Gewächshaus
Heftiger Temperaturunterschied führt zu Gewinneinbussen

Zuerst zu kalt und jetzt zu heiss: Der Frühling und seine hohen Temperaturunterschiede bereiten den Bauern im Limmattal Sorgen. Die schlecht wachsenden Pflanzen führen zu Gewinnverlusten.

Von Sarah Serafini
Drucken
Teilen
Nur einzelne rote Tomaten: Auch im Gewächshaus von Walter Leuzinger bekam das Gemüse zu wenig Sonne ab. Die Tomaten sind mit ihrer Reife rund drei Wochen im Verzug.

Nur einzelne rote Tomaten: Auch im Gewächshaus von Walter Leuzinger bekam das Gemüse zu wenig Sonne ab. Die Tomaten sind mit ihrer Reife rund drei Wochen im Verzug.

Limmattaler Zeitung

Dass die Temperatur innerhalb eines Monates um über zehn Grad stiegen, freut nicht alle. Zwar sind die Limmattaler Bauern froh, dass die ewig kaltfeuchten Wochen nun vorbei sind, trotzdem haben sie durch den wettertechnisch schlechten Frühling Verluste erleiden müssen. Walter Leuzinger, der in Oberengstringen Gemüse von seinem Ankenhof verkauft, schätzt, dass er im Vergleich zum vergangenen Jahr 20 Prozent Einbussen hat. Erst Mitte April konnte er die ersten Pflanzen ausserhalb des Gewächshauses setzen. Normalerweise beginne er einen Monat früher. Und dass jetzt die Temperaturen dermassen in die Höhe schnellen, sei auch nicht gerade förderlich, meint Leuzinger.

Boden war ständig feucht

«So etwas wie dieses Jahr, habe ich noch nie erlebt», meint Leuzinger. Einerseits sei der Boden im Winter kein einziges Mal gefroren gewesen und dann habe es so lange und oft geregnet, dass der Boden ständig feucht blieb. «Pflanzen sind faul», sagt Leuzinger und lacht. «Sie machen nicht Wurzeln auf Vorrat. Hat es genug Wasser, so wachsen die Wurzeln nicht.» Und das sei besorgniserregend. Denn gerade jetzt, wo die Temperaturen dermassen ansteigen, brauchten die Pflanzen Wasser. Nur könnten sie dieses schlecht aufnehmen. «Da ist Fingerspitzengefühl gefragt», so Leuzinger.

Praktisch das ganze Gemüse hinkt der Saison rund drei Wochen hinterher. Leuzinger ist froh, dass nun die Tomaten endlich wachsen. «Und auch die Zucchetti machen langsam Fortschritte.» Nun hofft er, dass auch der Brokkoli und der Blumenkohl zu wachsen beginnen.

Bis zu 70 Prozent Einbussen

Beim Obstbauern Kurt Bräm in Dietikon sieht die Situation ähnlich aus. Es habe dieses Jahr Bäume, die von der Schorf- und Mehltau-Pilzkrankheit befallen seien. Deren Ursache sei auf die ständige Feuchtigkeit zurückzuführen. Bei der Kirschernte rechnet Bräm mit Einbussen von 40 bis 50 Prozent. Die Bienen konnten wegen der schlechten Witterung nicht fliegen, als die Kirschblüten zur Bestäubung bereit waren. «Mit diesem Problem sind wir nicht allein. Es ist möglich, dass es dieses Jahr weniger und teurere Kirschen geben wird», so Bräm. Dass es jedes Jahr irgendwo Einbussen gebe, damit rechne er immer. Letztes Jahr sei es bei den Zwetschgen gewesen.

Was die Bauern nun am meisten fürchten, sind heftige Sommergewitter. «Vor allem vor einem Hagelschaden haben wir Angst», meint Bräm. Auch Leuzinger sagt, dass die kleinen Pflänzlein noch zu sensibel seien, um einem Gewitter standzuhalten.

Aktuelle Nachrichten