Herr Streuli, Sie sind als Co-Präsident der Wirtschaftskammer ein wichtiger Fürsprecher für die Interessen der in Schlieren ansässigen Firmen. Wie geht es der Schlieremer Wirtschaft?

Hans Streuli: Schlieren ist ein Boom-Gebiet. Von daher kann man sagen, dass es der hiesigen Wirtschaft ausgezeichnet geht. Wenn die Bevölkerung wächst, dann wächst auch die Nachfrage nach Wirtschaftsleistungen. Die vielen Wohnungen, die gebaut werden, bringen dem Gewerbe Kunden, der Standort Schlieren zieht aber auch immer mehr namhafte Grossfirmen an.

Wenn es der städtischen Wirtschaft gut geht: Wofür braucht es dann die Wirtschaftskammer?

Die Aufgabe unseres Vereins ist einerseits die Vernetzung der Wirtschaftskräfte untereinander. Andererseits vertreten wir auch die Interessen der Unternehmer gegenüber den Behörden.

Im zweiten Bereich war Ihr Verein in den letzten Jahren sehr aktiv.

Ja. Im Zusammenhang mit Grossprojekten wie der Limmattalbahn gilt es, auch die Interessen des Wirtschaftsstandorts zu wahren. Für unsere Firmen ist es wichtig, sich in der Stadt schnell bewegen zu können. Deshalb wehren wir uns dagegen, dass der Verkehrsfluss im Zentrum im Rahmen des Bahnprojekts eingeschränkt wird. Unser Anliegen ist es, dass alle Verkehrsteilnehmer gleichbehandelt werden. Es darf nicht sein, dass man den öffentlichen und den Langsamverkehr priorisiert und dadurch den Unternehmen schadet.

Bisher war es ja eher so, dass der individuelle motorisierte Verkehr im Vorteil war.

Richtig. Dies, weil man erkannte, dass Schlieren diese Kapazität der Strassen benötigt. Auch die Limmattalbahn ist angesichts der vielen Menschen, die in der Region leben und arbeiten, wichtig, und wir von der Wirtschaftskammer befürworten sie. Allerdings muss der motorisierte Verkehr weiterhin fliessen können.

Dies die Forderung der Wirtschaftskräfte in der Stadt. Dagegen spricht der Wunsch vieler Einwohner nach einer Stadt, die fussgängerfreundlich ist, und nicht vom Verkehr dominiert wird.

Halt. Ich war immer dafür, dass man in Schlieren Grünflächen bewahrt und schafft. Allerdings soll die Stadt dadurch nicht schlechter funktionieren. Wenn die Bevölkerung weiter wächst, wird sonst auch ihre eigene Mobilität zunehmend eingeschränkt. Die Stadt wagt hier einen Spagat, der sehr schwierig ist.

Nun werden ja im Zusammenhang mit dem Bau der Limmattalbahn auch die flankierenden Massnahmen im Bereich Bern-/Überlandstrasse umgesetzt. Ist der Verkehrsfluss für Sie dadurch gegeben?

Ja. Für uns war es wichtig, dass die flankierenden Massnahmen zeitlich vorgezogen werden, sodass der Umbau des Zentrums erst erfolgt, wenn das Funktionieren des Verkehrssystems garantiert ist. Dass es so weit kommen konnte, ist unserer Initiative zu verdanken. Wir haben uns von Anfang an dafür starkgemacht und über Kantonsrat Andreas Geistlich auf Kantonsebene dafür geworben.

Womit man sich über die Stadtbehörden als Ansprechinstanz hinwegsetzte.

Ja. Wir wollten in dieser Frage ein Gegengewicht zur Politik des Stadtrats bilden. In Sachen Verkehr fährt die Exekutive einen zu wenig wirtschaftsfreundlichen Kurs.

Der Stadtrat kündigte an, dass man den Steuerfuss um fünf Prozent senken will. Ein Entscheid, der der Wirtschaft sicher entgegenkommt.

Ja. Steuersenkungen sind aus unserer Sicht immer zu befürworten. Der Entscheid der Exekutive ist ein gutes Zeichen an die Unternehmer. Geld, über das der oder die Einzelne selbst verfügen kann, setzt man auch entsprechend ein. So werden der Konsum und die Investitionsbereitschaft in der Stadt gesteigert.

Dafür verschuldet sich die Stadt bei ihren Investitionen. Wäre die Stadt ein Betrieb und Sie ihr Chef: Würden Sie so handeln?

Ja, denn es ist intelligent, sich zum jetzigen Zeitpunkt zu verschulden. Die Zinsen sind extrem tief. So günstig wie jetzt kommt man sonst nie an Geld. Auf der anderen Seite führt diese Neuverschuldung die Stadt aber auch dazu, sparsamer zu sein, was einer Gemeinde fast immer zugute kommt.

Der Schlieremer FDP-Gemeinderat Thomas Landis und zwei Mitglieder der Stadtzürcher FDP wollen auf einer rund 200 000 Quadratmeter grossen Fläche zwischen Gaswerkareal und Rütistrasse eine Kleingewerbezone errichten. Wie beurteilen Sie dieses Vorhaben?

Ich finde es eine gute Idee. Man muss dafür sorgen, dass in einer Stadt nicht nur Wohnungen gebaut werden. Eine solche Gewerbezone ermöglicht auch, dass eine klare Trennung zwischen Wohn- und Arbeitszonen besteht. Wohnquartiere sollen vom Arbeitsverkehr möglichst verschont werden. Dies ist aber nur möglich, wenn eine eigene Sphäre für das Gewerbe geschaffen wird.

Der Wirtschaftsraum Limmattal verschmilzt immer mehr mit dem der Stadt Zürich. Wäre ein Zusammenwachsen für sie auch auf politischer Ebene sinnvoll?

Nein. Ein Zusammenwachsen der Wirtschaftsräume kann befruchtend sein. Was das Politische anbelangt bin ich aber eher für kleine Entitäten. Je grösser eine politische Einheit ist, desto schwerfälliger wird sie.