Dietikon
Heinz Vogler: «Im Zentrum Dietikon fehlt es an Fachgeschäften»

Heinz Vogler, Präsident der Vereinigung Zentrum Dietikon, will das Löwenzentrum wieder zu dem Kundenmagneten machen, das es eigentlich sein sollte – denn das funktioniere nur noch bedingt.

Katja Landolt
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Die Vereinigung Zentrum Dietikon mit Präsident Heinz Vogler steckt viel Herzblut ins Löwenzentrum.Katja Landolt

Die Vereinigung Zentrum Dietikon mit Präsident Heinz Vogler steckt viel Herzblut ins Löwenzentrum.Katja Landolt

Diese Woche feierte das Einkaufszentrum Löwenzentrum im Herzen von Dietikon sein 25-Jahr-Jubiläum. Für die Vereinigung Zentrum Dietikon, die sich intensiv um das Zentrum kümmert, muss aber noch viel passieren, damit das Einkaufszentrum wieder zu dem wird, was es eigentlich sein sollte: ein Anziehungspunkt.

Herr Vogler, welchen Stellenwert hat das Löwenzentrum für die Vereinigung Zentrum Dietikon?

Heinz Vogler: Das Löwenzentrum ist der Magnet des Dietiker Zentrums. Ein Frequenzbringer, attraktiv zum Shoppen, so sollte es sein. Im Löwenzentrum muss es stimmen, damit alle umliegenden Unternehmen vom Zentrum profitieren und letztlich auch überleben können. Wenn das als Anziehungspunkt nicht mehr funktioniert, was soll dann noch funktionieren?

Funktioniert es denn noch als Magnet?

Nur noch bedingt. Zum guten Glück hat sich die Migros für den Standort Löwenzentrum entschieden und Millionen investiert.

Wo liegt denn der Hund begraben?

Beispielsweise in der Zuständigkeit. Niemand fühlt sich verantwortlich. Der Eigentümer respektive die Verwaltung zeigt kaum Interesse an diesem Zentrum.

Wie äussert sich das?

Im Löwenzentrum existierte beispielsweise bis vor rund zwei Jahren keine Mietervereinigung. Es war eine lose Ansammlung verschiedener Läden. Die Anliegen dieser Mieter wurden aber nie vertreten, hatten nie eine direkte Ansprechperson, niemanden, der ihre Interessen vertreten hat.

Das ist heute anders?

Die Vereinigung Zentrum Dietikon hat in das Löwenzentrum sehr viel Zeit und Herzblut investiert und eine Mietervereinigung gegründet. Wir sind Ansprechpartner der Mieter und der Verwaltung, sprich Eigentümer. Wir vergessen die Pendenzen nicht und haken nach, bis sie erledigt sind.

Das heisst?

Sabine Billeter, unsere Geschäftsführerin, steht mit der Verwaltung in Kontakt und hat unter anderem den Bau des neuen Parkhauses und den Umbau der Migros aufmerksam begleitet. Ausserdem sorgt sie für viele Kleinigkeiten; beispielsweise für die Fassadenbeschriftung, für einheitliche Abfallbehälter, für die Koordination der Werbefläche unter den Geschäften, für Verkaufsförderungsmassnahmen und für den Adventskalender, der an die Kunden verteilt wird.

Die Migros hat ihre Filiale und das Restaurant komplett umgebaut. Hat das die Situation nicht verbessert?

Die Migros hat sich zum Standort Dietikon bekannt und die Filiale komplett umgebaut und renoviert. Das ist super, das Erscheinungsbild hat sich sehr gewandelt. Aber es ist nicht genug: Aus unserer Sicht wäre es nichts als logisch, dass die Verwaltung beziehungsweise die Eigentümer das Interesse hätten, die Infrastruktur des Löwenzentrums anzupassen.

Sie meinen eine Generalüberholung des Gebäudes?

Genau, das Erscheinungsbild müsste aufgefrischt werden. Die Fassade müsste saniert und der Innenbereich renoviert werden. Es gibt so viele kleine Dinge, die ohne grossen Aufwand und Kosten angepasst und überholt werden könnten. Aber die Verwaltung beziehungsweise die Eigentümer machen überhaupt keine Anstalten, entsprechende Arbeiten in die Wege zu leiten.

