Dietikon
«Heavy X Mas Festival»: Härter die Gitarren nie klingen

Über tausend Metal-Heads feierten am Freitagabend in Dietikon mit ihren musikalischen Szenegrössen die Vorweihnachtszeit. Ein etwas anderes Adventsfest, das auf das Zusammensein unter Gleichgesinnten setzte.

Anina Gepp
Merken
Drucken
Teilen
Heavy-X-Mas-Metal-Festival in der Stadthalle Dietikon: Der Gitarrist der Thrash-Metal-Gruppe Death Angel gibt alles. Foto: Emanuel Per Freudiger

Heavy-X-Mas-Metal-Festival in der Stadthalle Dietikon: Der Gitarrist der Thrash-Metal-Gruppe Death Angel gibt alles. Foto: Emanuel Per Freudiger

Metal-Fans haben eine ganz andere Vorstellung von Vorweihnachtszeit. Lichterketten, die über den Strassen funkeln oder geschmückte Tannenbäume gehören definitiv nicht dazu.

Viel mehr beginnt mit Anbruch des Winters für sie die Zeit der Heavy-Metal-Festivals: die wichtigste Plattform zum Meinungsaustausch innerhalb der Szene.

Bandshirts und Nieten-Gürtel

Dieses Jahr machten Metal-Band-Grössen aus der Schweiz, Deutschland, Schweden, Amerika und den Niederlanden das erste Mal Halt in Dietikon. Die Stadthalle bekam am Freitagabend Besuch von über tausend Metal-Heads, die gemeinsam unter dem Motto «Heavy X-mas» feierten. «Dietikon wurde ausgewählt, weil die Halle die richtige Kapazität hat und zum besagten Datum frei war», so der Veranstalter.

Für die metallische Bescherung in Dietikon haben sich die Besucher rausgeputzt. Obwohl schwarz die dominierende Farbe des Abends war, schafften es einige skurrile Köpfe aus der Masse herauszustechen. Durch T-Shirts mit Schriftzug oder Symbolik einer Band als Aufdruck, zeigten die Metal-Heads ihre subkulturelle Zugehörigkeit.

Aber auch Jeans- oder Lederwesten, auf denen die Metal-Fans ihre Aufnäher anbringen, waren ein gern gesehenes Kleidungsstück des Abends. Einige alte Rocker trugen auch bodenlange Ledermäntel und liessen ihre mittlerweile graue Haarpracht lässig darüber fallen.

Jessi Cavallar, 21, Busslingen «Ich wohne in der Nähe und kenne den Gitarristen der Band Crown of Glory persönlich. Er hat mich gefragt, ob ich zum Festival komme. Ich bin schon seit 8 Jahren in der Szene und immer ist es friedlich und gemütlich. Man kennt einfach immer jemanden. Mir gefällt in Dietikon, dass die Musikstile breit gefächert sind, es stimmt daher alles.»
5 Bilder
Günter Sahr, 54, Zürich «Ich bin aufgrund des Radiosenders Rockstation hier, den wir 2005 gegründet haben. Wir sind an Metal-Festivals oft mit einem Stand vertreten. Wenn man einmal von der Musik des Metals infiziert wurde, bringt man es nicht mehr los. Ich habe auch selbst lange Musik gemacht, daher bin ich so begeistert.»
Pascal Schleiss, 23, Weiningen TG «Ich bin vor allem aufgrund der Band Sabaton hier. Ich habe die Jungs zwar schon Dutzende Male gesehen, finde sie aber immer noch toll. An Festivals lernt man auch immer wieder Leute kennen. Ich habe für diesen Abend nicht einmal abgemacht, habe aber dennoch schon viele bekannte Leute wieder getroffen.»
Carmen Bolliger, 19, Bassersdorf «Ich bin hauptsächlich aufgrund der Band Sabaton hier, aber auch die anderen Bands sind super. Mir gefällt an Heavy-Metal der Rhythmus der Musik, da er Power mit sich bringt. Auch die Stimmung in der Szene ist jedes Mal der Hammer. Auch wenn man niemanden kennt, kommt man sofort ins Gespräch.»
MIchael dos Santos, 19, Bülach «Heavy-Metal-Festivals sind schon fast eine Art Hobby für mich. Solche Events sind mehr als einfach nur ein Konzert. Man hat jedes Mal auch die Gelegenheit, die Musiker persönlich kennen zu lernen.»

Jessi Cavallar, 21, Busslingen «Ich wohne in der Nähe und kenne den Gitarristen der Band Crown of Glory persönlich. Er hat mich gefragt, ob ich zum Festival komme. Ich bin schon seit 8 Jahren in der Szene und immer ist es friedlich und gemütlich. Man kennt einfach immer jemanden. Mir gefällt in Dietikon, dass die Musikstile breit gefächert sind, es stimmt daher alles.»

Emanuel Freudiger

Haar-Parade

So viel Haar ist wohl nur an Metal-Festivals anzutreffen. Viele Männer trugen ihre hüftlange Mähne zum Rossschwanz gebunden oder wild zerzaust. Und wenn das Haar auf dem Kopf kürzer ausfiel oder schon ausging, so wurde das Barthaar herangezüchtet und zu einem langen Zopf geflochten.

Die Frauen hingegen trauten sich, einen Teil ihrer Haare abzurasieren und die verbliebenen zusammenzubinden. Andere wiederum trugen ausgefallene Kurzhaarfrisuren.

Von Hardrock bis zu Grind Core gab es auf den beiden Bühnen in der Stadthalle alles zu hören. Wo an anderen Festivals das Applaudieren und Pfeifen Ausdruck der Begeisterung ist, rissen die Metal-Heads nach jedem Lied gemeinsam die Metal-Hand, auch genannt «Devil Horns» in die Höhe.

Obwohl die Musik ohrenbetäubend laut und so mancher Text nicht jugendfrei war – die Stimmung unter den Besuchern war friedlich und heiter. Das Zusammensein unter Gleichgesinnten stand für die meisten Besucher an oberster Stelle.