Dietikon
Hightech-Anlage in Dietikon soll Bewegungsfehler aufspüren

Die Firma Numo Orthopädie & Sport plant die erste Schweizer Indoor-Sprintbahn zur Laufanalyse. Sportler profitieren schon bald von einer 30 Meter langen, überdachten und topmodernen Laufbahn.

Sandro Zimmerli
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Laut Laurent Hoffmann spielt die richtige Schuhwahl eine wichtige Rolle, um Bewegungsfehler zu beheben. KEYSTONE/Ulrich Perrey

Laut Laurent Hoffmann spielt die richtige Schuhwahl eine wichtige Rolle, um Bewegungsfehler zu beheben. KEYSTONE/Ulrich Perrey

Noch ist ein normales Laufband, wie man es aus Fitnesscentern kennt, das wichtigste Arbeitsgerät von Laurent Hoffmann.

Mithilfe einer hinter dem Laufgerät installierten Hispeed-Kamera führen der CEO und die Mitarbeiter der Firma Numo Orthopädie & Sport bis zu 4000 klinische Gang- und Laufanalysen pro Jahr durch.

«Wir sind spezialisiert auf Bewegungsfehler. Schon kleine Unstimmigkeiten im Bewegungsapparat können zu Schmerzen in den Füssen, in den Knien, in der Hüfte oder im Rücken führen», so Hoffmann.

Dem will er mit seinem Team Abhilfe schaffen. Nun plant die 1999 gegründete Dietiker Firma, ihre Analysemethoden zu verfeinern und auf ein neues Niveau zu heben.

Ganz neue Möglichkeiten

«Nächste Woche beginnen wir mit dem Bau einer 30 Meter langen, überdachten biomechanischen Laufbahn. Das gibt es in der Schweiz noch nicht», sagt Hoffmann.

Dadurch würden sich ganz neue Möglichkeiten ergeben, den Laufstil und die dabei auftretenden Belastungen der Gelenke, Muskeln und Sehnen zu untersuchen.

So werde die Tartanbahn mit einer vier Meter langen Druckmessplatte ausgestattet. Dazu kommen vier Hochfrequenz- und sechs Infrarotkameras sowie ein Geschwindigkeitslaser. Sämtliche Geräte würden überdies synchronisiert. «Das ist eine Hightech-Anlage», so Hoffmann.

Mit der neuen Indoor-Laufbahn lassen sich die vielfältigen Untersuchungen, die die Firma durchführt, nun direkt aufeinander abstimmen. Auf dem Laufband muss der Bewegungsablauf der Füsse auf einem Film erfasst werden.

Will man die Bewegung des Oberkörpers untersuchen, muss die Kamera neu eingestellt und ein weiterer Film gedrehtwerden. Die Synchronisation der beiden Bewegungsabläufe erfolgt nachträglich auf dem Computer.

Dies fällt mit der geplanten Anlage weg. Die Messung der Belastung der Füsse, die verschiedenen Bewegungsabläufe und die Geschwindigkeit lassen sich künftig in ein und demselben Lauf erfassen. Die Synchronisation erfolgt automatisch.

Spitzensportler sind Kunden

Davon profitieren Sportler aller Sportarten wie Läufer, Leichtathleten, Fussballer, Eishockeyspieler, aber auch Schützen. Sie gehören seit der Gründung der Firma zum festen Kundenstamm.

Zuvor arbeitete Hoffmann bei einem weltweit bekannten Schuhhersteller in der Forschung. Bereits damals hatte er Sportler bei der Schuhwahl beraten und Spezialeinlagen angefertigt.

«Sportler wollen ihre Leistung steigern. Ihr oberstes Ziel ist es deshalb, von Verletzungen verschont zu bleiben», sagt Hoffmann. Denn jede Verletzung bedeute eine Beeinträchtigung der Leistungssteigerung.

«Wenn sich jemand über Jahre falsch bewegt, kann das zu Verletzungen oder sogar Abnützungen führen», so Hoffmann. Bei einem Triathleten habe er beispielsweise festgestellt, dass dieser nicht ganz gerade auf seinem Velo sass, sondern immer nach links kippte.

«Der Körper versuchte diese Asymmetrie zu kompensieren, indem die Schulter nach rechts gedrückt wurde. Das hatte zur Folge, dass der Athlet nach der Radstrecke immer Schulterschmerzen verspürte», hält er fest.

Dies sei vergleichbar mit einem Auto, das nach links ziehe und der Fahrer dann automatisch Gegensteuer nach rechts gebe. «Nach einer gewissen Fahrzeit schmerzt die Schulter des Fahrers.

«Wir haben als Reaktion darauf das Velo neu eingestellt, die Position des Triathleten angepasst und die Fehlstellung des Körpers mittels Schuheinlagen korrigiert», sagt Hoffmann.

Nach einer gewissen Angewöhnungszeit des Körpers werde die neue Position kontrolliert und anhand von Videoaufnahmen mit der ursprünglichen Situation verglichen.

Inzwischen gehören auch viele Amateur- und Nichtsportler zu den Kunden von Numo Orthopädie & Sport. «Dabei handelt es um Leute mit sämtlichen Beschwerden des Bewegungsapparates von Vorfussschmerzen bis Kniearthrose.

Beim Gehen entsteht beispielsweise häufig ein Einknicken des Fusses nach innen, das durch Aussenrotation des Knies kompensiert wird», erklärt Hoffmann. Dies führe zu Schmerzen an der Innenseite des Knies und könne sogar Arthrose verursachen.

Oftmals liessen sich solche Fehler durch eine Schuheinlage beheben. So könne im Falle einer frühzeitigen Kniearthrose bei jungen Kunden ein operativer Eingriff zwecks künstlichem Kniegelenk oft herausgezögert werden.

«Eine grosse Anzahl Belastungsfehler lassen sich mit Schuheinlagen, einem optimalen Schuh sowie gezieltem Training oftmals beheben», so Hoffmann.

Die neue Laufbahn sei auch für die korrekte Schuhwahl massgebend. Mit geringem Zeitaufwand liessen sich verschiedenste Schuhe funktionell vergleichen.

«Heute gibt es viele leichte und bequeme Modelle, die allerdings überhaupt nicht stabil sind und somit problematisch für den ganzen Körper sein können.»