Schlieren
Hängt der Schlieremer Berg bald in den Seilen?

Das Skatepark-Nein befeuert die Diskussion über Freizeitangebote für Jugendliche. Im Fokus steht dabei der Schlieremer Berg. Gleich zwei Vorstösse wollen dort ein Angebot schaffen.

Alex Rudolf
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Sieht es auf dem Schlieremer Berg bald aus wie im Berner Seilpark Ropetech?

Sieht es auf dem Schlieremer Berg bald aus wie im Berner Seilpark Ropetech?

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Wo man in Schlieren die Freizeit verbringen kann, ist eine Frage, welche die lokale Politik derzeit besonders stark beschäftigt. Nachdem das Stadtparlament einen Nachtragskredit für die Skateanlage im Zelgli-Quartier Mitte Jahr verweigerte, hat es die Ratsmehrheit nun darauf abgesehen, am Schlieremer Berg Freizeitangebote zur Verfügung zu stellen.

Am Montag überwies der Gemeinderat dem Stadtrat gegen dessen Willen ein FDP-Postulat, mit 16 zu 13 Stimmen. Dieses verpflichtet den Stadtrat, zu prüfen, ob sich im Schlieremer Wald ein Seilpark realisieren lasse. «Wir sollten mehr aus diesem Wald machen», sagte Gemeinderat John Daniels, der den Vorstoss eingereicht hatte. Es bestehe damit auch Potenzial, so Daniels, Tagestouristen nach Schlieren zu locken. Primär stehe jedoch die Erweiterung des Angebots für Junge und Junggebliebene im Vordergrund. Seine eigenen Kinder und Enkelkinder würden ihre Freizeit sehr gerne in Seilparks verbringen, sagte der FDP-Gemeinderat. Im Kanton Zürich gibt es bereits einen in Kloten und einen in Greifensee.

Der Stadtrat konnte sich hingegen gar nicht für die Idee erwärmen, wie Werkvorstand Stefano Kunz (CVP) deutlich machte. «Auch ohne eine vertiefte Machbarkeitsabklärung ist es offensichtlich, dass der Betrieb eines solchen Parks zu teuer ist», sagte er. Darüber hinaus bezweifle er, dass ein Seilpark die Skateanlage ersetzen könne. So müsste Eintritt bezahlt werden, was für Jugendliche nicht attraktiv sei. «Auch besitzt die Stadt keine Parzelle im Schlieremer Wald, was eine Umsetzung ebenfalls stark erschweren würde», so Kunz.

SP pocht auf Sparsamkeit

Die SP-Fraktion griff zum selben Argumentarium und betonte, dies sei nicht das richtige Freizeitangebot für die Schlieremer Jugend. «Unserer Partei wird von bürgerlicher Seite immer wieder vorgeworfen, Steuergelder zu grosszügig auszugeben», sagte Gemeinderat Walter Jucker. Bei einer Überweisung des Postulats würde jedoch sinnlos mit finanziellen Mitteln umgegangen. Jucker rechnete vor, dass pro Station mit Baukosten von 5000 bis 6000 Franken geplant werden müsse, pro Saison müssten zudem zwischen drei und fünf Aufsichtspersonen angestellt werden und eine Baubewilligung für den Schlieremer Wald zu erhalten, sei auch beinahe aussichtslos: «Sie sehen, ein Seilpark ist keine Alternative zum Skatepark.»
Zweifellos handle es sich um eine schöne Idee, konstatierte GLP-Gemeinderat Andreas Kriesi: «Der Betrieb eines Seilparks gehört jedoch nicht zu den Kernkompetenzen und Aufgaben einer Stadt», fasste er die Meinung seiner Fraktion zusammen. Er sprach sich gegen die Überweisung an den Stadtrat aus.

SVP denkt an privaten Betreiber

Im Postulat sei keineswegs die Rede davon, dass die Stadt den Park auch beteiben müsse, entgegnete Thomas Grädel (SVP): «Gut möglich, dass sich ein privater Unternehmer finden lässt.» Genau wie die SVP-Fraktion sprachen sich auch Teile der CVP für eine Überweisung aus. Deren Sprecher Rolf Wegmüller stemmte sich jedoch dezidiert gegen die Vorlage – aus Kostengründen, wie er unterstrich.

Nun muss sich der Stadtrat dem Thema annehmen. Doch selbst wenn er ebenfalls zum Schluss kommen sollte, die Idee sei ungeeignet: Der nächste Vorstoss, der für den Schlieremer Wald ein Freizeitangebot verlangt, ist bereits formuliert worden. Quartierverein-Gemeinderat Thomas Widmer fordert den Stadtrat in einem Postulat auf, zu prüfen, ob im oder um den Wald ein Bike Trail (Veloweg) oder ein Bike Park (Veloparcours) erstellt werden könnte.

Das Postulat wurde Ende August eingereicht, jedoch noch nicht im Rat diskutiert. Präzise Vorstellungen davon, was gemacht werden könnte, hat Widmer jedoch bereits heute. So wären ein Single-Trail als Verbindung vom Üetliberg ins Limmattal oder ein Bike Trail als Rundparcours mit einem zentral gelegenen Pumptrack eine sinnvolle Betätigungsmöglichkeit für die Jugend, schreibt er. «Es ist unbestritten, dass das Velo das Nahverkehrsmittel der Zukunft ist.» Als Vorbild dienen ihm die diversen Bike Trails, die es in Stadtzürcher Wäldern gibt.