Technologie
Hier lauern die Zecken: Eine App lokalisiert die Blutsauger

Eine neue App, von Spezialisten der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften entwickelt, zeigt Nutzern auf, wo Zecken vorkommen. Was zu tun ist, wenn man trotzdem gebissen wird, erfährt man auch gleich.

Julia Wartmann
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Die von Spezialisten der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften entwickelte Smartphone-App zeigt, wo das Zeckenrisiko hoch ist.

Die von Spezialisten der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften entwickelte Smartphone-App zeigt, wo das Zeckenrisiko hoch ist.

Limmattaler Zeitung

Mit den ersten milden Frühlingstagen im März beginnt die Saison der Zecken. Ein neues Präventions-Anwendung (App genannt) für Smart-Phones, entwickelt von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), soll helfen, Zeckenrisiko-Gebiete zu lokalisieren und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Damit kann der Nutzer auf einfache Art das Risiko im Bezirk Dietikon abschätzen. Zusätzlich liefert die Anwendung nützliche Tipps, wie man sich vor Angriffen schützt und wie mit Stichen umzugehen ist.

Jürg Grunder, Leiter der Forschungsstelle Phytomedizin, und Umweltingenieur Werner Tischhauser haben die Anwendung gemeinsam entwickelt. Die Phytomedizin beschäftigt sich mit Krankheiten und Beschädigungen der Pflanzen und deren Ursachen.

Das zentrale Element der App ist die Gefahrenpotenzial-Karte. Anwendbar auf iPhone und iPad, zeigt diese dem Nutzer mittels Punkten von weiss bis dunkelrot an, wo die Gefahr, gestochen zu werden, am grössten ist.

Im Limmattal sind vor allem die Regionen zwischen Uitikon und Schlieren sowie zwischen Urdorf, Birmensdorf und Dietikon betroffen. Zeckenstichorte sind auf der Karte mit einem lila Punkt eingetragen. Sie befinden sich typischerweise in Flussnähe und im Wald.

Die Arbeit der Wissenschaftler der ZHAW ist hauptsächlich auf die Aktivitäten der Zecke ausgerichtet. Das heisst, sie beobachten ihr Verhalten. Dementsprechend sagt die Karte nichts über die Verbreitung der von Zecken übertragenen Krankheitserreger aus.

Ernstfall Zeckenbiss

Die beiden am häufigsten vorkommenden Erkrankungen durch Zeckenstiche sind die sogenannte Lyme-Borreliose und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Bei der Ersteren handelt es sich um ein Bakterium, das Erkrankungen im Blutkreislauf verursacht, die im schlimmsten Fall zu Lähmungen führen können.

Die FSME ist besser bekannt als Hirnhautentzündung. Lyme-Borreliose kommt mit 9000 Ansteckungen allein im letzten Jahr weitaus häufiger vor als die Hirnhautentzündung, von der schweizweit etwa 100 Personen betroffen waren.

Eine frühzeitige Erkennung der Borreliose ist wichtig, um gravierende Spätfolgen zu vermeiden. Die Erreger können sich im Körper lange Zeit unbemerkt versteckt halten. «Das erste Zeichen für eine Borrelioseerkrankung ist ein roter Ring um den Zeckenbiss», sagt Grunder.

Das Verzwickte daran: Die Rötung kann auch an einer beliebigen anderen Körperstelle auftreten. Deshalb sei es wichtig, den eigenen Körper gut zu beobachten. Mithilfe der App können Benutzer ein Zeckentagebuch führen, das sie in regelmässigen Abständen auf Borreliose-Symptome abfragt.

Bei dem geringsten Verdacht auf eine Erkrankung wird ein Arztbesuch empfohlen.

Gegen die erheblich gefährlichere Hirnhautentzündung kann man sich impfen lassen. Eine in der Anwendung abrufbare Karte des Bundesamts für Gesundheit zeigt auf, wo die Impfung empfohlen wird. Im Limmattal fallen das rechte Limmatufer sowie Schlieren und Birmensdorf in diese Kategorie.

Wahrheit oder Mythos?

Die App räumt mit den geläufigsten Irrtümern betreffend Zecken auf und versorgt den Benutzer mit Tipps, um sich vor ihnen zu schützen. Ein Gerücht, das sich besonders hartnäckig hält: Zecken lassen sich von Bäumen fallen. Das Gegenteil ist wahr, sagt Grunder.

«Die Gefahr lauert von unten, zirka vom Fuss bis auf die Kniehöhe.» Zecken halten sich in Krauthöhe auf und positionieren sich mit den Beinen in der Luft, um sich an vorbeistreifenden Opfern festhalten zu können. Den besten Schutz liefern somit lange Hosen.

Da Zecken bei warmen Temperaturen, zwischen zehn und zwanzig Grad, und hoher Feuchtigkeit auftreten, haben diese gute Chancen, auf Opfer mit nackten Beinen zu stossen, erklärt Grunder.

Wer tatsächlich gestochen wird, sollte die Zecke mit einer eigens dafür vorgesehenen Zeckenpinzette entfernen. Ja nicht – wie ein weitverbreiteter Irrtum rät – mit Öl oder Butter, denn dies stresse die Zecken. Der Stress führt dazu, dass die Zecke beginnt, Blut zu pumpen und im schlimmsten Fall Viren überträgt.