Limmattal
Heimatlose Katzen in der Region: Dagegen hilft nur die Kastration

Die Tierschutzorganisation NetAP fängt derzeit täglich heimatlose Katzen ein und kastriert sie. Auch in Schlieren und Bergdietikon war das Team bereits im Einsatz.

Anina Gepp
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Tierschutzorganisation NetAP kastriert heimatlose Katzen im Limmattal
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Esther Geisser fängt eine Katze ein.
Die behandelten Tiere werden gut umsorgt.

Tierschutzorganisation NetAP kastriert heimatlose Katzen im Limmattal

Florian Niedermann

Bis zu 30 Stunden wendet Esther Geisser wöchentlich auf, um Katzen einzufangen und zu kastrieren. Die Gründerin der Tierschutzorganisation NetAP arbeitet mit zahlreichen Helfern und Tierärzten ehrenamtlich gegen die Verwilderung von Katzen. «Hunderttausende von Katzen sind heute heimatlos. Die Flut an Meldungen ist derzeit kaum mehr zu bewältigen», sagt sie. Im Limmattal seien Anrufe aus Schlieren und Bergdietikon eingegangen.

Oft würden unerwünschte Katzen erschlagen, ertränkt, erschossen oder erstickt. Der Mensch sei sehr erfinderisch, wenn es darum gehe, den unerwünschten Nachwuchs loszuwerden. «Uns gegenüber geben Landwirte zwar zu, Katzen zu töten, aber offiziell wird darüber geschwiegen», so Geisser. Aber auch Privatpersonen würden ihren Teil dazu beitragen, indem sie ihre Katzen nicht kastrieren lassen und damit für mehr Nachwuchs sorgen. Die Katzen vegetierten auf Bauernhöfen, Fabrikarealen, Schrebergärten oder Gärtnereien vor sich hin, sagt die Tierschützerin. Schafften es die Tiere, diesem Schicksal zu entgehen, fristeten sie oft ein Dasein, welches von Hunger und Krankheit geprägt ist.

Katzen vermehren sich bis zu dreimal im Jahr, wenn sie nicht kastriert sind. «Aus einem Tierpaar können nach 10 Jahren viele Millionen Tiere werden», so Geisser. Kastrationen seien deshalb das einzige Mittel, den Kreislauf des Elends zu durchbrechen und das Tierleid proaktiv zu verhindern. Sie fordert deshalb von Schweizer Politikern, aktiv zu werden in Sachen Kastrations- und Registrationspflicht, sowie einem Verbot der Populationskontrolle durch Tötung.

Neben der Kastration der Tiere bekommen die verwahrlosten Katzen auch eine medizinische Grundversorgung, die je nach Zustand des Tieres angepasst wird. Alle Katzen bleiben mindestens ein bis drei Tage nach dem Eingriff in der Obhut der Tierschützer.

Josef Zihlmann, der in Dietikon eine Tierarztpraxis leitet, kennt das Problem mit verwilderten Katzen: «Es gibt immer wieder Katzen, die von Zuhause weglaufen und nicht gechipt sind.» Anhand des Chips könnte man den Besitzer des Tieres ausfindig machen. Immer wieder komme es vor, dass ein solches Tier ohne Chip bei ihm gemeldet wird. Könne man den Besitzer der Katze nicht ausfindig machen, werde sie bei der schweizerischen Tiermeldezentrale und dem kantonalen Veterinäramt gemeldet. Danach wird ein neuer Besitzer für das Tier gesucht. «In meiner Praxis habe ich eine Liste mit Leuten, die sich ein Büsi wünschen», so Zihlmann.

Der Tierarzt schätzt die Arbeit von Geisser. «Es ist nicht selbstverständlich, dass jemand so viel Zeit aufwendet, um Katzen zu helfen», sagt er. Er kenne fast keine andere Tierschutzorganisation, die sich so sehr um das Wohlergehen von Katzen kümmere. Ihm sei nicht bewusst gewesen, wie gross das Problem der verwahrlosten Katzen wirklich sei.

Geisser hofft derweil auf die Unterstützung von weiteren freiwilligen Helfern: «Wenn die Menschen die Augen offenhalten, haben wir eine bessere Chance, das Leid in den Griff zu bekommen», sagt sie. Dank Tierärzten wie Josef Zihlmann könne man sagen, dass das Limmattal nicht zu den Hotspots des Katzenelendes gehört. Sie sei dennoch froh um jeden, der beim Einfangen der Katzen oder später beim Füttern verwilderten Tiere mithelfe.