Sozialhilfequote

Hausbesuche und Kontrollen wirken: Dietikon senkt Sozialhilfekosten

Hausbesuche erhalten in einigen Gemeinden all jene Einwohner, die sich für die Sozialhilfe anmelden. (Symbolbild)

Hausbesuche erhalten in einigen Gemeinden all jene Einwohner, die sich für die Sozialhilfe anmelden. (Symbolbild)

Die Sozialhilfequote bleibt in der Stadt Dietikon zwar hoch - doch entgegen des kantonalen Trends ist sie im Jahr 2015 von 7 auf 6,4 Prozent gesunken. Im letzten Jahr betreute die Sozialabteilung 50 laufende Fälle weniger als noch im Jahr zuvor. Der Ressortvorsteher erklärt die Gründe dafür.

Die Stadt Dietikon freut sich: Die Sozialhilfequote ist im Jahr 2015 von 7 auf 6,4 Prozent gesunken. Oder in absoluten Zahlen: von 844 laufenden Fällen im Jahr 2014 auf 794 laufende Fälle. Vor allem Änderungen in der Betreuungsstruktur und organisatorische Neuerungen hätten dazu geführt, teilte die Stadt gestern mit.

Die Senkung der Sozialhilfequote unterliege keinem allgemeinen Trend, betont die Sozialabteilung in ihrer Mitteilung. Tatsächlich zeigt die Sozialhilfestatistik des Bundes, dass die Quote im Kanton Zürich unverändert bei 3,2 Prozent liegt.


Dietikon ist in Bezug auf die Sozialhilfequote schon länger der einsame Spitzenreiter im Kanton. Die gesammelten Sozialhilfequoten für die einzelnen Zürcher Gemeinden liegen für das Jahr 2015 zwar noch nicht vor. Wie ein Mitarbeiter des Statistischen Amts des Kantons Zürich gestern auf Anfrage sagte, werden diese erst Ende Monat veröffentlicht.

Im Jahr 2014 jedoch lag Dietikon mit einer Sozialhilfequote von 7,0 Prozent deutlich über allen anderen Gemeinden: Opfikon wies auf dem zweiten Platz eine Quote von 5,8 Prozent auf, gefolgt von Oberengstringen und Embrach mit 5,3 Prozent. Man kann also davon ausgehen, dass Dietikon auch 2015 noch an der Spitze der Statistik liegt.


Dennoch ist die Entwicklung aus Sicht der Stadt erfreulich: Sie gab im letzten Jahr mit 26,5 Millionen Franken 2,2 Millionen weniger aus als noch im Jahr zuvor. Und: So tief wie im letzten Jahr war die Sozialhilfequote seit vielen Jahren nicht mehr.

Noch im Jahr 2008 betrug sie 7,8 Prozent, 2010 war sie auf 7,5 Prozent gesunken und seit 2012 verharrte sie konstant bei 7,0 Prozent. Dass sie nun deutlich gesunken ist, führt Roger Bachmann (SVP), Vorsteher der Sozialabteilung, unter anderem darauf zurück, dass die Fälle «enger geführt werden», wie er sagt. Möglich ist das, weil die einfacheren Fälle neu durch kaufmännisches Personal erledigt werden, damit das spezialisierte Personal in der Sozialhilfeabteilung mehr Zeit für die anspruchsvolleren Fälle hat. So sehe man die Leute öfter und könne auch genauer hinschauen, so Bachmann.


Noch wichtiger: Arbeitsintegration


Seit Mitte 2015 wird zudem systematisch bei allen Neuanmeldungen ein angekündigter Hausbesuch durchgeführt. Bachmann betont jedoch, dass es dabei nicht nur darum gehe, möglichen Sozialhilfemissbrauch aufzudecken. Es käme oft vor, dass Sozialhilfebeziehende aus Scham ihre Lebensumstände verheimlichten.

Wenn man mit den betroffenen Personen vor Ort spreche, bekomme man ein besseres Gefühl für ihre Probleme und könne besser intervenieren. Das führe im Idealfall dazu, dass jemand den Ausstieg aus der Sozialhilfe schaffe.


Noch wichtiger ist aus Sicht von Bachmann aber die Neuorganisation der Arbeitsintegration. Seit etwa einem Jahr klärt eine neue Fachstelle die Eignung der Sozialhilfebeziehenden für den ersten oder zweiten Arbeitsmarkt ab und hilft mit entsprechenden Massnahmen.

«Es gibt mehr Unterstützung, aber auch Kürzungen, wenn jemand nicht kooperiert», so Bachmann. Dabei gehe es nicht darum, jemanden möglichst schnell zu vermitteln, sondern eine nachhaltige Lösung zu finden: «Es nützt uns nichts, wenn jemand zwei Monate später wieder auf der Matte steht und wir die Arbeitgeber verärgern.» Das scheint aufzugehen: Bereits seien erste Erfolgsgeschichten zu verzeichnen, sagt Bachmann. 

Autorin

Bettina Hamilton-Irvine

Bettina Hamilton-Irvine

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