Unterengstringen
Heinz Schmider's Revolution: Lokale Schätze neu archiviert

Als Heinz Schmider vor vielen Jahren in die Museumskomission eintratt, war vieles schon perfekt organisiert. Doch mit Schmider erhielt eine neue Ära Einzug in Unterengstringer Museumswesen.

Aleksandra Hiltmann
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Heinz Schmider ist stolz darauf, was er in den letzten Jahren mit seiner Equipe erreicht hat.

Heinz Schmider ist stolz darauf, was er in den letzten Jahren mit seiner Equipe erreicht hat.

Auch heute noch findet Heinz Schmider, gelernter Schriftsetzer, lobende Worte für die Arbeit, welche seine Kollegen bis zu seinem Eintritt in die Museumskommission geleistet hatten. «Jedes Objekt ist mustergültig erfasst worden. Von jedem Gegenstand ist ein Foto gemacht und eine Karteikarte angelegt worden.» Doch eine wichtige Sache sei damals zu kurz gekommen: die Positionierung der Objekte.

Zertifikat zur Führung von Museen

Schmider erklärt, dass die geschenkten Objekte und Leihgaben, deren Anzahl damals auf ungefähr 2500 Stück geschätzt worden ist, auf verschiedene Orte in Unterengstringen verteilt gewesen seien. So hat sich Schmider gleich nach Eintritt in die Kommission der Ortung der über Jahrzehnte gesammelten Erinnerungsstücke angenommen.

«Als ich angefragt worden bin, für die Kommission zu arbeiten, da traute ich mich erst nicht, zuzusagen», erinnert sich Schmider, der sich damals einem gestandenen Kern von Kommissionsgründungsmitgliedern mit viel Erfahrung gegenübersah. Doch diese liessen nicht nach. Schliesslich erwarb Schmider ein Zertifikat des VMS (Verband der Museen der Schweiz) zur Führung kleiner und mittlerer Museen. Bereits nach einem Jahr in der Kommission übernahm er von seinem Vorgänger Peter Sangaletti das Amt des Obmanns.

Aufbruch in die Neuzeit

Mit dem neuen Obmann hielt auch die Neuzeit Einzug ins Unterengstringer Museumswesen. Auf Empfehlung des VMS begann Schmider damit, eine PC-Verwaltung für die über 2500 Objekte aufzuziehen. «Die Gemeinde hatte immer ein offenes Ohr für nötige Investitionen im Museum, so auch für diese elektronische Objekterfassung», erinnert sich Schmider. Gerade zu seinen Anfangszeiten sei der Bestand der Sammelstücke nochmals um 30 Prozent angewachsen, was die Hilfe des PC-Systems dringend nötig machte.

Unter anderem hatte man zahlreiche Objekte aus einem über 200-jährigen Bauernbetrieb sicherstellen können. «Beim Durchforsten dieses unter Heimatschutz stehenden Bauernhauses haben wir viele kostbare Sachen und Geschichten gefunden», schwärmt Schmider noch heute von diesem Höhepunkt in seiner Museumskarriere.

Geschichte bewahren

Der Anfang des Sammelns ist in der Umbruchzeit nach dem Zweiten Weltkrieg einzuordnen. Schmider erklärt, dass damals viele Bauernhöfe ihren Betrieb eingestellt hätten, worauf die Gemeinde darum bemüht war, wertvolle Objekte sicherzustellen. Bald türmten sich die Erinnerungsstücke in alten Zivilschutzanlagen, wo sie nach und nach für die Bevölkerung zugänglich gemacht wurden.

Auch heute noch könne man weiterhin auf eine grosse Anzahl gelagerter Gegenstände zugreifen, um Sonderausstellungen zu realisieren, so Schmider. Mindestens ein Jahr dauere die Vorbereitung auf eine Sonderausstellung, deren fünf bis sechs es in seiner Amtszeit zu besuchen gab. Auf seine Initiative hin ist beispielsweise die «Geschichte der ersten Limmattaler Strassenbahn» im Museum verwirklicht worden.

Grösster Schreck: Ein Holzwurm

Doch die Bewahrung der historischen Gegenstände hat auch ihre Tücken. Mit Schrecken erinnert sich Schmider an den Holzwurm, der die Lagerbestände vor einigen Jahren befallen hatte: «Eine Spezialfirma musste anrücken und alle Objekte gegen den Schädling impfen.» Seit dieser Rettungsaktion sei man aber verschont geblieben vor weiteren Wurmbefällen.

Trotz der Leidenschaft für alte Kostbarkeiten verkraftet Schmider den schnellen Wandel in der heutigen Zeit aber gut – ein Mobiltelefon besitze auch er. «Doch bin ich wohl noch von altem Schrot und Korn», gibt er lachend zu, denn SMS beantworte er nach wie vor keine, Telefonate selbstverständlich schon.

Ernster wird er, als er über den Nachwuchs für die Museumskommission spricht: «Es ist schwierig, Leute zu finden, welche einen Bezug zur Gemeinde und Geschichte haben.» Durch Mund zu Mund Propaganda und Inserate in den Unterengstringer Nachrichten habe man jedoch kürzlich gleich zwei neue engagierte Mitarbeiter finden können.

Allgemein lasse sich ein steigendes Interesse an der Vergangenheit feststellen. «Jeden Sonntag, an dem das Museum geöffnet ist, kommen Besucher», freut sich Schmider.

Erfolgreicher Abschluss

Wehmut komme bei ihm nicht auf angesichts seines Abschiedes aus der Museumskommission. «Eher bin ich stolz, was ich mit meiner Equipe alles habe erreichen können in diesen Jahren.» Besonders erfreut ihn die Tatsache, dass er die Positionierung und Archivierung der Museumsbestände im letzten November hatte vollenden können. «Das ist für mich ein schöner Abschluss.»