Limmattal
Heftiger Wintereinbruch in der Region: Die Feuerwehrleute waren rund um die Uhr beschäftigt

Die starken Schneefälle im Limmattal bescherten Limmattaler Feuerwehren und den Winterdiensten einen Einsatz-­Rekord.

Lydia Lippuner
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Der grosse Schnee im Limmattal
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Besonders häufig brachen Äste ab.
Manchmal fielen aber auch ganze Bäume der Schneelast zum Opfer.
Auch in der Nacht auf Freitag waren die Feuerwehrleute ständig im Einsatz.
Die Engstringer Feuerwehr im Einsatz: Abgebrochene und verkeilte Äste die die Feuerwehrleute vom Boden her nicht erreichten, schnitten sie mit Hife der Drehleiter ab, um niemanden zu gefährden.

Der grosse Schnee im Limmattal

Limmattaler Zeitung

Die Limmattaler Feuerwehren und die Winterdienste waren in den vergangenen auf Trab. So bewältigte beispielsweise die Dietiker Feuerwehr von Donnerstagabend bis Freitagmittag rund 30 Einsätze. «Alle Aufgebote erreichten uns, weil Äste oder Bäume unter der Schneelast zusammenbrachen», sagt Stabsoffizier Roger Wiederkehr. Er habe schon lange nicht mehr so viel Einsätze in einer Nacht koordiniert. «Es war ein Rekord für uns», sagt er.

Insgesamt standen 33 Feuerwehrleute im Einsatz – ein gutes Drittel der Dietiker Feuerwehr. «Die Leute zeigten eine grosse Einsatzbereitschaft», so Wiederkehr. Trotzdem sei eine solche Nacht eine ziemliche Belastung für die Milizleute. Die Schäden hielten sich in Dietikon im Rahmen: einige Autos seien von heruntergefallenen Ästen getroffen worden, doch Menschen seien nicht verletzt worden. Wiederkehr rät der Bevölkerung aber dringend davon ab, in den Wald zu gehen. «Es ist sehr unberechenbar im Moment», sagt er. Da der Schnee so schwer und klebrig sei, können viele Bäume die Last nicht mehr tragen. So brächen auch gesunde Äste ab. Deshalb hat die Dietiker Feuerwehr an manchen Orten vorsichtshalber Äste abgesagt, die auf Trottoirs oder Strassen herunterfallen könnten.

Das Blaulicht verwandelte die Gegend in ein Märchenland

Ähnlich tönt es rechts der Limmat. Die Feuerwehr Engstringen wurde von Donnerstagabend bis Freitagnachmittag rund 40 mal wegen abgebrochenen Ästen und umgestürzten Bäumen gerufen. «Ein Ast stürzte sogar auf ein fahrendes Auto», sagt Michael Egli, der vor zwei Wochen das Kommando übernommen hat. «Am Anfang witzelten die Leute noch, dass mit mir als Kommandant ja ganz schön viel laufe. Doch nach dem zehnten Einsatzanruf wäre niemand böse gewesen, wenn es eine Pause gegeben hätte», sagt er. Um die Strassen offenzuhalten, waren jeweils drei Teams gleichzeitig mit einer Motorsäge unterwegs. Sie zerkleinerten die umgefallenen Bäume und legten die Stücke an den Strassenrand. Für Egli war es zudem eine besondere Herausforderung, in der Nacht trotz Lockdown an Essen zu kommen. «Wir hielten schliesslich durch und versorgten uns um 6 Uhr in einer Bäckerei mit Sandwiches.» Die anstrengende Nacht habe aber auch etwas Schönes gehabt: «Das Blaulicht verwandelte die verschneite Gegend in ein glitzerndes Wunderland», sagt Egli. Es habe fast wie in einem Skigebiet ausgesehen – bis man dann vor dem umgefallenen Baum gestanden sei.

Der Schnee staute sich im Schlieremer Zentrum

Um einen sicheren Verkehr zu ermöglichen, waren unter anderem die Räumungsfahrzeuge des Schlieremer Werkhofs seit Mittwochabend fast ununterbrochen unterwegs. «Seit 2006 habe ich keinen so starken Schneefall mehr erlebt. Um die ganze Arbeit zu bewältigen, brauchte der Baudienst auch tagsüber Verstärkung aus dem Abfuhrwesen- und dem Grünunterhaltteam», sagt André Thoma, Stellvertretender Leiter Werke, Versorgung und Anlagen. Die letzten Tage seien besonders herausfordernd gewesen, da die Schneepflüge den Schnee im Schlieremer Zentrum nicht mehr abtransportieren konnten. Das führte dazu, dass die Passanten an manchen Stellen aufgrund der hohen Schneemaden am Strassenrand nicht mehr durchkamen. «Wir verladen den Schnee nun auf LKWs und laden ihn bei der Sommerbeiz auf dem Kiesplatz wieder ab», sagt Thoma. Das sei eine präventive Massnahme, damit es trotz dem angekündeten Schneefall in den kommenden Tagen nicht zu einem Verkehrskollaps komme.

Die Zürcher Feuerwehr rückte rund 1000 mal aus

Kantonsweit gingen bei der Feuerwehrzentrale Zürich von Donnerstag- bis Freitagmorgen weit über 1000 Anrufe auf den Notrufnummern 118 und 144 ein. «Die verschiedenen Feuerwehren im Kanton Zürich mussten rund 1000 verschiedene Ereignisse bewältigen und waren stark gefordert, das gesamte Einsatzvolumen zu bewältigen», teilte Schutz und Rettung Zürich mit. Auch die Polizei wurde auf Trab gehalten: Im Zusammenhang mit den starken Schneefällen rückten die Patrouillen der Kantonspolizei Zürich sowie der Kommunalpolizeien seit Donnerstagmorgen über 650 Mal aus. Die Kantonspolizei berichtete, dass von Donnerstag- bis Freitagmorgen über 200 Verkehrsteilnehmer verunfallten. Dabei kam es vorwiegend zu Sachschäden. In 12 Fällen wurden Verkehrsteilnehmer verletzt.

Auch der öffentliche Verkehr wurden vom starken Schneefall in Mitleidenschaft gezogen. In der Stadt Zürich ging am Freitag beim Tram- und Busverkehr lange Zeit gar nichts mehr und auch im Limmattal lag der Busverkehr am Morgen brach. Die Üetlibergbahn fuhr ebenfalls nicht mehr. Da mehrere Bäume auf die Fahrleitung der Bahn fielen, bleibt die Strecke zwischen Triemli und Üetliberg bis mindestens Sonntagmittag unterbrochen.