Uitikon
Hier hängt Buddha in den Seilen

24 Kinder werden in ihren Sommerferien zu Zirkusartisten.

Fabienne Eisenring
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 Wer der Zirkusdirektorin die Hand schüttelt, erlebt eine Überraschung.
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 Kopfüber hängt Elina (8) am Trapez. Noé (5) schaut, dass nichts passiert.
 Wuschelkopf, Latzhosen, rote Nase: Die Clowns haben schon passende Kostüme ausgesucht.
 Wer nicht mehr turnen mag, malt Zirkustickets für die Gäste.
 Kopfstand und Brücke: Die Kinder sind auch akrobatisch unterwegs.
 In der Zvieripause stärken sich die Kinder an der frischen Luft.

Wer der Zirkusdirektorin die Hand schüttelt, erlebt eine Überraschung.

Fabienne Eisenring

«Herrreinspaziert! Haben Sie ein Eintrittsticket?» Ohne eine Antwort abzuwarten, drückt die Zirkusdirektorin dem Gast eine Karte in die Hände. Darauf ein grinsender Clown mit bunten Haaren zu sehen, selbst gemalt natürlich. Spätestens bis Freitag müsse die Begrüssung sitzen, sagt die neunjährige Noemi. Dann sind Freunde und Verwandte in der Uitiker Turnhalle Mettlen zur grossen Zirkusshow eingeladen. Um 15 Uhr heisst es: Vorhang auf!

Schon zum zweiten Mal veranstaltet der Elternverein Uitikon ein Zirkus-Sommercamp, in dem 24 Kinder vom Kindergartenalter bis zur 6. Klasse eine Woche lang Zirkusluft schnuppern und eine Vorstellung vorbereiten. Die fünfjährige Noé strahlt und erzählt: «Mit meiner Familie war ich mal im grossen Zirkus. Da ist alles möglich!» Auch in der Turnhalle werden diese Woche Träume wahr. Artistin Jessica Elsasser übt mit den Kindern Trapez, Vertikaltuch, Balance, Clownerie und Akrobatik ein. Geduldig zeigt sie einer Gruppe von Kindern, wie sie sich an den schaukelnden Trapezen festhalten müssen. Ein Kinderspiel, so scheint es.

Grimassen wollen gelernt sein

Die Drittklässlerin Nina hängt gerade kopfüber in den Vertikalseilen. Wo bleibt die Angst? «Am Anfang brauchte es etwas Überwindung, aber man gewöhnt sich schnell daran», ruft sie hinunter. Dann reissen sich die Artistinnen darum, den «Buddha» vorzuzeigen. In luftiger Höhe falten sie Arme und Beine und schliessen die Augen. Das sieht schwierig aus, doch Laina (10) winkt ab: «Am Vertikaltuch wollte ich immer mal turnen. Das haben wir eben nicht zu Hause.» Sie überlege sich sogar, im Zirkus aufzutreten, wenn sie gross sei. Eine andere Gruppe übt derweil die Clownnummer ein. In Perücken und getupften Hosen und mit roten Gumminasen üben sie Grimassen ein. «Die Kurswoche bietet einen lustigen Ausgleich zu den restlichen Sommerferien», findet Clown Jorina (10).

In der Zvieripause gibt es Wasser und Früchte als Stärkung. Die Arbeit eines Artisten fordert eben seinen Tribut. Doch den Kindern ist das gerade recht. Ein Knabe hüpft vorbei und präsentiert stolz die Schwielen auf seinen Handflächen. Wem nach dem Üben aber die Arme und die Lachmuskeln schwach werden, malt neue Eintrittskarten. Ein Plakat soll es auch geben. Nur der Name für den Zirkus fehlt noch. «Diesen entwickeln wir, wie das Programm, während der Woche», sagt Elsasser. Im Hinblick auf die Vorstellung hat Laina gemischte Gefühle: «Ich freue mich riesig, bin aber auch ein bisschen aufgeregt. Doch ich glaube, das gehört für Zirkusartisten einfach dazu.»