Gefängnisausbruch Limmattal
Hassan Kikos Bruder sagt: «Er ist nicht so einer, der Frauen ausnutzt»

Er hat seinen Bruder seit über einem Jahr nicht mehr gesehen, doch er glaubt diesem, wenn der sagt: «Ich liebe Angela und ich bin ein Justizopfer.» Die Mutter weiss von nichts.

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Hassan Kiko

Hassan Kiko

Er hat die Videobotschaft seines Bruders Hassan Kiko aus dessen italienischem Versteck heraus gesehen.

Dort gesteht Hassan seine Liebe zur Gefängniswärterin Angela Magdici, die ihn in der Nacht auf den 9.Februar aus dem Gefängnis Limmattal befreit hatte.

Seither waren sie auf der Flucht gewesen, bis sie am vergangenen Freitag verhaftet wurden und nun der Auslieferung an die Schweiz harren.

"Hassan ist keiner, der Frauen ausnutzt", so der ältere Bruder gegenüber «20 Minuten».

Und er glaubt auch, dass Hassan ein Justizopfer ist, der die Vergewaltigung einer 15-Jährigen gar nicht begangen hat, wofür er im Gefängnis Limmattal einsass.

Magdici im Talk Täglich, 23.Mai 2016 Angela Magdici mit ihrem Verteidiger Urs Huber und Moderator Markus Gilli.
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Angela M. und Hassan K. - was bisher passierte In der Nacht auf Dienstag, 9. Februar, verhalf die Gefängniswärterin Angela M. (32) dem Häftling Hassan K. (27) zur Flucht aus dem Gefängnis Limmattal in Dietikon.
Sie schloss die Türen auf, während ihr Kollege auf Nachtschicht schlief. Und: Bald ist klar, dass Angela M. und Hassan K. ein Liebespaar sind.
Hassan K. kam 2010 in die Schweiz. Er wurde vom Bezirksgericht Dietikon wegen Vergewaltigung einer knapp 16-Jährigen zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig, weil er es an das Zürcher Obergericht weiterzieht.
Angela M. ist in Wohlen AG aufgewachsen, trainierte dort Kickboxen. Vor der Flucht lebte sie seit drei Monaten von ihrem Mann getrennt, den sie 2014 geheiratet hatte.
Nach ihrer Flucht wurde bekannt, dass sie mit einem Auto über die Grenze zu Italien geflüchtet waren. Es handelte sich um einen schwarzen BMW X1 mit dem Kennzeichen ZH 528 411.
Am 21. März tauchte eine Video-Botschaft vom M. und K. auf: Die ehemalige Gefängniswärterin entschuldigte sich darin bei ihrer Familie und beteuerte, Kiko sei «der Mann ihres Lebens».
Gott habe sie für seine Flucht gesandt: So äusserte sich Hassan K. im Video über Angela M. Er beteuerte, er sei zu unrecht verurteilt worden und beklagte sich über die Haftumstände.
Gefängnispaar: Hat es das Video verraten? Wochenlang fahndeten die Behörden nach Angela Magdici und Hassan Kiko. Dann veröffentlichen diese eine Videobotschaft – und gaben der Polizei damit entscheidende Hinweise.
In der Nacht auf Karfreitag, 25. März, klickten die Handschellen: Sie und er waren im Bett, als nachts um 3 Uhr Polizisten die Wohnung stürmten. Die Wohnung befand sich in einem Hochhaus in Romano di Lombardia (I), rund 100 Kilometer von der Schweizer Grenze und 60 Kilometer östlich von Mailand entfernt. Angela M. wehrte sich so sehr, dass vier Beamte nötig waren, um sie zu überwältigen.
Seither sitzen sie in einem italienischen Gefängnis. Gemäss ihres Anwalts haben sie ihrer Auslieferung in die Schweiz zugestimmt.
Nach 66 Tagen war Angela M. am Donnerstag, 14. April 2016, zurück in der Schweiz. Bis zur Urteilsverkündung sass sie in Untersuchungshaft. In Chiasso übernahmen Schweizer Polizisten Angela M.

Magdici im Talk Täglich, 23.Mai 2016 Angela Magdici mit ihrem Verteidiger Urs Huber und Moderator Markus Gilli.

Screenshot Tele Züri

Der ältere Bruder von Ausbrecher Kiko lebt gemäss 20 Minuten seit 13 Jahren in der Schweiz.

Hassan wollte aber nach der Verurteilung angeblich keinen Kontakt mit ihm. Das liess er den Bruder aus dem Gefängnis heraus wissen. Vom Ausbruch habe er über die Medien erfahren.

Die Mutter der beiden kennt offenbar den wahren Grund für den Gefängnisaufenthalt von Hassan nicht. Die Kinder der Syrerin, insgesamt 13, hätten ihr eine andere Geschicht erzählt.

Hassan habe die Fahrprüfung nicht bestanden und den Experten geschlagen. Die Mutter sei enttäuscht von Hassan, so der Bruder gegenüber 20 Minuten.

Nun werde die kranke Mutter von den Nachrichten ferngehalten, damit sie nicht erfährt, was wirklich geschah. Sie solle nicht an diesem Schmerz sterben, so Hassan Kikos Bruder. (jk)