Fall Carlos
Hartes Regime: Carlos muss 23 Stunden im Zimmer bleiben

Die Situation des Straftäters Carlos hat sich dramatisch zugespitzt, seit er im Massnahmenzentrum Uitikon (MZU) steckt: An vier Tagen pro Woche kann der 18-Jährige während 23 Stunden täglich seine Zelle nicht verlassen.

Merken
Drucken
Teilen
Carlos beim Kampfsporttraining, als er noch mit dem Sondersetting lebte

Carlos beim Kampfsporttraining, als er noch mit dem Sondersetting lebte

Screenshot SRF

Am Montag Dienstag, Donnerstag und Freitag kann Carlos seine Zelle genau für eine Stunde verlassen. Schule hat er nur noch rund zehn Stunden wöchentlich, angeboten von einer internen Lehrperson.

Es handelt sich dabei um eine Disziplinarmassnahme, welche die Leitung verfügt hat, weil sich der mittlerweile landesweit bekannte Jugendliche den ihm angebotenen Förderungsmassnahmen verweigert, wie die «Sonntagszeitung» schreibt.

Hinter den Mauern des MZU ist offenbar ein Streit um Carlos' Schulstunden entbrannt: Die Institutsleitung verlangt von ihm, dass er eine Werklehre macht und sich in das Programm eingliedert. In diesem Rahmen hätte er eine Möglichkeit, individuell angepassten Schulunterricht zu geniessen.

Der Insasse drängt hingegen auf mindestens drei Halbtage Einzelunterricht sowie zwei Halbtage Aufgaben mit persönlicher Unterstützung. Carlos' Ziel: Er will raschmöglichst einen Schulabschluss machen, um beruflich in das Fitness- und Sportmetier einzusteigen. Innerhalb von zwei Jahren wolle er seinen Abschluss haben.

Der Leitung des MZU sind allerdings die Hände gebunden: Das strikte Regime hat sich im Umgang mit den rund 30 schwer erziehbaren Jugendlichen bewährt. Die drei Grundprinzipien des Massnahmenzentrums sind Sozialpädagogik, Ausbildung und deliktorientierte Therapie. Auf einen Kuhhandel mit einem ¬jungen Mann, den ihr die Oberjugendanwaltschaft per Handstreich aufs Auge drückte, kann die Führung des MZU nur beschränkt eingehen.

 «Carlos» wurde 2013 bekannt, als er im Rahmen der SRF-Fernsehsendung «Der Jugendanwalt» vorgestellt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war er ein 17-jähriger Straftäter, der 34 Mal wegen verschiedener Delikte verurteilt worden war.
9 Bilder
 Der Fall schlug hohe Wellen, weil der gewalttätige Jugendliche den Staat im Rahmen eines Resozialisierungsprogramms für schwer erziehbare Jugendliche 29'200 Franken im Monat kostete.
 In diesem Kampfsport-Zentrum in Reinach genoss "Carlos" fast täglich Thaibox-Unterricht.
 Die erste Medienkonferenz zum Fall «Carlos» 2013. Justizdirektor Martin Graf (rechts) spricht sich gegen «Luxus und Nice-To-Haves» in einem Sondersetting aus. Er stuft die Kosten als zu hoch ein. 2014 wird das Sondersetting von «Carlos» angepasst. Statt monatlich 29'000 Franken sollen sich die Kosten neu auf 19'000 Franken belaufen.
 Gerichtszeichnung von Linda Graedel.
 Nur 21 Tage, nachdem «Carlos» aus dem Gefängnis entlassen wurde, sitzt er am 1. April 2016 wieder in U-Haft. Er hatte mit einem Faustschlag einen Mann aus einem Tram katapultiert.
 Das Bezirksgericht Zürich verurteilt «Carlos» im März 2017 zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren wegen versuchter schwerer Körperverletzung. Gerichtszeichnung von Linda Graedel. Anschliessend an die Freiheitsstrafe beantragte die Staatsanwaltschaft eine Untersuchungshaft.
Das Bundesgericht hat in einem am Donnerstag publizierten Urteil bestätigt, dass bei dem jungen Mann von Wiederholungsgefahr ausgegangen werden darf: "Carlos" wird nach Verbüssung der Freiheitsstrafe in Untersuchungshaft genommen.

«Carlos» wurde 2013 bekannt, als er im Rahmen der SRF-Fernsehsendung «Der Jugendanwalt» vorgestellt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war er ein 17-jähriger Straftäter, der 34 Mal wegen verschiedener Delikte verurteilt worden war.

Keystone