Geroldswil
Hier verstecken sich 12'000 Geschichten – die Bibliothek feiert ein grosses Jubiläum

Die beliebte Bibliothek im Geroldswiler Zentrum lädt zur Feier ihres 40-Jahr-Jubiläums ein. Sie hat einen grossen Wandel hinter sich – und war die zweite im Limmattal, die den Schritt ins Computer-Zeitalter wagte.

David Egger
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Bibliothek Geroldswil wird 40-jährig
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Im Laufe ihrer Geschichte durfte die Geroldswiler Bibliothek immer wieder auch illustre Gäste begrüssen. So war im März 1986 Edith Oppenheim-Jonas zu Besuch, die Schöpferin von Papa Moll (im Bild ein Ausschnitt des damaligen Zeitungsberichts vom "Limmattaler").
Und wenn wir schon bei bekannten Namen sind: Im November 1986 kam der berühmte Autor Hugo Loetscher für eine Lesung in die Geroldswiler Bibliothek (im Bild ein Ausschnitt aus dem damaligen Bericht der "LiZ Limmat-Zeitung".
 Die bewährten Regale und Stühle der Bibliothek (hier ein Bild aus den 1970er-Jahren) sind noch heute im Einsatz.
 Schon zur Anfangszeit war die Bibliothek beim Nachwuchs beliebt, wie dieses Foto der damaligen Lese-Ecke zeigt.
Bereits ein halbes Jahr nach der Eröffnung, im April 1978, konnte die Bibliothek Geroldswil die 10'000. Ausleihe feiern. Für die Jubiläums-Kunden, drei Schüler der sechsten Klasse, gab es zur Feier des Tages Schokolade und Blumen (im Bild ein Ausschnitt des damaligen Zeitungsberichts vom "Limmattaler").
1978, ebenfalls ein halbes Jahr nach der Eröffnung, wurde die Geroldswiler Bibliothek von der kantonalen Bibliothekskommission zur "Musterbibliothek" erklärt, wie der damalige Bericht der "LiZ Limmat-Zeitung" zeigt.
Im Juli 1979 berichtete dann der "Limmattaler", dass bei den erwachsenen Kunden die Sachbücher am besten laufen, während bei den Jugendlichen die Belletristik hoch im Kurs war.
Im August 1986 wurde dann der 150'000. Besucher der Bibliothek gefeiert, wie die "LiZ Limmat-Zeitung" berichtete.
Und jetzt gibt es also den 40. Geburtstag zu feiern. Für Bibliotheksleiterin Cornelia Voltzenlogel ist es auch ein persönliches Jubiläum: Vor genau zehn Jahren ist sie zum Bibliotheksteam dazugestossen.

Bibliothek Geroldswil wird 40-jährig

Severin Bigler

Die Geroldswiler Bibliothek besitzt auf ihren 230 Quadratmetern Fläche ein Werk, das nicht auszuleihen ist: Ein Ordner, der die Geschichte dieser wichtigen Institution zusammenfasst. Darin finden sich zum Beispiel Fotos aus den 1970er-Jahren, die zeigen, dass die Bücherregale schon damals die gleichen waren. Auch die Stühle sind heute dieselben. Einzig ihr Stoffbezug wurde ausgewechselt.

Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Bibliothek einen grossen Wandel hinter sich hat. Der grösste davon geschah 1988, als sie als zweite im Limmattal den Karteikarten den Kampf ansagte und sich einen Computer anschaffte. Nur die Uitiker waren noch schneller. Es ging dann nochmals gut zehn Jahre, ehe sich die Technik durchsetzte und der Zettelkasten ganz verschwand.

Zahl der E-Book-Ausleihen steigt

Den letzten grossen Schritt tat die Bibliothek 2013: Seither lassen sich mit der sogenannten Onleihe E-Books von zuhause aus ausleihen. Das Angebot hat sich schnell etabliert. Letztes Jahr gab es gar einen neuen Rekord, als die Geroldswiler Bibliothek 2000 E-Books ausgeliehen hatte. Das entspricht einem Wachstum um etwas mehr als 14 Prozent gegenüber 2015. Der Anstieg wird weitergehen, denn die E-Books machen derzeit noch weniger als einen Zehntel der total rund 28'500 Ausleihen im letzten Jahr aus. Der Grossteil der Bibliothekskundschaft kommt aus Geroldswil selbst, gut ein Fünftel aus Oetwil.

Wir haben Leute auf der Strasse gefragt: Gehen Sie oft in die Bibliothek?

