Wenn Thomas Mosimann am kommenden Samstag den Musikverein Harmonie Schlieren mit einem letzten Schwung seines Taktstabs zum Verstummen bringt, könnte es emotional werden. Doch vorher nicht, sagt der Dirigent. Schliesslich wolle er bis zum Schluss konzentriert zu Werke gehen. «Das Konzert soll der Hammer werden», hat sich Mosimann vorgenommen.

«Ich bekam alles vom Orchester»

1999 übernahm er das Schlieremer Blasorchester als junger Dirigent, nachdem er vier Jahre selbst darin musiziert hatte. Er sei immer der Meinung gewesen, man solle ein solches Amt nicht zu lange bekleiden, nicht bleiben, bis man hinausgedrängt wird. «Man gewöhnt sich aneinander und wird bequem», sagt er über die Gefahren.

14 Jahre sind es dennoch geworden. Diese lange Zeit hat Mosimann viele enge Freundschaften gebracht. Auch ihnen zuliebe möchte er nun einen Schlussstrich ziehen. «Ich bekam vom Orchester alles, was ein Dirigent kriegen kann», schwärmt Mosimann. Er gab zurück, was er konnte.

«Ich bin ein sehr emotionaler Dirigent und wollte den Stücken stets eine Aussage entlocken», sagt Mosimann über sich selbst. Eine Ausbildung zum Taktgeber hat er nie gemacht, seine Schlagfiguren formte er aus dem Gefühl heraus. Sowieso sei Gefühl wichtig für den Job, sagt Mosimann. Ein Dirigent müsse die Verfassung des Orchesters erfühlen und seine Führung darauf anpassen.

In seiner Ära gestaltete Mosimann die alljährlichen Vereinskonzerte, fuhr mit dem Verein an kantonale und eidgenössische Musikfeste und stellte Musikunterhaltungen auf die Beine. «Highlights gab es viele», sagt er. Warme Erinnerungen an Kinderkonzerte, ein Orgelkonzert in der Zürcher St.-Peters-Kirche, aber auch an ein Gemeinschaftskonzert mit dem Männerchor werden ihm bleiben.

Mit letzterem erfüllte sich ein lange gehegter Wunsch des Dirigenten. Ein immer wiederkehrender Höhepunkt war für Mosimann das alljährliche Mitlaufen am Sechseläutenumzug in Zürich; seit über 40 Jahren ist das Schlieremer Blasorchester Zunftmusik der Zunft zum Widder. Er erinnert sich: «Auf solche prestigeträchtigen Anlässe bereiteten wir uns immer besonders minuziös vor.»

Stabübergabe in ruhigem Gewässer

Die Stimmung im Orchester wie auch in der Führungsetage des Vereins habe er immer als gut und harmonisch empfunden, sagt Mosimann. Wesentlich dazu beigetragen hätten Konzertreisen nach Düsseldorf, ans Münchner Oktoberfest und in das Piemont ebenso wie die traditionellen Skiweekends.

«Solche Ausflüge stärken das Vereinsgefühl», ist Mosimann überzeugt. Und er prophezeit dem Verein eine goldene Zukunft. Die Stadtmusik Schlieren bringe kontinuierlich talentierte Nachwuchsmusiker hervor. Auch deshalb sei die Altersstruktur des Orchesters ausgewogen, so der scheidende Dirigent.

Mosimann verlässt kein sinkendes Schiff; die Stabübergabe an Nachfolger Tobias Zwyer erfolgt in ruhigem Gewässer. Dieser wird die musikalische Leitung per 2013 übernehmen.

Thomas Mosimann will sich in Zukunft mehr Zeit für die Familie nehmen und selber wieder vermehrt musizieren. Insbesondere Brass-Projekte möchte der ausgebildete Posaunist, Euphonist und Tubist in Angriff nehmen. Auch dirigieren will er dereinst wieder. Doch am Wochenende schwingt er für den Musikverein Harmonie Schlieren vorerst zum letzten Mal den Stab.