Birmensdorf
Hélène Vuille liest vor: Das Schicksal von Baran soll Verständnis für Flüchtlinge schaffen

Mit ihrem neuen Buch über ein Flüchtlingskind beeindruckte die Autorin Hélène Vuille auch das Birmensdorfer Publikum. In dem Werk beschreibt Vuille die Lebens- und Leidensgeschichte von Baran, einem Kurden aus dem Nordirak, der mit 12 Jahren sein Land verliess, um in Europa ein glücklicheres Leben zu finden.

Sebastian Schuler
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Viele Zuhörerinnen und Zuhörer nutzten die Gelegenheit, nach der Lesung im Gemeindezentrum Brüelmatt mit Hélène Vuille (links) ins Gespräch zu kommen.

Viele Zuhörerinnen und Zuhörer nutzten die Gelegenheit, nach der Lesung im Gemeindezentrum Brüelmatt mit Hélène Vuille (links) ins Gespräch zu kommen.

Sebastian Schuler

Im gut gefüllten Saal des Gemeindezentrums Brüelmatt in Birmensdorf ist es mucksmäuschenstill, als Hélène Vuille ihr Buch aufschlägt und vorliest, wie der Protagonist Baran im Flüchtlingslager Calais keinen Schlaf findet. Immer wieder muss er aufstehen und sich bewegen, da seine Gelenke vom kalten Boden steif geworden sind.

Es sind eindrückliche Erlebnisse, welche die Birmensdorfer Autorin und Food-Waste-Aktivistin in ihrem neusten Buch «Baran – 18 Jahre Regen» niedergeschrieben hat und am Donnerstagabend an einer Lesung dem Publikum vortrug. In dem Werk beschreibt Vuille die Lebens- und Leidensgeschichte von Baran, einem Kurden aus dem Nordirak, der mit 12 Jahren sein Land verliess, um in Europa ein glücklicheres Leben zu finden.

Kennen gelernt hat sie den damals 18-Jährigen bei einer Abgabestelle für Tagesfrischprodukte, die Vuille selbst ins Leben gerufen hatte. «Mit seiner Geschichte wollte ich der Flüchtlingsthematik, die oft nur von Zahlen und Fakten geprägt ist, einen menschlichen Aspekt verleihen», sagt die Birmensdorferin.

«Ich habe das Buch an nur einem Tag durchgelesen»

Organisiert wurde die Veranstaltung durch die Bibliotheksleiterin Katja Brogle. «Es hat mich sehr gefreut, als Hélène für die Lesung zusagte», sagt sie. Vuille sei eine sehr interessante Person und auch die Geschichte habe sie sofort gepackt. «Ich habe das Buch an nur einem Tag durchgelesen.» Vielen anderen Leserinnen und Lesern sei es ähnlich ergangen, sagt Vuille.

Seit der Buchtaufe in Uitikon im Dezember habe sie bereits eine Menge positives Feedback erhalten. «Es ist auch immer sehr spannend zu hören, welche eigenen Erfahrungen die Leute mit Flüchtlingen gemacht haben», sagt sie.

Auch in Birmensdorf nutzten viele Zuhörerinnen und Zuhörer die Gelegenheit, beim anschliessenden Apéro mit der Autorin ins Gespräch zu kommen oder sich gegenseitig auszutauschen. «Sie hat eine sensationelle Stimme und ist die geborene Vorleserin», lobte die aus Fällanden angereiste Bea Auderset. Sie hoffe sehr, dass durch Vuilles Buch bei den Leuten mehr Verständnis für Flüchtlinge aufkomme.

Das wünscht sich auch Regula Huber aus Urdorf. «Mich hat an der Geschichte vor allem beeindruckt, über welch langen Zeitraum sich eine solche Flucht erstreckt», sagt sie. Als krönender Abschluss des Abends durfte Brogle den Anwesenden dann noch verkünden, dass Vuille in diesem Jahr mit der Flamme des Friedens ausgezeichnet wird.