René Wydler (40), Dietikon «Ich war das letzte Mal in der Bibliothek vor 25 Jahren. Ich habe mir damals ein Sachbuch über den Nebelparder geholt, das ist eine Grosskatze des südöstlichen Asiens. Ich musste einen Vortrag über die Katze halten.»
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Gioia (16), Dietikon «Als ich noch jünger war, ging ich sehr häufig in die Bibliothek. Vor zwei, drei Jahren holte ich dort Bücher von A bis Z: Romane, Thriller, Fantasy, alles. Die Bücher waren für mich privat und nicht für die Schule.»
Bovie (13), Dietikon «Ich gehe regelmässig in die Bibliothek. Ich mag Mangas, zum Beispiel Naruto. Manchmal hole ich Hörbücher und manchmal Comics. Japanische Comics liest man auch auf Deutsch von rechts nach links.»
Mona Sorcelli (35), Dietikon «Seit ich ein Kind habe, gehe ich wieder regelmässig in die Bibliothek für Bücher und Spiele. Das ist praktisch, damit man nicht alles selber kaufen muss. Dank dem Kind bin ich wieder zurück in der Bibliothek.»
Sabani Agim (38), Dietikon «Ich persönlich gehe weniger oft in die Bibliothek. Aber mein Sohn, der in der zweiten Klasse ist, besucht sie öfters. Er liest Antolin-Bücher. Das gibt ihm Punkte und ich helfe dann manchmal beim Quiz.»
Mirjam Siegenthaler (39), Dietikon «Ich habe drei Kinder in der zweiten, dritten und fünften Klasse. Sie gehen selbstständig mit ihren Kärtchen in die Bibliothek. Sie sammeln Antolin-Punkte. Die Lehrerin schaut dann das Leseverständnis der Kinder an.»

René Wydler (40), Dietikon «Ich war das letzte Mal in der Bibliothek vor 25 Jahren. Ich habe mir damals ein Sachbuch über den Nebelparder geholt, das ist eine Grosskatze des südöstlichen Asiens. Ich musste einen Vortrag über die Katze halten.»

Christian Tschümperlin

Das wichtigste Publikum sind nach wie vor die Kinder, sagt Bibliotheksleiterin Cornelia Voltzenlogel. Denn die Gemeindebibliothek von Geroldswil und Oetwil ist gleichzeitig auch Schulbibliothek für die gemeinsame Primarschule. Mit der Märchen- und der Buchstart-Veranstaltungsreihe wird den Kindern den Einstieg in die Bücherwelt schmackhaft gemacht. Seit einem Jahr führt die Bibliothek über Mittag zudem einen Freizeitkurs durch, wo die Kinder zum Beispiel basteln können oder von der Dietiker Buchhandlung Scriptum die neusten Bücher vorgestellt bekommen. Bei den Erwachsenen hat sich das Café Littéraire etabliert: An jedem ersten Mittwoch im Monat wird gemeinsam ein zuvor gelesenes Buch besprochen.

All das hat man 1966 wohl noch nicht kommen sehen, als die Projektierung des neuen Geroldswiler Zentrums startete und die Gemeinde von Anfang wollte, dass im Zentrum auch eine Bibliothek entstehen soll. Nachdem dann die Bevölkerung von Geroldswil, Oetwil und der Fahrweid dazu aufgerufen wurde, nicht mehr benötigte Bücher abzugeben, kam schnell ein Bestand zusammen, der gut 5000 bis 6000 Bücher umfasste. Damit wurde dann am 29. und 30. Oktober 1977 die Bibliothek eröffnet. Manche beliebte Bücher von damals sind noch heute im Angebot, andere mussten ausgemistet werden. Heute ist der Medienbestand auf rund 12 100 angewachsen. Neben klassischen Büchern sind das auch Hunderte Bilderbücher, Comics, Hörbücher, Musik-CDs, DVDs, Konsolen- und Brettspiele sowie Zeitschriften.

Auch ein persönliches Jubiläum

Wenn nun der 40. Geburtstag der Bibliothek gefeiert wird, so ist das für die Bibliotheksleiterin Voltzenlogel auch ein persönliches Jubiläum: Die heute 48-Jährige stiess 2007 zum Bibliotheksteam, 2012 stieg sie zur Leiterin auf. Das ist heute ein Job im 50-Prozent-Pensum. Sie und die drei weiteren Mitarbeiterinnen nehmen jeweils gerne Rückmeldungen entgegen, wenn die Kundschaft Bücher zurückbringt. «So wissen wir auch über jene Bücher Bescheid, die wir selbst nicht gelesen haben. Das ermöglicht uns eine gute Beratung», erklärt Voltzenlogel, die oft selber mehrere Bücher pro Woche liest – am liebsten Krimis und Thriller.

Auch mit den Bibliotheken aus der Nachbarschaft tauschen sich die Geroldswilerinnen stets aus. So treffen sich die Leiterinnen mindestens dreimal im Jahr. «Die Bibliotheken im Limmattal sind recht gut miteinander vernetzt. Früher gab es noch ein Konkurrenzdenken», sagt Voltzenlogel. Gemeinsam lässt sich der Medienwandel noch besser gestalten – auf dass noch so manches Jubiläum gefeiert werden kann.

40-Jahr-Feier der Bibliothek Geroldswil:

Am übernächsten Samstag, dem 25. November, von 10 bis 15 Uhr mit Kinderschminken (11 bis 13 Uhr), Fotobox (11 bis 15 Uhr), Musik der Steelband von Roger Küng (12 bis 14 Uhr) sowie Verpflegung. Eröffnung um 10 Uhr durch das Bibliotheksteam und den Gemeindepräsidenten Michael Deplazes.