ist immer wieder Grund des Ärgernisses. «Wenn wir auf der Strasse halten, um die Abfallcontainer zu leeren und es den Leuten pressiert, motzen sie», sagt Shpetim Zejnaj, ein Mitarbeiter, der auf dem Werkhof nur unter dem Namen Speedy bekannt ist. In einem solchen Fall sei es das Beste, man gehe nicht darauf ein, sondern fokussiere auf die Arbeit. «Etwas anderes bringt nichts», sagt der 41-jährige Familienvater.

Auch Straffällige arbeiten hie und da im Werkhof mit

Zejnaj arbeitet bereits seit zehn Jahren im Werkhof. Zuvor war er als Gärtner tätig. Doch das sei körperlich sehr anstrengend und hier sei die Arbeit gut und das Team super. «Es ist mir wichtig, dass wir immer wieder einmal etwas gemeinsam machen und ich mitarbeite», sagt Burgherr. Er hat nebst den neun fixen Mitarbeitern noch vier zusätzliche Teammitglieder. Einen von der Jugendanwaltschaft: «Bei denen frage ich jeweils nicht nach, was sie angestellt haben.

Es kommt einfach darauf an, wie sie hier arbeiten.» Dann eine Person aus dem Arbeitslosenprogramm: «Sie arbeitet für längere Zeit bei uns mit.» Zudem ein Praktikant: «Er kommt aus einem schwierigen sozialen Umfeld.» Und ein Lehrling: «Dieser wechselt durch die verschiedenen Abteilungen des Werkhofs», sagt Burgherr.
All diese Leute werden in die Arbeit hineingenommen, genug zu tun gebe es ja alleweil.

«Schon viele haben nach ihrer Zeit hier einen Job oder eine Wohnung gefunden», sagt Burgherr und geht zur Führerkabine des Abfallgefährts. Nach einigen Metern Fahrt durch die Stände des Schlierefäschts bleibt er wieder stehen. Zejnaj kommt über den Rasen, vor sich schiebt er eine weitere Tonne zum Müllwagen.

«Wir haben 70 Abfalltonnen auf dem ganzen Areal des Schlierefäschts verteilt», sagt Burgherr. Doch nicht die Menge der schwarzen oder blauen Plastiktonnen ist entscheidend. Es kommt viel mehr auf die Sichtbarkeit der Abfalltonnen an. Sobald man von einem Ort aus keinen anderen Eimer sehen könne, lande der Abfall auf dem Boden, so Burgherr.

Die Männer von der Müllabfuhr bringen auch Hausschlüssel zurück

Das Fahrzeug bewegt sich weiter über die Hauptstrasse hin in Richtung Schtüürmeierhus. Hier in der Nähe steht einer der Abfalltürme, die in den Boden eingelassen sind und so zig Müllsäcke fassen. Während Zejnaj einen Container leert erklärt er, dass hier öfters mal auch ein Hausschlüssel oder ein falscher, das heisst, ein schwarzer statt ein gebührenpflichtiger Sack, drin lande. Die falschen Säcke öffnen sie und suchen nach einer Adresse, um dem Übertreter eine Busse zu senden, bei den Schlüsseln meldet sich meist der Besitzer und fragt, ob man nicht den Turm leeren könnte. Vereine und Anwohner wissen, dass sie beim Werkhof anrufen können. Dass dort Leute arbeiten, die sich für die Sauberkeit in Schlieren verantwortlich fühlen. Und das selbst da, wo es nicht ihr Auftrag wäre: Wie beispielsweise bei den Schlüsseln, die immer mal wieder in den Abfalldeponien versenkt werden oder bei den Pet-Flaschen am Schlierefäscht.

Mit Letzteren hat der Werkhof eigentlich nichts zu tun. Doch nun fährt jeden Morgen ein mintfarbenes Wägelchen über das Festgelände und zwei orange gekleidete Männer laden Sack für Sack Pet-Flaschen auf den hölzernen Aufbau. Danach fahren sie mit ihrer recyclebaren Last zur Mulde. «Das muss sein. Auch wenn es nicht unsere Aufgabe wäre. Schliesslich wollen wir alle ein sauberes Schlierefäscht», sagt Burgherr. Das scheint den Männern wirklich wichtig zu sein. Wohl nicht zuletzt deshalb, weil sie am Abend selbst wieder über den Platz flanieren und am Fest teilnehmen werden.

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