Das Löwenzentrum steht ja irgendwie sinnbildlich für die ganze Problematik im Zentrum: Es ist unattraktiv. Ist dem Dietiker Zentrum überhaupt noch zu helfen?

Natürlich. Die Stadt Brugg beispielsweise hatte ein ähnliches Problem, auch da stand inmitten des Zentrums ein unattraktives Einkaufszentrum. Hier haben die Zuständigen aber reagiert und das Erscheinungsbild komplett überarbeitet. Das Beispiel zeigt, dass man durchaus etwas verändern könnte, wenn man denn nur wollte.

Vor vier Jahren wurde eine Wirtschaftsstrategie festgelegt. Wie steht es damit?

Richtig, wir haben gemeinsam mit der Stadt eine Wirtschaftsstrategie für die Stadt Dietikon erarbeitet. Darin wurde festgehalten, dass eine separate Zentrumsstrategie erarbeitet werden muss.

Was hält diese Zentrumsstrategie denn fest? Welche Läden angesiedelt werden sollen?

Nicht nur das, sondern man bespricht auch Themen wie Verkehr, Immobilien, Branchenmix, wie man das Zentrum attraktiver machen kann. Es geht nicht nur um die Geschäfte, sondern auch um das Verhalten der Immobilienbesitzer. Oder Fragen, wie man den Kirchplatz noch attraktiver gestalten kann.

Wann soll diese Zentrumsstrategie erarbeitet werden?

In den kommenden Monaten werden wir mit Vertretern der Stadt und aus verschiedenen Branchen, beispielsweise Immobilienbesitzern und Filialleitern, zusammensitzen und eine neue Strategie festhalten.

Dietikon ist nicht die einzige Stadt, die aus einem Dorf gewachsen ist, die keinen Stadtkern hat. Liegt das Problem tatsächlich nur in der Lage zwischen Spreitenbach und Zürich?

Das Dietiker Problem – und das erzähle ich bereits seit Jahren – ist der Branchenmix. Der stimmt nicht.

Was fehlt denn am dringendsten?

Es fehlen gute Fachgeschäfte im Zentrum, beispielsweise eines für Herrenoberbekleidung. Oder eine Bäckerei, ein Haushalts- und Sanitätsgeschäft, eine Metzgerei und ein Reformhaus.

Rund um den Bahnhof hat sich einiges getan; es gibt neue Läden, Cafés, das Erscheinungsbild ist aufgehübscht worden. Hat das nichts genützt?

Doch, das hat etwas genützt. Wir brauchen jedoch ein attraktives Zentrum, damit Synergien zum Bahnhof entstehen.

Und da hapert es?

Die Zusammenarbeit mit der Stadt ist sehr gut, der Informationsaustausch funktioniert. Aber: Weder die Stadt noch die Vereinigung Zentrum Dietikon können steuern, welche Mieter sich im Zentrum niederlassen. Wir können dem Hauseigentümer nicht vorschreiben, an wen er seine Liegenschaften vermietet.

Hätte man vor 25 Jahren irgendetwas anders machen müssen? Hat man mit einem Zentrum den Detaillisten das Wasser abgegraben?

Nein, das glaube ich nicht. Das Löwenzentrum war nach der Eröffnung tatsächlich ein Magnet und hat die Leute ins Zentrum geholt. Das geballte Ladenangebot war ein Konzept, das begeisterte, ein Bedürfnis. Ich persönlich bin aber der Meinung, dass man es damals verpasst hat, um das Löwenzentrum herum die guten Fachgeschäfte am Leben zu erhalten.

Warum sind diese eingegangen?

Man braucht als Fachgeschäft sowohl Stammkunden als auch Laufkundschaft. Und das fehlt heute im Zentrum. Genauso wie das Heimatgefühl.

Was meinen Sie mit Heimatgefühl?

Wenn sich Filialbetriebe ansiedeln, sind die Mitarbeiter quasi anonym, nicht mit der Region verbandelt. Es fehlt etwas, das Engagement für die Stadt, eben das Heimatgefühl.

Sie malen ziemlich schwarz.

Das täuscht. Ich schaue positiv in die Zukunft. Die Anstrengungen seitens der Stadt und unserer Vereinigung werden honoriert werden, da bin ich mir sicher. Wir müssen aber weiter mit den entsprechenden Partnern reden und Aufklärungsarbeit leisten.