Im Haus an der Neumattstrasse leben seit mehr als zwanzig Jahren Jugendliche, die in einer schwierigen Lebenssituation stecken. Bis zum Abschluss ihrer Erstausbildung finden sie hier ein neues Zuhause. Die Stiftung Jugend und Wohnen, die das zentral gelegene Haus früher gemietet hatte und im vergangenen Jahr von der Stadt Dietikon erwerben konnte, hat das Gebäude nun umfassend saniert. Morgen findet eine feierliche Einweihung im kleinen Rahmen statt.

«Der Aufenthaltsraum im Keller ist gemütlicher als vorher», sagt eine junge Frau, die im Haus wohnt. Vorher hätten Trocknungslüfter und Leinen mit aufgehängten Kleidern die Atmosphäre gestört. Jetzt stehen der Töggelikasten und das Sofa in einem Raum, der aufgrund der neuen Fenstertüre in den Garten vom Sonnenlicht durchflutet ist. Die Holzböden und warme Farbtöne prägen das Innere des Hauses. «Jetzt haben wir einen einheitlichen Stil im ganzen Haus», sagt der Walter Fischer, Leiter der Wohngruppe.

Das Holz verleiht dem Esszimmer eine warme Atmosphäre.

  

Neubau war nicht möglich

Im Rahmen der Sanierung wurden sowohl die Aussenhülle isoliert als auch die elektrischen und sanitären Installationen erneuert. «Ein Neubau war wegen baurechtlicher Vorgaben nicht möglich», sagt Fischer. Ebenso wurde das Haus mit einem Lift behindertengerecht gemacht, so wie es der Kanton bei öffentlichen Gebäuden vorschreibt. Zusätzlich wurde ein Raum im Keller zu einem Zimmer ausgebaut, sodass die Wohngruppe nun einen Platz mehr anbieten kann. «Wir haben viele Anfragen und können das neue Zimmer gut gebrauchen», sagt Fischer.

Der Kauf und die anschliessende Sanierung ermöglichen es der Stiftung Jugend und Wohnen, ihr Angebot auf sichere Beine zu stellen. «Das haben wir uns seit vielen Jahren gewünscht», sagt Carol Hofer, Präsidentin des Stiftungsrats. Der Betrieb sei nun für die kommenden dreissig Jahre gesichert. «Den Jugendlichen, die auf ein stabiles Umfeld angewiesen sind, können wir ohne die Gefahr einer Kündigung ein Zuhause bieten», sagt sie.

Spendengelder reichten nicht

Die Kosten für den Hauskauf und die Sanierung belaufen sich auf rund 1,6 Millionen Franken. Für den Hauptteil der Finanzierung ist die Stiftung deshalb auf Spendengelder angewiesen. «Wir haben Spenden zwischen 200 und 200 000 Franken erhalten, bis jetzt insgesamt 660 000 Franken», sagt Hofer. Zu den Spendern zählten hauptsächlich Stiftungen und Privatpersonen, von denen jedoch nur Vereinzelte in der Region ansässig sind. Einige Betriebe hätten zudem bei den Bauarbeiten bestimmte Arbeiten erlassen. Mit rund 660 000 Franken haben auch Bund und Kanton ihren Beitrag geleistet. «Die verbleibenden Kosten möchten wir in den kommenden Jahren mit Spenden abtragen», sagt Hofer weiter.

Die drei Sozialpädagogen, die für die Betreuung der Jugendlichen zuständig sind, sind unter der Woche vom frühen Nachmittag bis zum späten Abend anwesend. Im Notfall sind sie rund um die Uhr erreichbar. Durch die häufige Präsenz der Fachpersonen können die Jugendlichen regelmässig an ihren persönlichen Zielen arbeiten. «Ihre Probleme sind vielschichtig und haben sich in den vergangenen Jahren nicht gross geändert», sagt Fischer, der seit Beginn im Haus Dietikon tätig ist. Es gehe meist um Familie, Beziehungen, Gesundheit und Ausbildung.

Im Keller des Hauses konnte ein zusätzliches Zimmer geschaffen werden.

   

Guter Umgang ist üblich

Das Haus Dietikon wird zusammen mit einem weiteren Haus in Schlieren von der Organisation Jugendwohngruppen Limmattal betrieben. Bei den Prüfungen, die vom Bundesamt für Justiz und dem Kanton Zürich regelmässig durchgeführt werden, erhält die Institution immer wieder Bestnoten. Den Erfolg zeigen auch die Jugendlichen selbst. «Meist schliessen sie die Lehre erfolgreich ab», sagt Fischer. Das ist eines der Ziele des Aufenthalts in der Wohngruppe.

Das zweite Ziel ist die soziale und wirtschaftliche Selbständigkeit. Darauf werden die Jugendlichen mit verschiedenen Aktivitäten vorbereitet. Jeden Montag und Donnerstag zum Beispiel bereiten sie gemeinsam ein Abendessen zu. Das ermöglicht ihnen, sich untereinander auszutauschen. «Wir pflegen einen guten Umgang miteinander», sagt die junge Bewohnerin. Regeln wie die Besuchsliste oder der Ämtliplan funktionierten gut. Das bestätigt auch Fischer und ergänzt: «Die Jugendlichen unterstützen sich gegenseitig und schätzen die gemütliche Einrichtung.»

Mit den ehemaligen Bewohnern hat Fischer hin und wieder Kontakt. «Sie berichten mir stolz, was aus ihnen geworden ist», sagt er. Auch zu den Einweihungsfeierlichkeiten erwartet er einige Ehemalige, die sehen möchten, wie das Einfamilienhaus mit der familiären Atmosphäre frisch renoviert aussieht.