Seraina kann es nicht erwarten, bis das Spiel beginnt. Ganz zappelig rutscht sie in der Kirchenbank umher. Ihr Bruder Roman spiele ein Schäfchen, verrät sie. Selber ist sie noch zu klein, um mitzumachen. Dann entzündet Pfarrerin Claudia Schulz mit dem Friedenslicht aus Bethlehem die vier Kerzen auf dem Adventskranz. Vor der Orgel in der reformierten Kirche glänzt der festlich geschmückte Christbaum.

Behörden haben kein Erbarmen

Singend und spielend erzählen die Kinder die immer gleiche Weihnachtsgeschichte auf ihre eigene Weise. Wie würden es Maria und Josef wohl ergehen, wenn sie heute auf der Suche nach einer Unterkunft wären? Überall, wo Menschen gerade mit Weihnachtsvorbereitungen beschäftigt sind, klopfen sie an und bitten um ein Dach über dem Kopf für sich und ihren Esel. Aber wie vor 2000 Jahren werden sie hartherzig abgewiesen. Bei der Chorprobe für den Weihnachtsabend stören sie nur. Man sei eine Kirche, kein Hotel, wird ihnen beschieden. Die Guetzlibäcker schicken die Drei zum Sozialamt. Das fehle ja noch, fremde Leute in der Wohnung, meint eine Kleine resolut und schwingt bedrohlich das Wallholz.

Auch das Diakoniebüro und die Kirchenpflege – gespielt von tatsächlichen Behördenmitgliedern – die über die Renovation der Orgel und eine goldene Badewanne für das Stürmeierhuus berät, hat kein Herz. Sie verweist die Heilige Familie an die katholische Kirche, grad gegenüber, denn wahrscheinlich haben Maria und Josef ohnehin keine Kirchensteuer bezahlt.

Pfarrerin Schulz freut sich: «Die ganze Kirche hat mitgemacht.» Begonnen habe es mit dem Kinderchor und «Fiire mit de Chline». Dann seien die Konfirmanden dazugestossen, die Kirchenpflegerinnen und Kirchenpfleger und das Diakoniebüro. Während der Proben habe jeder und jede sich auf seine Art mit dem Thema auseinandergesetzt und sich gesagt: Moment, das hat doch eigentlich mit unserem Leben zu tun. Für Andrea Schläpfer, eine der Chorleiterinnen, waren die Proben eine interessante Zeit. «Ich arbeite sehr gerne mit Kindern, weil ich spüre, dass sie gerne Theater spielen. Sie können aus sich herauskommen, in eine Rolle schlüpfen, jemand anders sein.»

Der kleine Roman hat das Schäfchen übrigens überzeugend gespielt. Seine Mutter ist stolz auf ihn. «Super hat er das gemacht», freut sie sich. Auch Heidi Spillmann aus Schlieren ist sehr angetan von der Leistung der Kinder: «Es war wirklich wunderbar, sehr spontan und angepasst an die heutige Zeit», sagt sie. «Die Kinder waren ganz sich selber. Das fand ich fantastisch.» Mit dem schönsten aller schönen Weihnachtslieder endet die kleine Weihnachtsfeier – Stille Nacht, heilige Nacht.