Energie
Hier wird geprüft, ob die Panels halten was sie versprechen

Die EKZ testen in Dietikon Solarmodule — die Bilanz nach sechs Jahren ist positiv

Tobias Hänni
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Auf dem Dach des Betriebsgebäudes in Dietikon prüfen die kantonalen Elektrizitätswerke Solarmodule auf ihre Leistungsfähigkeit und Langlebigkeit.

Auf dem Dach des Betriebsgebäudes in Dietikon prüfen die kantonalen Elektrizitätswerke Solarmodule auf ihre Leistungsfähigkeit und Langlebigkeit.

Tobias Hänni

Ein starker Wind bläst über das Dach des Betriebsgebäudes der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) in Dietikon. Zügig bewegen sich Wolkenfelder über den Limmattaler Himmel, hin und wieder zeigt sich die Sonne — alles genau aufgezeichnet von einer Wetterstation samt «Wolkenkamera», welche die EKZ hier oben installiert haben. Denn das Wetter respektive dessen Erfassung spielt eine wichtige Rolle für die Testanlage, welche die Elektrizitätswerke zusammen mit der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) 2009 auf dem Dach aufgebaut haben: Fünf Solarmodultechnologien verschiedener Hersteller werden hier auf ihre Langlebigkeit und Leistungsfähigkeit hin untersucht.

«Mithilfe der Wetterstation können wir die Leistung der Sonne messen und herausfinden, welche Technologie am meisten aus der Sonnenenergie herausholt», sagt Bruno Aeschbach, der als Leiter Service Center bei den EKZ für das schweizweit einzigartige Forschungsprojekt verantwortlich ist. Die minütlich aufgezeichneten Leistungswerte der Module würden dann mit den Angaben der Hersteller verglichen. «Dadurch können wir überprüfen, ob die Panels halten, was ihre Hersteller versprechen», so Aeschbach. Dafür werden die Module einmal im Jahr auch «geflasht»: In einem ebenfalls mit der ZHAW speziell entwickelten, mobilen Solarlabor werden sie mit einem Normblitz beleuchtet. «Dieser Test zeigt, wie schnell die Module altern», erklärt Aeschbach. Die Bilanz nach sechs Jahren Testbetrieb: Die Leistung und der Alterungsprozess der unterschiedlichen Photovoltaik-Technologien decken sich weitgehend mit den Angaben der Hersteller. Dies war anfangs laut Aeschbach nicht bei allen getesteten Modulen so. Eine Auswertung nach dem ersten Testjahr zeigte bei zwei Modulen einen sehr hohen Leistungsverlust. «Dieser betrug nach 12 Monaten zehn Prozent», sagt Aeschbach. Normal sei ein Leistungsabbau von jährlich unter einem Prozent. «Diese Module haben wir gegen andere ausgetauscht.»

Bruno Aeschbach - Leiter Service Center der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich.

Bruno Aeschbach - Leiter Service Center der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich.

Tobias Hänni

Dampf macht die Module blind

Die nun installierten Solarmodule halten bislang zwar, was sie versprechen – ob dies aber auch in zehn Jahren noch der Fall ist, muss sich erst zeigen. Deshalb ist das Forschungsprojekt der EKZ und der ZHAW langfristig ausgelegt – entsprechend der Betriebsdauer einer Solaranlage auf ungefähr 25 Jahre. «Erst über diesen Zeitraum zeigt sich, ob die Solarmodule der Witterung standhalten», sagt Aeschbach. Zentral sei dabei ihre «Verpackung». Denn der grösste Feind der Module sei Wasserdampf. Dringe dieser in das Modul ein, mache er die Zellen «blind» und senke den Wirkungsgrad erheblich. Bereits jetzt zeigen sich bei der sogenannten Verkapselung «klare Unterschiede in der Qualität», wie Aeschbach sagt.

Die Testanlage kann um zusätzliche Module erweitert werden. Allerdings seien die installierten Module nach sechs Jahren noch auf dem aktuellen Stand der Technik, so Aeschbach. «Bahnbrechend hat sich in den letzten Jahren nur der Preis entwickelt.» Die Kosten für Solarmodule seien in den letzten fünf Jahren im Schnitt um 60 Prozent gesunken.

Nicht nur ein netter Service

Eine 10-Kilowatt-Anlage für ein Einfamilienhaus kostet laut Aeschbach heute noch zwischen 30 000 bis 40 000 Franken. Das ist zwar deutlich weniger als noch vor ein paar Jahren, stellt für viele Hausbesitzer aber immer noch eine beachtliche Investition dar. «Mit der Testanlage wollen wir unsere Kunden beim Kauf der richtigen Anlage beraten», sagt Aeschbach. Dabei gehe es nicht nur um die Wahl des für den jeweiligen Standort am besten geeigneten Solarmoduls, sondern um die ganze Anlage, von der Ausrichtung der Panels über die Verkabelung der einzelnen Panels bis zum Wechselrichter. Die Beratung stellt für die EKZ jedoch mehr dar als bloss ein netter Kundenservice. «Wir wollten hier von Anfang an Know-how schaffen, das Lösungen und Verdienstmöglichkeiten für die Zukunft bringt», sagt Aeschbach.

So ist die Solar-Testanlage nur eines von mehreren Pilotprojekten, mit denen die EKZ die Zukunft im Energiesektor mitgestalten möchten. Zu diesen Projekten gehört auch der leistungsstärkste Stromspeicher des Landes, der ebenfalls in Dietikon steht und Reserveenergie an die nationale Netzgesellschaft liefert. «Durch tiefe Preise und die Zunahme der dezentralen Versorgung, insbesondere durch Solarenergie, verliert die Stromversorgung als eigentliches Kerngeschäft an Bedeutung», erklärt Aeschbach. In Dietikon testen die EKZ deshalb nicht nur Solarmodule und Stromspeicher, sondern auch neue Geschäftsmodelle.