Jetzt feiert der Laden gleichzeitig seinen 40. und seinen 10. Geburtstag - vor 40 Jahren wurde er von Oskar Wiederkehr eröffnet, vor 10 Jahren haben ihn Heidi Fluor und Elsbeth Preisig übernommen.

Heidi Fluor erinnert sich noch gut daran, als im Sommer 2002 die Meldung von der drohenden Schliessung des Spielwarengeschäfts die Runde machte. Sie kannte den Laden gut: den dunklen, muffigen Raum, in dem Wiederkehr paffte und die Plüschtiere nach Rauch stanken - und der doch so heimelig und vertraut war. Oft war sie mit ihren vier Kindern hier gewesen; für sie kam eine Schliessung nicht infrage. Und weil sie jahrelang im Spielzeuggeschäft ihrer Schwester in Bremgarten gearbeitet hatte, war ihr die Branche nicht fremd. Kurz entschlossen spannte sie mit Elsbeth Preisig zusammen und übernahm den Laden von Wiederkehr. Am 15. März 2003 feierten Fluor und Preisig Neueröffnung.

Heute führt Heidi Fluor den Laden alleine. Dass Elsbeth Preisig nach fünf bis sieben Jahren aus Altersgründen aussteigen würde, war bereits bei der Übernahme 2003 klar gewesen. Damals wie heute ist der Laden eine absolute Herzensangelegenheit. Davon leben kann Fluor nicht; nebst den Spielzeugen und der Ladenmiete müssen noch zwei Angestellte und eine Lehrtochter bezahlt werden. «Aber ich mache das auch ohne grossen Lohn», sagt sie.

Zu viel liegt ihr am Überleben des Ladens und an der Verantwortung gegenüber Mitarbeiterinnen und Kunden. «Ich habe in den 37 Jahren, in denen ich in Dietikon wohne, einen Laden nach dem andern schliessen sehen. Das soll dem ‹Spiel + Hobby› nicht passieren.» Jeder einzelne Laden mache die Stadt lebenswerter.

37 000 Puppen, Puzzles, Plüschtiere

Plüschtiere, Spiele, Puzzles, Spielzeugküchen, Holzautos, Puppen, Bastelutensilien - in dem zweistöckigen Ladenlokal stapeln sich rund 37 000 Artikel. Besonders gut verkauft werden Holzspielzeug, Bastel- und Experimentierkästen. «Kinder sollten mit einfachen Sachen spielen können», ist Fluor überzeugt. Deshalb verzichtet sie - mit Ausnahme von Lego, Playmobil und Duplo - weitestgehend auf Plastikspielzeug wie auch auf elektronische Spielzeuge. Streng ist Fluor in Bezug auf Kriegsspielzeug und Actionfiguren; das kommt ihr nicht in die Regale. «Ich verkaufe nur Ware, mit der auch meine eigenen Kinder hätten spielen dürfen.»

Dass ein Spielzeugladen an einem Ort wie Dietikon 40 Jahre überleben kann, ist ungewöhnlich. Die grösste Herausforderung ist für Fluor der hohe Mietzins für die Ladenliegenschaft und die Dietiker Bevölkerungsdurchmischung. «Viele Dietiker gehen nach Spreitenbach zum Einkaufen, meine Kundschaft kommt zu einem grossen Teil aus den umliegenden Dörfern.»

Sie punkte mit Kundenservice, Artikeln, die sonst nirgends erhältlich seien, und Beratung. Wer beispielsweise eine Spielanleitung nicht versteht, kann sich im «Spiel + Hobby» beraten lassen. Das Vorurteil, ihr Spielzeugladen könne preislich nicht mit den grossen Ketten wie Franz Carl Weber oder Toys«R»Us mithalten, lässt sie nicht gelten. «Ich lege Wert darauf, gute Qualität zu tiefen Preisen anzubieten.» Sie habe ausserdem schon oft erlebt, dass Kunden ob ihren tiefen Preisen überrascht gewesen seien.



Fluor ist eine Menschenfreundin, und die Kinder liegen ihr ganz besonders am Herzen. Der Profit ist ihr nur halb so wichtig wie zufriedene Kunden und - so abgedroschen es auch klingen mag - leuchtende Kinderaugen. Dafür macht sie sich auch bei ihren Kunden stark: «Für Kinder ist es das Grösste, wenn sich Erwachsene Zeit nehmen, um mit ihnen zu spielen. Fehlt diese Zuwendung, nützt selbst das teuerste Spielzeug nichts.»