Unterengstringen
Hier wird der Mittefasten-Nachwuchs rekrutiert

Das erste Holzsammeln für den Mittefasten-Feuerstoss markiert den Auftakt zum traditionsreichen Frühlingsdorffest. Jung und Alt treffen sich im Wald.

David Hunziker
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Bereit zum Losfahren bei der "Dicke Berta"
10 Bilder
Charles Egli, der Tätschmeister des Holzsammelns
Das letzte Bürdeli wird auf den Wagen geladen
Auch jüngere Semester legen Hand an und hacken ...
... oder sägen die Bäume klein
Am Mittefasten raucht Charles Egli Stumpen, übers Jahr raucht er nie
Mitglieder der Feuerwehr hacken Holz
Holzfällen am Mittefasten
Sandro Egli wird von Dieter Meier in die Kommission aufgenommen
Zum Schluss das Wichtigste

Bereit zum Losfahren bei der "Dicke Berta"

David Hunziker

Schon als Kind nahm Sonja De Aquino am Holzsammeln für das Mittefasten-feuer teil. Seither ist das traditionelle Frühlingsdorffest aus dem Leben der Unterengstringerin nicht mehr wegzudenken. «Natürlich hoffe ich, dass sich später auch meine Söhne einmal für das Fest engagieren werden.» Die beiden sind drei- und fünfjährig und dieses Jahr zum zweiten Mal dabei. «Man muss ja früh anfangen», sagt De Aquino und schmunzelt. Auch ihr Vater ist an der Organisation des Festes beteiligt und hilft jeweils beim Aufbau des Bööggs.

Jeweils an den zwei Samstagnachmittagen vor dem Fest treffen sich Mitglieder der Mittefastenkommission und freiwillige Helfer, darunter zahlreiche Mitglieder der Feuerwehr Unterengstringen, am Waldrand oberhalb des Dorfes. So auch vergangenen Samstag. Ein Traktor mit Anhänger steht schon bereit, er muss heute mit 2 Meter 20 langen Tannenästen gefüllt werden. Nach dem Schneefall von letzter Woche ist das Wetterglück an diesem Tag auf der Seite Teilnehmenden, die sich um die «Dicke Bertha» scharen. Bevor die Kinder Wagen besteigen und die Menge in den Wald hinaufzieht, nimmt Obermeister Dieter Meier mit Sandro Egli das jüngste Mitglied in den Kreis der Mittefastenkommission auf.

Die Tannenäste, die oben im Wald zugeschnitten und zusammengebunden werden, stammen vom alljährlichen Holzschlag, wie Obermeister Meier erklärt, der auch im Vorstand der lokalen Holzkooperation sitzt. Gesammelt wird an diesem und am nächsten Samstag. Eine Wagenladung wird in diesem Jahr verbrannt, die andere bis zum nächsten Jahr gelagert. Der Holzstoss für den Böögg setzt sich jeweils zu halben Teilen aus frischem und gelagertem Holz zusammen.

Alle Generationen sind am Holzsammeln beteiligt. «Mit dem Holzsammeln sind die Kinder bereits Teil des Mittefastenfests», erklärt Willy Haderer, Informationsmeister der Mittefastenkommission. Wenn man im Dorf aufwächst, kommt man immer wieder mit dem Traditionsanlass in Berührung: Als Sechstklässler hilft man, den Böögg zu bauen und nimmt am Böllerschiessen teil. Später kann man sich dann hinter der Festkneipe engagieren. «Am Mittefastenfest gibt es für alle Generationen ein Plätzchen», sagt Haderer, der dabei war, als das Fest in den 1970er Jahren neu lanciert und in seiner heutigen Form konzipiert wurde.

«Man rutscht langsam hinein»

Etwas weiter oben am Hang hacken und schneiden ein paar Jugendliche Äste zurecht. «Die Kinder, die hier im Wald herumrennen, sind hoffentlich die künftige Generation des Festes», meint Kevin Landoldt, der Mitglied der Feuerwehr ist. Auch er sei als Kind zum Holzsammeln gekommen. «Mit der Zeit hilft dann da und dort mit und rutscht langsam hinein.» Noch heute engagiert er sich für das Mittefasten, vor allem hinter der Festbar. Auch Sina Brüngger wird nächstes Wochenende hinter der Bar anzutreffen sein. Ihr Vater war und ihr Bruder ist Mitglied der Feuerwehr. «Wenn man hier lebt und sich am Dorfleben beteiligt, ist es ganz normal, sich für Mittefasten zu engagieren», sagt sie.

Um Viertel nach drei ist der Wagen mit Ästen vollgepackt. Holzmeister Charles Egli, der für das Holzsammeln verantwortlich zeichnet, ist zufrieden. «Ich war überrascht, dass so viele Helfer gekommen sind. Das freut mich natürlich sehr.»