Dietikon
Herr Notter, werden Sie noch einmal Bundesrat?

Als ehemaliger Dietiker Stadtpräsident und Zürcher Regierungsrat hat Markus Notter auch grundsätzliche Lebenslektionen gelernt, wie er an einem Vortrag sagte. Auf die Frage eines Zuhörers, ob er noch Bundesrat werde, gab er aber eine klare Antwort.

Tabea Wullschleger
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Nicht nur sein Leben als Politiker war turbulent: Markus Notter zog die Zuhörer mit seiner aktiven, lebendigen Körpersprache in seinen Bann.

Nicht nur sein Leben als Politiker war turbulent: Markus Notter zog die Zuhörer mit seiner aktiven, lebendigen Körpersprache in seinen Bann.

Tabea Wullschleger

Drei Jahre ist es her, seit Markus Notter sich als Regierungsrat nicht mehr zur Wiederwahl stellte. Seit ganzen 18 Jahren ist er nicht mehr Stadtpräsident von Dietikon. Dennoch zog sein Vortrag über sein Leben als Berufspolitiker und Privatmann viele Interessenten an. Rund 60 waren es, die sich am Freitagabend im katholischen Pfarreizentrum St. Agatha in Dietikon einfanden. Graue Kurzhaarfrisuren dominierten im Publikum klar – der Anlass richtete sich nämlich explizit an Männer über 50. Zum Vortrag mit Apéro eingeladen hatte die Gruppe «Manne 50+», die konfessionell unabhängig dazu beitragen möchte, dass Männer den Lebensabschnitt vor und nach der Pensionierung positiv gestalten können. Unterstützt wird die Gruppe von der Erwachsenenbildung der reformierten und katholischen Kirche.

Markus Notter, mit Jahrgang 1960 selbst zur Zielgruppe seines Vortrags gehörend, hatte die volle Aufmerksamkeit vom ersten Wort an. Aktiv gestikulierend erzählte der geborene Dietiker aus seiner Zeit als Stadtpräsident von 1990 bis 1996 und sparte nicht mit vielfältigen Anekdoten aus den 15 Jahren im Regierungsrat. In seiner Karriere als Vollzeitpolitiker ortete Notter auch viele allgemeine Grundsätze fürs Leben. Ein wiederkehrendes Thema etwa seien Krisen gewesen, stellte er fest. Gerade im Jahr 2001, als der SP-Politiker den Regierungsrat präsidierte, kumulierten sich mit den Terroranschlägen in den USA, dem Attentat im Zuger Parlamentsgebäude und dem Swissair-Grounding die Krisensituationen. Notter ging mit grundsätzlichen Erkenntnissen aus dieser Zeit heraus: «Unglaubliche Beschleunigung der Abläufe, neue Zusammenhänge, die sich eröffnen, und vor allem ein ultimativer Entscheidungszwang zeichnen eine Krisensituation aus.»

Der Alt-Regierungsrat konstatierte auch, dass zu wenig wahrgenommen würde, wie die Schweizer Regierung funktioniere. Neben der direkten Demokratie sei nämlich das Kollegialitätsprinzip zentral. «Wir waren stets ein Regierungskollegium, jeder war gleichberechtigt dort reingewählt worden und konnte nicht einfach durch einen anderen Minister ausgetauscht werden, wie das in anderen Ländern der Fall ist», so Notter. Die Sitzungen in diesem Kollegium waren für ihn allerdings auch gleichzeitig Trainingstage, ganz nach dem Motto «Ich sitze in der Mittwochssitzung, andere rennen dafür herum».

2011 hatte Notter genug und trat nicht mehr zur Wiederwahl für den Regierungsrat an. Für ihn sei dabei wichtig gewesen, selbst sagen zu können, wann es fertig sei. Beim parlamentarischen «Rösslispiel» mache er seither zwar nicht mehr mit, doch engagiert sei er immer noch an zahlreichen Orten. So ist er Präsident des Europa-Instituts und des Landesmuseums sowie des Verwaltungsrats des Zürcher Opernhauses. Auf die Frage eines Zuhörers, ob er noch Chancen habe, eine Wette zu gewinnen, bei der er behauptet habe, Notter werde Bundesrat, folgte denn auch ein klares Nein vonseiten Notters. Immerhin entschuldigte er sich auch gleich noch beim Fragenden für die verlorene Wette. Und langweilig wird dem ehemaligen Vollblut-Politiker bei all seinen Engagements auch ohne Sitz im Bundesrat sicher nicht werden.