Die Sommerpause neigt sich dem Ende zu, bald herrscht auf den Fussballplätzen der Region wieder Hochbetrieb. Auf der Dornau startet der FC Dietikon diesen Samstag gegen die Tessiner vom FC Paradiso. Für das Team von Trainer João Paiva ist dieses Auftaktspiel ein besonderes, ist es doch das erste seit dem Aufstieg in die 1. Liga Classic und damit auch der Beginn eines neuen Kapitels. «Ich freue mich auf die neue Saison und bin sicher, dass meine Mannschaft bereit ist für die Herausforderung», zeigt sich Paiva nach der Saisonvorbereitung zuversichtlich.

In der Sommerpause bereiteten sich die Dietiker in der Heimat auf die neue Spielzeit vor. Dabei hatte das Team einige Widrigkeiten zu überwinden: «Im Sommer nehmen die Spieler oft zu unterschiedlichen Zeitpunkten Ferien, weshalb es nahezu unmöglich ist, einmal mit der gesamten Mannschaft zu trainieren. Das ist ein Problem, mit dem sich alle Nicht-Profi-Vereine jedes Jahr konfrontiert sehen», sagt Paiva. Der Übungsleiter und sein Trainerstab lösen das Absenz-Dilemma kreativ. Trainiert wird in zwei Blöcken, sodass jeder Spieler zumindest einen Teil der Vorbereitung mit dem Team absolvieren kann. Wer im Urlaub weilt, erhält ein individuelles Trainingsprogramm. So kommen alle Akteure auf ihre Einheiten, wenn auch nie gemeinsam als gesamte Mannschaft.

«Der Fokus lag vor allem darauf, dass wir physisch bereit sind für die neue Saison. Die Testspiele haben das auch bestätigt: Die Jungs sind spritzig und motiviert», sagt der 36-Jährige und ergänzt: «Andererseits konnten wir so natürlich noch nicht alle spielerischen Automatismen auf dem Rasen entwickeln. Das wird sich aber nach ein paar Spielen einpendeln.»

Drei FCD-Spieler wagen den Schritt ins Ausland

Aller Voraussicht nach sollte dies gelingen. Denn dem FCD gelang es, den Kern seiner Aufsteiger-Mannschaft zusammenzuhalten. «Das war unser grösster Transfercoup des Sommers. Gewisse Veränderungen gibt es immer, aber wir konnten die meisten Spieler halten», so der zufriedene Coach. Einige Abgänge konnte die Vereinsführung um Präsident Renato Casanova aber doch nicht verhindern. So verliess etwa Leistungsträger Blazenko Klaric die Dietiker. Der wirblige Offensivspieler sucht sein Glück fortan in Österreich. Auch Muhamed Alghoul (Kroatien) und Samir Bajrami (Ungarn) wagten den Schritt ins Ausland. «Dass unsere Jungs diese Abenteuer antreten konnten, macht uns schon ein wenig stolz», sagt Paiva.

Auf diese Transfers musste der FC Dietikon reagieren – und hat dies auch geschafft. Sieben Neuzugänge aus der 1. und 2. Liga haben den Weg ins Limmattal gefunden. Darunter einige vielversprechende Talente wie etwa Lulzim Aliu aus der U21 der Grasshoppers. Zudem schafften mit Alen Pehlic und Gian Carlos Dominguez zwei A-Junioren des FCD den Sprung in die erste Mannschaft. «Unseren Jugendspielern eine Chance zu geben, ist für die Philosophie des Vereins enorm wichtig. Die beiden haben sich diese Chance verdient. Logischerweise werden sie ein wenig Zeit brauchen, um sich an das höhere Niveau heranzutasten, aber das ist völlig normal.»

Mit dieser leicht modifizierten Vorjahresmannschaft will Paiva genau dort weitermachen, wo der FCD im Frühling mit dem Aufstieg aufgehört hat: «Unsere Identität hat sich im Vergleich zur letzten Saison nicht geändert. Wir wollen attraktiven, offensiven Fussball zeigen und glauben immer an unsere Chance. Unsere Philosophie bleibt dieselbe, egal in welcher Liga wir spielen.» Der Devise, Spiel für Spiel zu denken, ordnet man beim FCD auch die Formulierung eines klaren Saisonziels – wie etwa des Klassenerhalts – unter. «Unser Ziel ist es, in jedes Spiel zu gehen, um es zu gewinnen. Die Tabelle wird erst nach dem letzten Spieltag wichtig, vorher geht es darum, jedes Wochenende mit vollem Fokus die drei Punkte anzustreben. Alles andere ist immer relativ im Fussball», weiss Paiva, der als ehemaliger Stürmer bei den Grasshoppers und in Luzern einen grossen Erfahrungsschatz als Profi mitbringt.

Jakob Jakob ersetzt Ikone Rico Maissen

Beständigkeit ist das Konzept, mit dem der FC Dietikon die schwierige Herausforderung in der 1. Liga Classic angehen will. Eine Liga, in der intensiver, schneller und kompromissloser gespielt wird als in der 2. Liga interregional, aus welcher die Limmattaler soeben aufgestiegen sind. Kein einfaches Pflaster für einen Aufsteiger. Dank Testspielen unter anderem gegen Wettswil-Bonstetten und Wohlen, auf die der FCD auch in der Meisterschaft treffen wird, konnte sich die Paiva-Elf immerhin bereits an das höhere Niveau herantasten. Gänzlich ankommen wird der FCD im Oberhaus aber erst mit einigen Partien in den Beinen.

An der Seitenlinie wird Paiva nicht mehr von Assistenztrainer-Ikone Rico Maissen unterstützt, nachdem dieser aus privaten Gründen eine neue berufliche Herausforderung angenommen hat. «Obwohl er jetzt nicht mehr zu unserem Staff gehört, bleibt Rico unser grösster Fan. Er wird sicher auch am Samstag wieder im Publikum sein und die Jungs anfeuern», sagt Paiva. Er habe in Maissen nicht nur einen tollen Assistenten, sondern auch einen guten Freund gefunden und wünsche ihm nur das Beste für die Zukunft. Der Portugiese freut sich aber auch ungemein auf die Zusammenarbeit mit seinem neuen Assistenten, der auf den klangvollen Namen Jakob Jakob – kurz JJ – hört und vom FC Zürich nach Dietikon gewechselt ist: «Dank seiner grossen Erfahrung im Jugendbereich wird er sicher enorm wertvoll für die Entwicklung unseres jungen Teams werden.»

Gegner aus dem Tessin und Liechtenstein

Nicht nur auf dem Rasen wird sich der FC Dietikon in der 1. Liga mit neuen Dimensionen konfrontiert sehen. Auch organisatorisch kommt einiges auf die Limmattaler zu. Nur schon die längeren Reisewege an die Auswärtsspiele gegen Gegner wie Gossau aus der Ostschweiz, Paradiso aus dem Tessin oder Eschen/Mauren und Balzers aus Liechtenstein verlangen Stab, Fans und Spielern – notabene keine Vollprofis – zusätzliches Engagement ab. «Die Spieler wissen, dass die längeren Fahrten zur 1. Liga dazugehören, weil man hier schweizweit spielt. Aber wir sind alle bereit, das in Kauf zu nehmen», so Paiva. In der Schweiz seien das ja zum Glück alles trotzdem keine enormen Distanzen, wenn man es mit anderen Ländern vergleicht. Wer dem Portugiesen zuhört, merkt: Sein FCD ist bereit für das Abenteuer.