Das Licht beim Eingang ist gedimmt. Stimmungsvoll beleuchten Scheinwerfer den ersten Stand, an dem Pflegeprodukte mit Hanf vorgestellt werden, wie etwa Lippenpomade mit CBD, einem Bestandteil von Cannabis mit schmerzlindernder Wirkung. Nebenan gibt es ganze Schachteln mit leeren Zigarettenhülsen zu erstehen. Feinschmecker können sich mit Energydrinks, Absinthe, Brownies, Lollipops oder Glace mit Hanfzusatz verköstigen. Die Glace schmeckt dabei milchig-nussig und wird mit Hanfsamen dekoriert. Für Anhänger funktionaler Ernährung bietet die gestern eröffnete Cannabis-Ausstellung «Canna Trade» in der Stadthalle Dietikon ebenfalls etwas: Hanf-Aminosäureöl, das Omega-3-Fettsäuren enthält, die den Stoffwechsel im Körper fördern.

Ausgestellt werden aber auch präzise Waagen, Pollensiebe, Anbauschränke, Wasserpfeifen oder elektronische Verdampfungsgeräte, sogenannte Vaporizer, mit denen man alle Arten Kräuter von Salbei gegen Erkältung bis zu Cannabis verdampfen und inhalieren kann. Kurz, verschiedenste Utensilien rund um den Hanf-Konsum. Ein Besucher und Kiffer aus Zug, der sich vor allem über einzelne Indoor-Anbauschränke informiert, sagt: «Hier gibt es keinen Hanf zu kaufen, ausser den legalen Hanf.»

Die eisige Variante: Glace aus Bio-Milch mit Hanf, Hanfsamen und Nüssen.

Bernard Rappaz zu Gast

Hanf ist in der Schweiz legal, wenn der THC-Gehalt, der eine berauschende Wirkung hat, unter einem Prozent liegt. Die Kantonspolizei Zürich schaut deshalb vor Ort, dass die rechtlichen Bestimmungen eingehalten werden, und nimmt beispielsweise Stichproben beim legalen Hanf, um den THC-Gehalt zu untersuchen. Denn an der «Canna Trade» sind gleich zwei Aussteller vertreten, die legalen Hanf anbieten (siehe Kontext).

Neben der Ausstellung wird den Besuchern auch einiges an Informationen rund ums Thema geboten, etwa durch Referate. So kämpfen das Hanfjournal und der Nachtschatten Verlag als Informationsmedien für die Enttabuisierung und Legalisierung von Cannabis. Dazu wurde der Walliser Hanfpionier Bernard Rappaz eingeladen. Er spricht in einem Vortrag über sein gerade auf Deutsch erschienenes Buch «Der Pionier. Die abenteuerliche Lebensgeschichte eines Hanfrebellen».

Die dampfige Variante: Mit dem «Vaporizer» können Kräuter aller Art inhaliert werden.

Der 63-jährige Rappaz ist Landwirt von Beruf und wurde für seine Hanfproduktion im Wallis zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt, gegen die er mit Hungerstreik protestierte und die er nun abgesessen hat. Ein Schlüsselerlebnis war für ihn das Jahr 1949, als der damals achtjährige Rappaz von seiner Grossmutter gefragt wurde, weshalb man plötzlich Hanf als Droge bezeichne, wo sie doch eine Nutzpflanze sei. Rappaz ist ein schillernder idealistischer Hanfrebell und eine Ikone für seine Anhänger. Denn er hat sich im Wallis als Erster für alternative erneuerbare Energie und gegen Monokultur in der Landwirtschaft eingesetzt. «Rappaz ist für mich ein Vorbild», meint Benoît Fauchère, der extra aus dem Wallis angereist ist. Die Ausstellung diene den Produzenten, Konsumenten und dem Publikum als Spiegel, der ein vielfältiges Bild vom Cannabis zeigt, das sich nicht nur auf den Konsum beschränkt. Und Canna-Trade-Organisator Marcel Müller meint: «Gegen Vorurteile hilft nur, selber vorbeizuschauen.»

Die «Canna Trade» in der Dietiker Stadthalle ist heute von 11 bis 20 Uhr und morgen von 11 bis 18 Uhr geöffnet.