Es war am 24. November 2009, als die Drogenfahnder um die Mittagszeit in Zürich-Höngg zuschlugen. Sie nahmen einen heute 40-jährigen Gastro-Unternehmer aus Dietikon fest. Der Mazedonier war gerade im Begriff, eine Tasche mit 412 Gramm Heroin sowie 21,5 Kilogramm Streckmittel an einen Landsmann zu übergeben. Allerdings bezeichnete sich der Verhaftete von Anfang an als unschuldig. So habe er gedacht, dass er von einem Kollegen lediglich Autoersatzteile für den Weiterverkauf erhalten habe, wie er zu Protokoll gab.

Die Untersuchungen gegen den mutmasslichen Heroindealer brachten weitere Delikte ans Licht. So musste er sich am Dienstag nicht nur wegen Drogenhandels, sondern auch wegen Betrugs, Erschleichung einer falschen Beurkundung sowie Unterlassung der Buchführung am Bezirksgericht Zürich verantworten. Laut Anklage hatte sich der Mann trotz hoher Schulden seit Frühjahr 2007 als Gastro-Unternehmer betätigt. Allerdings von Anfang an auf illegale Art und Weise.

So schilderte die Anklage, dass hinter seiner Dietiker Firma schon von Beginn an eine Schwindelgründung steckte. So liess er sich von einem Schweizer Komplizen für die Finanzierung seines Unternehmens hochoffiziell 100000 Franken übergeben. Worauf die Behörden den Gründungsvertrag beurkundeten. Dies ohne zu ahnen, dass der Angeklagte dem Investor das Darlehen umgehend heimlich zurückzahlte und in Wahrheit ohne Geld da stand.

Fest steht, dass der Angeklagte mit seiner Firma trotz fehlenden Kapitals eine Bar eröffnete und damit mehrere Lieferanten hinters Licht führte. So eine grosse Getränkelieferantin, die das Lokal mit Bier und Softgetränken für über 20000 Franken belieferte.

376 Tage hinter Gittern verbracht

Im Herbst 2008 war Schluss. Das Dietiker Luftschloss fiel in den Konkurs. Die Geschädigten blieben auf ihren Rechnungen sitzen.

Vor Gericht beteuerte der Angeklagte seine Unschuld. Er habe nichts vom Heroin gewusst und stellte sich als Opfer der Drogenmafia dar. Bei seinem Gastro-Betrieb machte er unglückliche äussere wirtschaftliche Umstände geltend. Dementsprechend verlangte die Verteidigung Freisprüche. Im Gegensatz zum Staatsanwalt, der eine hohe Freiheitsstrafe von vier Jahren forderte.

Vergebens. Wie das Gericht gestern mitteilte, hat es den Limmattaler umfassend schuldig gesprochen. Eine schriftliche Begründung des Urteils liegt noch nicht vor. Jedenfalls haben die Richter mit einer teilbedingten Freiheitsstrafe von drei Jahren eine mildere Sanktion als die Anklage beschlossen. Ein Jahr davon unbedingt. Da der Ersttäter bereits 376 Tage in Untersuchungshaft verbracht hat, muss er nicht mehr hinter Gitter. Die Geschädigten wurden mit ihren Forderungen auf den Weg eines Zivilprozesses verwiesen.