Dietikon
Hanspeter Müller-Drossaart tischte sein «Menu 3» auf

In seinem Soloprogramm «Menu 3» schlüpft der aus Film und Fernsehen bekannte Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart in die Rolle des langjährigen Oberkellners Hansueli Schlussmann, der in einer tiefen Identitätskrise steckt.

Christian Murer
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Improvisierter Indianer
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Das neue Programm heisst «Menu 3»
Als frustrierter Oberkellner Hanspeter Müller-Drossaart
Hanspeter Müller-Drossaart zeigt sein «Menu 3»
Abwechslungsreiche Situationskomik
Stets gesellschaftskritisch

Improvisierter Indianer

Christian Murer

Im reformierten Kirchgemeindesaal präsentierte das Multitalent sein drittes Soloprogramm: «Ja, das war für mich ein Heimspiel mit einem fantastischen Publikum.» Und Daphne Müller, die bereits an der Premiere im Winterthurer Casinotheater dabei war, sagte: «Ich finde das neuste Programm von meinem Papa voll cool.»

Ausrangierter Garçon

Der Oberkellner Hansueli Schlussmann weiss nach 35 Jahren nicht mehr genau, wer er eigentlich ist. Beschwipst landet der «ausrangierte» Garçon von einer Abschiedsfeier in seinen Grümpel-Estrich. Hier erinnert er sich an skurrile Figuren, die einst seine Gäste waren. Eine satirisch-ironische Darstellung von Gestalten aus unterschiedlichen Regionen ist die Folge. Hanspeter Müller-Drossaart servierte in «Menu 3» ein witziges Entrée, ein heiterer Hauptgang und jede Menge bissig-süsser Desserts.

So klagt der geplagte Oberkellner zur Melodie der Cavatina des Figaro im «Barbiere von Sevilla» stimmkräftig über den harten, zuweilen erniedrigenden Alltag des Servierpersonals. Dem Kabarettisten brachte dies herzlichen Szenenapplaus des ausverkauften Saals ein.

Man müsse als Kellner mit den Gästen über alles reden können, was sie bewegt, doziert Hansueli Schlussmann. So ist die brenzlige Wirtschaftslage ein Thema. Als sich der St. Galler Privatbankier Hummler nach einem neuen Job im Service umschaut, fällt der Bescheid eindeutig aus: «Warum eigentlich nicht – auch wir haben Amerikaner als Kunden.»

Häuptling Grosse Lippe

Aber auch die heimische Politik bekommt ihr Fett weg. Die einzige Partei der einzig wahren Schweizer sei eigentlich ein geheimer Indianerstamm mit Häuptling Grosse Lippe vom Goldberg-Wigwam als Vorsteher.

Der schnelle Wechsel von einer in die andere Rolle sowie der sprachliche und mimische Ausdruck waren einmal mehr verblüffend. So sagte Pia Felber aus Dietikon nach der Aufführung: «Ich fands total genial, wie Hanspeter Müller-Drossaart auftrat und die verschiedenen Szenen aus dem Leben mimisch, gesanglich und textlich darstellte.» Sie habe wieder einmal einen Abend lang so richtig herzhaft lachen können. Für Brigitte Kessler aus Urdorf war es ein «super Spiegelbild, vor das er uns da gestellt hatte.» Der Dietiker Arthur Portmann fügte an: «Ich fand sein Kabarettprogramm ausgezeichnet, obschon mir persönlich Hanspeter Müller-Drossaart als Schauspieler besser gefällt.» Und die 15-jährige Anna Wettler aus Dietikon meinte: «Ich finds echt beeindruckend, wie der Schauspieler Menschen imitieren kann. Für mich kam er echt glaubhaft rüber.»

In der Tat: «Menu 3» ist ein sehenswertes Programm mit einer Prise Tiefsinn sowie einer Demonstration stereotypisierter Figuren. Alles meisterhaft dargeboten von einem Ausnahmetalent.