Limmattal
Heute Nacht bekommt das Pendel einen Schubs

Für die Umstellung auf Winterzeit setzen die meisten Kirchen der Region auf moderne Technik. Anders sieht es bei der reformierten Kirche in Dietikon aus.

Gabriele Heigl
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Willi Karrer, Sigrist der reformierten Kirche Dietikon, muss für die Zeitumstellung das Pendel der Kirchturmuhr anhalten. zvg

Willi Karrer, Sigrist der reformierten Kirche Dietikon, muss für die Zeitumstellung das Pendel der Kirchturmuhr anhalten. zvg

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Zweimal wird Willi Karrer heute am späten Abend in den Turm der reformierten Kirche Dietikon hinaufsteigen. Der Sigrist der Gemeinde ist für die Umstellung der Turmuhr auf Winterzeit verantwortlich. Gegen 22 Uhr wird er die Flügeltüren zur Uhr öffnen und das Pendel anhalten.

Die Zeit wird zwar offiziell erst um zwei Uhr nachts umgestellt, aber man kann es dem Sigrist nicht verdenken, dass er das schon ein paar Stunden früher erledigt, zumal er eine Stunde später nochmals hinauf muss. «Dann muss ich dem Pendel einen Schubs geben.» Die Umstellung auf Winterzeit ist im Vergleich zur Sommerzeit viel einfacher, erläutert er. Heute muss er nämlich keine Veränderungen an den Zahnkränzen vornehmen, wie bei der alljährlichen Umstellung im März.

Manuelle Zeitumstellung an den Turmuhren ist selten geworden im Limmattal. Auch wenn die Uhrwerke oft noch alt sind, deren Regelungstechnik befindet sich meist auf dem neuesten Stand. Computer und Funkübermittlung haben in die altehrwürdigen Türme Einzug gehalten.

Seit zwei Jahren verfügt auch die reformierte Kirche in Bergdietikon über eine neue Turmuhrtechnik. Die gesamte Zeitsynchronisation erfolgt über den deutschen Funksender DCF77, der im hessischen Mainflingen steht (siehe Text rechts).

Auch in der katholischen Pfarrei St. Josef in Schlieren, den katholischen Kirchen St. Agatha und St. Josef in Dietikon sowie der reformierten Kirche in Weiningen läuft die Umstellung automatisiert ab. «Ich muss nichts tun, ausser die Zeitschaltuhr für die Aussenbeleuchtung der Kirche per Hand anzupassen», meint der Weininger Sigrist Karl Sutter.

Annäherung über Atomuhren

Die meisten Schweizer Funkuhren sind auf die Signale des deutschen Langwellensenders DCF 77 abgestimmt, der in Mainflingen bei Frankfurt steht (D für Deutschland, C für Langwelle, F für Frankfurt und 77 für die Sendefrequenz von 77 Kilohertz). Hier betreibt die Deutsche Telekom verschiedene Sender.

Für die richtige Zeitvorgabe ist die Physikalisch-technische Bundesanstalt Braunschweig verantwortlich. Sie betreibt in einem abgeschirmten Raum vier Atomuhren. Die von diesen vorgegebene Zeit wird zunächst in Zeitsignale umgewandelt. Danach werden die Signale von drei Atomuhren verglichen. Stimmen sie überein, wird das Zeitsignal an die Sendeanlage weitergeleitet.