Am Samstag wird das streng gehütete Geheimnis gelüftet, das die Gerüchteküche in der Fasnachtshochburg Urdorf befeuert: Wer wird neuer Schirmherr? Neben dem Auserwählten wissen nur die drei Präsidenten der Clique Schäflibach Bescheid.

Bei einem gemeinsamen Treffen in der Cliquenstube mit Präsident Michael Keel, Vizepräsident Stephan Bohnenblust und Zeremonienmeister Daniel Leutwiler scheitern auch alle investigativen Rechercheversuche der Limmattaler Zeitung. «Er hat ganz hinten rechts einen hohlen Zahn», pariert Bohnenblust leichtfüssig.

Neugierigen bleibt also nichts anderes übrig, als alle Zahnärzte in der Region abzutelefonieren oder gleich selbst auf das Embri-Areal in Urdorf zu pilgern und um 15 Uhr der offiziellen Präsentation beizuwohnen. Anschliessend wird bis spät in die Nacht weitergefeiert. Denn die Schirmherr-Inthronisation läutet in Urdorf die Narrenzeit ein.

Jemand passendes für den Thron zu finden ist immer wieder aufs Neue eine Herausforderung. Die Person muss im Dorf verwurzelt und bekannt sein, darf aber trotz Fasnachtsbegeisterung noch nicht der Clique Schäflibach angehören. «Wir sind überzeugt, jemand Gutes gefunden zu haben, und freuen uns auf die Enthüllung», sagt Zeremonienmeister Leutwiler.

Die Präsidenten kennen sich aus, Bohnenblust (2017) und Keel (2014) sind selbst als Schirmherrn zur Clique gestossen. «Es war sehr intensiv, aber ich will die Zeit nicht missen», sagt Bohnenblust, und hat gleich einen guten Rat für den Neuen parat: «Er muss auf den Zeremonienmeister aufpassen, damit der nicht zu viel isst und trinkt.»

Ganz sicher nicht zum neuen Schirmherr wird der abtretende Marcel Weber erkoren. Nachdem Leutwiler letztes Jahr zur Verwunderung aller als Scherz zunächst den DJ als Schirmherr vorstellte, wird jetzt der Schirmherr zum DJ – später am Abend heizt Weber alias DJ Outside im Festzelt die Stimmung an.

Auf in die weite Fasnachtswelt

Angeführt vom neuen höchsten Fasnächtler geht für die Clique Schäflibach die Fasnachtszeit nach diesem Wochenende so richtig los. Jedes Jahr besuchen die Urdorfer rund acht bis zehn Umzüge in der Schweiz und dem nahen Ausland. «Dieses Mal sind wir eher im näheren Umfeld unterwegs», sagt Leutwiler, der das Programm zusammenstellt. Im Fokus steht dabei die Abwechslung und Spannung für die eigenen Mitglieder sowie der Besuch befreundeter Vereine und Zünfte. Diese besuchen im Gegenzug auch regelmässig die Urdorfer Fasnacht.

Bereits im Herbst starten jeweils die Hauptvorbereitungen. Dann werden in der Zentrale der Clique Pläne geschmiedet und Umzugswagen gebaut. Hier, in einem direkt am Schäflibach gelegenen Bauernhaus mitten im Strassenbogen der Autobahnzufahrt, ist die Clique seit 2005 beheimatet.

Aber bereits vor der heutigen Präsentation wird geübt. In der ersten Januarhälfte war die Clique in Wangen und in Diessenhofen mit ihren Wagen am Start, damit beim Heimspiel alle eingespielt sind. «Unter all den Trychlern in Wangen sind wir uns fast schon exotisch vorgekommen», sagt Leutwiler.

Im März gehts rund

Zum grossen Highlight der Urdorfer Fasnacht wird das zweite Märzwochenende. Doch keine Angst, bis dahin können Dorfnarren und -närrinnen nicht nur auswärts feiern. Am 2. Februar veranstalten die Stiereschränzer Urdorf, die sich 2010 nach 15 gemeinsamen Jahren von der Clique Schäflibach abspalteten, unter dem Motto Bunte Huufe ihren Schränzerball.

Am 8. März startet die Clique Schäflibach in ihr «Märliwelt»-Festwochenende. «Jedes Jahr wählen wir aus allen Vorschlägen unserer Mitglieder die zehn besten aus und stimmen dann im Vorstand über das Motto ab», erklärt Michael Keel.

Am Freitag sollen die noch jungen Seeruggefeger die Zentrumshalle zum Kochen bringen. «Am Samstag brauchen wir dann Unterstützung von oben», sagt Keel. Um 14.31 Uhr startet der grosse Umzug mit gut 55 Gruppen. Rund 1600 Fasnächtler werden mit ihren Kostümen und Wagen für eine ausgelassene Stimmung sorgen; neben jener in Bassersdorf ist es der grösste Umzug im Kanton. Abends steht der Maskenball mit Kostümprämierung an. Sonntags geht es weiter mit dem Kindermaskenball und der Halli-Galli-Party.

Ein Wochenende später heisst es dann bereits wieder Abschied nehmen. Nach der Uslumpete am Freitag wird am Samstag um 11.11 Uhr unter Krokodilstränen des Schirmherrn das letzte Konfetti zu Grabe getragen.

Damit die Fasnacht auch weiterhin jedes Jahr farbenfroh auflebt, hat die Clique Schäflibach vor zwei Jahren die zehnköpfige Arbeitsgruppe «Zukunft Fasnacht Urdorf» ins Leben gerufen. Hier werden Ideen gesammelt, wie die Narrenzeit weiterhin attraktiv und spannend weiterentwickelt werden kann.

In der schnelllebigen Gesellschaft sei der Kampf um die Aufmerksamkeit härter geworden, sagt Leutwiler. «Bei uns läuft es noch gut, aber die Fasnachtszeit ist nicht mehr gleich wie vor 15 bis 20 Jahren. Es ist wichtig, dass wir mit der Zeit gehen.» Bohnenblust fügt an: «Im Winter ist es viel zu kalt. Wir könnten die Fasnacht doch mal im Sommer veranstalten.»