Dietikon
Highway für Velos rückt näher – doch es bestehen noch rechtliche Probleme

Im Limmattal soll eine Veloschnellroute realisiert werden. Die Planungsgruppe Limmattal und der Kanton haben sie vorgestellt – nicht überall sind sie sich einig. Trotzdem hofft der Kanton, dass sie bis 2020 Tatsache ist.

Carla Stampfli
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Im Limmattal soll eine Veloschnellroute entstehen.

Im Limmattal soll eine Veloschnellroute entstehen.

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Was für die Schweiz die Alpen sind, ist für Holland das Velo: Im nordeuropäischen Land gibt es nicht nur mehr Fahrräder als Einwohner, sondern es wird seit 2005 auf den Bau von «Fietssnellwegen» – Veloschnellrouten – gesetzt. Eine solche soll nun auch im Limmattal realisiert werden. Einen Einblick in die Ideenwerkstatt gewährte am Mittwoch die Zürcher Planungsgruppe Limmattal (ZPL) an ihrer Delegiertenversammlung.

«Der Langsamverkehr ist uns ein wichtiges Anliegen. Im Limmattal ist dafür noch viel Potenzial vorhanden», sagte Stadtpräsident Otto Müller im Dietiker Gemeinderatssaal. Wie der Langsamverkehr gefördert werden und wo eine Veloschnellroute im Limmattal zustande kommen könnte, stellten Kathrin Hager und Urs Waldvogel vom kantonalen Amt für Verkehr sowie Heinz Schröder, Fachplaner der ZPL, vor.

Der kantonale Velonetzplan, der vom Amt für Verkehr initiiert worden ist, sieht für das Limmattal eine Veloschnellroute vor, welche die Stadt Zürich mit Baden verbinden soll. Die Fahrbahn als eigenständige Strecke soll im Idealfall 4 bis 5 Meter breit sein, wenn möglich nicht auf den Hauptverkehrsstrassen liegen und möglichst kreuzungs- sowie hindernisfrei sein. «Über weite Strecken soll eine möglichst konstante Geschwindigkeit gehalten werden können», sagte Kathrin Hager, Leiterin der kantonalen Koordinationsstelle für Veloverkehr.

Optimale Route im Limmattal

ZPL-Fachplaner Schröder stellte aus Sicht der Region drei mögliche Linienführungen vor. Diese basieren auf den Vorschlägen, die im Rahmen der Planung der Perspektive Raumentwicklung Limmattal (PERL) entwickelt worden sind. Dabei wurden verschiedene Routen miteinander verglichen und Faktoren wie Arbeitsplätze, Einwohner, Topografie, Erschliessung wichtiger Ziele, Machbarkeit oder Attraktivität berücksichtigt.

Die Veloschnellroute, welche die ZPL als optimal einschätzt, würde in einem ersten Abschnitt in Zürich Altstetten beginnen und nördlich der Eisenbahnlinie entlang nach Schlieren führen. In einem zweiten Abschnitt würde der Korridor weiter entlang der SBB-Linie verlaufen, beim Bahnhof Glanzenberg über die Limmat und am nördlichen Flussufer bis nach Dietikon führen – womit eine neue Limmatbrücke nötig würde.

Ob die Veloschnellbahn auf diesem Abschnitt machbar sei, so Schröder, sei hingegen fragwürdig: Die Route würde den Gewässer- und Naturschutzraum durchqueren, was mit rechtlichen Schwierigkeiten verbunden sei. Für den letzten Abschnitt, von Dietikon nach Spreitenbach, habe man noch keine Lösung gefunden. «Diese Strecke ist stark vom Kanton Aargau abhängig», sagte der Fachplaner. Möglich wäre jedoch eine Route über die Überlandstrasse oder dem Rangierbahnhof Limmattal entlang.

Vorschlag des Kantons ist ähnlich

Die Strecke, die Urs Waldvogel, Entwicklungsingenieur beim kantonalen Verkehrsamt, vorstellte, deckt sich weitgehend mit der Idee der ZPL – vor allem im ersten Abschnitt. Was die Linienführung von Schlieren nach Dietikon betrifft, da sieht der Kanton aber eine andere Lösung vor. Er möchte den bereits bestehenden Radweg auf der Überlandstrasse nutzen und ausbauen. Die von der ZPL favorisierte Variante sei aufgrund des Naturschutzgebiets ohnehin nicht umsetzbar. Was den letzten Abschnitt nach Killwangen betrifft, da geht Waldvogel mit der ZPL überein: Die Strecke sei abhängig vom Aargau und davon, wo die Zürcher Linie an der Kantonsgrenze endet.

Den Korridor rasch definieren

Das Ziel der ZPL ist nun, die Idee auf die politische Agenda zu setzen und das Projekt möglichst speditiv voranzutreiben. Federführend bei der Umsetzung ist jedoch der Kanton Zürich.

Dieser wird nun gemeinsam mit den betroffenen Gemeinden sowie dem Kanton Aargau Lösungsansätze erarbeiten. Wichtig sei vor allem, den Korridor so schnell wie möglich zu definieren. Nur so könne die Veloschnellroute in den regionalen Richtplan aufgenommen und damit deren Rechtsgrundlage gesichert werden. Der Kanton sieht einen Zeithorizont bis 2020 vor, denn «ohne Richtplaneintrag können wir noch nichts realisieren», sagte Waldvogel.