16 Prozent der Schweizer besitzen ein Fitnessabo. Dies geht aus dem Bericht «Sport Schweiz 2014» des Bundesamts für Sport hervor. Doch längst nicht alle von ihnen besuchen den Fitnesstempel tatsächlich regelmässig. Schnell einmal fehlt die Motivation, in stickiger Luft mit vielen anderen schwitzenden Menschen auf engem Raum Sport zu betreiben.

Oder man fühlt sich schlichtweg unwohl dabei, sich in grossen Glasfronten vor den Augen der Passanten auf dem Laufband abzustrampeln.

Der diplomierte Ernährungsberater und Personaltrainer Adrian Kraft bietet deshalb seit Beginn dieses Jahres eine Trainingsmöglichkeit der etwas anderen Art an. Wo in herkömmlichen Fitnessstudios Trainingsgerät an Trainingsgerät gereiht wird, sind in Krafts Räumlichkeiten Traktorreifen, Seile, Gym-Schlitten aus Eisen und Medizinbälle vorzufinden.

Versteckt im fensterlosen Keller eines unscheinbaren Hauses an der Zürcherstrasse in Schlieren trainiert der 24-Jährige seine Kunden in seinem Underground-Fitnessclub «KraftFit».

Muskelpumper nicht erwünscht

Fussballspieler, Geschäftsmänner oder Hausfrauen: Die verschiedensten Menschen kommen aus unterschiedlichen Gründen zu ihm ins Training. Eines ist Kraft jedoch bei allen Teilnehmenden gleich wichtig. «Ich möchte, dass jeder weiss, weshalb er trainiert, und lernt, seinen Körper ein Stück weit zu verstehen», sagt er.

Es gehe beim Fitness nicht unbedingt nur darum, abzunehmen oder Muskeln aufzubauen. Das Wichtigste sei, vorbereitet zu sein für das Alter und schon frühzeitig gewissen Krankheiten durch regelmässigen Sport vorbeugen zu können.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Rückenschmerzen, Krebs und Diabetes seien heute weltweit die Todesursache Nummer eins. Ihre Zunahme ist laut Bundesamt für Gesundheit hauptsächlich auf Faktoren wie Bewegungsmangel und ungesunde Ernährung zurückzuführen. «Wem es nur darum geht, in möglichst kurzer Zeit mit gewissen Mitteln viele Muskeln aufzupumpen, ist bei mir falsch», so Kraft.

Inspiriert durch Bootcamps

Die meisten seiner Kunden seien zu Beginn skeptisch, erklärt Kraft. Weshalb sie Traktorreifen ziehen oder Seile schwingen sollen, anstatt den Crosstrainer zu benützen oder sich an Geräten zu verausgaben, verstehen sie erst nach und nach.

Der Körper arbeite funktionell, erklärt ihnen der junge Trainer dann jeweils. Das heisse, dass es wichtig ist, gleichzeitig mehrere Gelenke und Muskelgruppen zu beanspruchen, da man dies im Alltag ebenfalls tut. Dieses Ziel könne gerade mit Hilfsmitteln wie Reifen, Seilen oder funktionellen Kraftübungen gut erreicht werden.

Entwickelt hat er das Konzept nicht selbst. «Die Idee kommt ursprünglich aus Amerika und sogenannten Bootcamps», so Kraft. Diese sind extrem anstrengend, finden draussen statt und werden militärisch geführt. Der Umgangston in seinen Trainings sei jedoch weniger rau, versichert er. Viel mehr versuche er, die Gruppe auf positive Weise anzuspornen und zu motivieren.

Maximal zehn Personen trainieren in Schlieren gleichzeitig. Bei mehr Teilnehmern könne er nicht mehr gewährleisten, dass jeder die Übungen korrekt ausführe. Weil er nur kleine Gruppen trainiere, könne er auf jeden Einzelnen eingehen.

«Bei mir ist jeder Kunde in erster Linie Mensch und keine Nummer», sagt er. Dadurch will er sich von der breiten Masse abheben. Das Konzept des Schlieremers scheint bisher gut anzukommen: Die Nachfrage ist so gross, dass er schon im März auch Trainings in Zürich anbieten wird.