Laub stiebt auf, wie Schneeflocken taumeln die dürren Blätter durch die Luft. Durch den Stamm fährt ein letztes Ächzen, nach dem ersten Aufprall bäumt er sich nochmals kurz und zitternd auf. Da liegt er nun, die Krone zersplittert auf dem Asphalt der Uitikonerstrasse. Ein fast hundertjähriges Monument - gebodigt in knapp drei Minuten, mit gewaltigem Knallen und Bersten in die Knie gezwungen. In der Luft hängt heimeliger Sägemehl-Duft.

Monument hin oder her, die Esche musste weg, und mit ihr noch Dutzende anderer Bäume. Zu schlecht sind sie im Boden verankert, zu sehr haben ihnen Schädlinge und Pilze, Wind und Wetter zugesetzt. Um die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer zu gewährleisten, müssen sie gefällt werden. Bis Freitag werden die Männer der Garfor GmbH entlang der Kantonsstrasse zwischen Schlieren und Uitikon rund 150 Kubikmeter Holz fällen.

Der Schnee ist nass, und wo er bereits weggeschmolzen ist, löst sich der Boden schmatzend von den Schuhsohlen. «Würden wir jetzt mit den tonnenschweren Maschinen reinfahren, bräuchte der Boden Jahrzehnte, um sich davon zu erholen», sagt Revierförster Roland Helfenberger. So werden die Bäume einfach nur gefällt und die Äste abgetrennt. Erst, wenn der Boden wieder ausgehärtet oder trocken ist, können die Stämme an die Strasse geschleift, verkauft und verladen werden.

Zwischen Uitikon und Schlieren werden aus Sicherheitsgründen Bäume gefällt.

Zwischen Uitikon und Schlieren werden aus Sicherheitsgründen Bäume gefällt.

«Achtung!», brüllt Forstwart Stefan Moor. Die Männer ziehen sich zurück und Moor setzt mit der Motorsäge beim nächsten Baum zum letzten Schnitt an. In der Fallrichtung klafft bereits eine grosse Kerbe im Stamm. Weil der Baum am Hang geneigt steht, muss Moor einen speziellen Schnitt, einen sogenannten Hängerschnitt machen. So verhindert er, dass die Spannung zu gross wird und der Stamm plötzlich aufspaltet. Der Stamm ächzt. Sekunden später kippt er, rauscht mit Getöse durch die Kronen der nebenstehenden Bäume und schlägt auf und zersplittert über einem Stamm, der bereits daliegt. Abgerissene Äste prasseln zu Boden.

Kaum rührt sich nichts mehr, setzt Lehrling Mike Zürcher mit der Säge an und schneidet die Äste ab, dass das Sägemehl nur so spritzt. Dann zerteilt er den Stamm in transportierbare Stücke. Forstwart Roberto Schmidt macht die Strasse frei, schaufelt mit einem Traktor das zersplitterte Holz übers Bord. Stefan Moor beurteilt derweil bereits den nächsten markierten Stamm. Das ist Holzfällen im Akkord, die Bäume fallen wie reife Früchtchen.

Plötzlich, als würden Fahrverbotsschilder und Warnsignale nicht dastehen, pedalt ein Velofahrer im blauen Dress heran, kurvt um die am Boden liegenden Äste. Als einer der Arbeiter seine Motorsäge aufheulen lässt, zuckt der Biker kurz zusammen. «So was passiert andauernd, wir sind uns das gewohnt», sagt Helfenberger. Bevor ein Baum fällt, stehen deshalb zwei Männer auf die Strasse und passen auf, dass nicht ein signalblinder Verkehrsteilnehmer in die Gefahrenzone gelangt. Man müsse halt immer auch auf die anderen aufpassen, sagt Helfenberger. «Ich verstehe ja, dass eine Strassensperrung ärgerlich ist. Aber es geht einfach nicht anders.»