Das Kulturraumangebot in Dietikon ist kleiner als der Bedarf. Darum erstellte die Stadt ein Raumkonzept für die Kultur. Vor zehn Monaten stellte sie es vor. Die Rede war von drei Kulturräumen: Erstens der Stadtkeller, der sich schon länger als kleiner Veranstaltungsort etabliert hat. Zweitens die Zehntenscheune auf dem Kronen-Areal. Zurzeit ist sie zwar etwas dem Verfall preisgegeben. Auch aus ihr soll aber ein Veranstaltungsort werden, etwa für Vereine, denen die Stadthalle zu gross ist. Und drittens das Atelier 23, das schon viele Umnutzungen hinter sich hat: Einst war es eine Farbenfabrik, später dann ein Brockenhaus, das Langzeitarbeitslose beschäftigte. Heute steht das Gebäude leer.

Das Schellerareal wird vermisst

Dem Kulturraumkonzept folgend sollen hier Ateliers, ein Begegnungsort und ein Veranstaltungsraum für bis zu 150 Personen entstehen. Nach der Sanierung soll der Verein Gleis 21 das Gebäude als Trägerschaft übernehmen und beleben. Co-Präsidentin von Gleis 21 ist die Dietiker Ökonomin und Kunsthistorikerin Kerstin Camenisch, die ganz in der Nähe wohnt. Der Hintergrund: Nachdem die Stadt letzten März ihre Pläne bekannt gab, war für sie und weitere Kunstschaffende aus Dietikon klar, dass es sich um eine gute Idee handelt. «Schon seit der Schliessung des Schellerareals finden wir, dass es schön wäre, wenn es hier wieder so etwas gibt», sagt Camenisch.

So meldete sie sich mit ihren Mitstreitern bei der Stadt, um den Job zu übernehmen, das leere Brocki in einen Kultur-Leuchtturm zu verwandeln. Die Stadt sagte zu, und so wurde im Herbst der Verein Gleis 21 gegründet, der auf Facebook bereits gut 130 Likes hat. Nicht nur online, sondern auch real, haben sich bereits 140 Interessierte gemeldet, die gerne dabei sein möchten. Nun, wo der Verein ins Licht der Öffentlichkeit getreten ist, werden aktiv Mitglieder gesucht.

Gleis 21 braucht 500 000 Fr.

Vom Stadtrat hat Gleis 21 die Zusicherung, dass die Stadt Dietikon als einmalige Investition die Sanierung der Gebäudehülle übernehmen wird. Der Verein wird die Innensanierung und die Infrastruktur übernehmen. Details sind noch offen. « Für den Verein rechnen wir mit Kosten in der Grössenordnung von einer halben Million Franken», sagt Camenisch. Man sei bereits mit Stiftungen und Fonds in Kontakt, die sich vorstellen können, einen Beitrag zu sprechen. Auch auf gewöhnliche Spenden ist der Verein angewiesen.

Stadtpräsident Otto Müller (FDP) bestätigt, die Dietiker Hochbauabteilung arbeite eine Sanierungsvorlage aus, die der Stadtrat im ersten Quartal 2017 verabschieden werde. Die Kosten für die Stadt werden noch berechnet. «Wir sind sehr erfreut über die Initiative des Vereins, vor allem weil er das Projekt auch als Quartiertreff konzipiert. Das ist eine sehr grosse Chance für die Stadt», so Müller.

Auch Jassturniere sind möglich

Laut Camenisch könnte das geplante öffentliche Bistro Gleis 21 nicht nur am Abend, sondern auch den Tag durch offen haben. «Es soll kein normales Café werden, sondern ein Ort für Dietikon, auch für seine Eltern und Kinder.» Denkbar sei etwa auch eine Spielecke. «Wir wollen, dass das Altberg-Quartier den Raum als seinen Raum anschaut. Darum binden wir das Quartier von Anfang mit ein. Wer von hier ist und im Gleis 21 zum Beispiel ein Jassturnier organisieren will, wird bei uns auf offene Türen stossen», sagt Camenisch. Mit Nachbarn, die öffentliche Nutzungen eher kritisch sehen, wegen Verkehr- und Lärm-Fragen, habe Gleis 21 auch schon Kontakt, damit solche Fragen von Anfang an einvernehmlich geklärt werden können.