Limmattal
«Hanf-Capo» soll für über vier Jahre ins Gefängnis – er betrieb 3 Hanfanlagen

Ein Marihuana-Händler aus dem Limmattal hat rund 130 Kilogramm Marihuana verkauft. Dafür soll er nicht nur für viereinhalb Jahre ins Gefängnis, sondern auch insgesamt 708 000 Franken bezahlen.

Attila Szenogrady
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Eine Hanf-Anlage (Symbolbild).

Eine Hanf-Anlage (Symbolbild).

Kapo SO

«Ich will, dass heute endlich die Wahrheit ans Licht kommt», erklärte am Dienstag der Automechaniker aus dem Bezirk Dietikon vor dem Zürcher Obergericht. Er verlange eine deutliche Strafsenkung, erklärte er und wehrte sich gegen ein erstinstanzliches Urteil des Bezirksgerichts Zürich. Dieses hatte den teilgeständigen Limmattaler bereits im Oktober 2013 wegen umfangreichen Handels und Verkaufs von Marihuana zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt. Dazu kam eine unbedingte Geldstrafe von 270 Tagessätzen zu 220 Franken. Nicht zuletzt sollte er für den unrechtmässig erzielten Vermögensvorteil 380'000 Franken dem Kanton Zürich abliefern.

Natürlich sah es der zuständige Staatsanwalt anders und ging von einem «Capo» der Zürcher Marihuana-Szene aus. So hatte der einschlägig vorbestrafte Beschuldigte zusammen mit mehreren Komplizen zwischen Ende 2009 bis zum August 2012 in Zürich, Oberglatt und Dinhard gleich drei professionell eingerichtete Indoor-Hanfplantagen betrieben und damit ein Bombengeschäft gemacht.

732'000 Franken Umsatz erzielt

Auf diese Weise konnte der Drogenhändler rund 130 Kilogramm Marihuana verkaufen, wobei er einen beachtlichen Umsatz von 732'000 Franken erzielte und sich deshalb als kinderloser Unternehmer einen aufwendigen Lebensstil erlauben konnte. Vor allem, da er auch als Automechaniker monatlich 7000 Franken pro Monat legal hinzuverdiente.

Es war am 2. August des Jahres 2012, als die Polizei ihn festnahm und in einer Liegenschaft in Dinhard über 1000 Hanfpflanzen sicherstellte. Die Fahnder konnten bei ihm zudem über eine halbe Million Franken sicherstellen.

Straferhöhung gefordert

Der teilgeständige Beschuldigte verbrachte danach 120 Tage in Untersuchungshaft. Noch viel zu wenig für den zuständigen Staatsanwalt, der vor dem Zürcher Obergericht eine Straferhöhung auf viereinhalb Jahre Freiheitsentzug forderte. Zudem solle der heute wieder in gediegenen Verhältnissen lebende Ex-Dealer auch finanziell bluten.

So verlangte der Ankläger zusätzlich nicht nur eine unbedingte Geldstrafe von 360 Tagessätzen zu 300 Franken, also 108'000 Franken, sondern auch eine happige Ersatzforderung von 600'000 Franken. Verbrechen sollen sich halt nicht lohnen, erklärte der Staatsanwalt.

Der Verteidiger hielt dagegen und stellte dabei vor allem die Rolle seines Klienten als «Capo» in Abrede. So seien er und seine Komplizen gleichberechtigte Mittäter gewesen. Zudem habe der Beschuldigte viel weniger Marihuana als eingeklagt verkauft. Deswegen sei eine bedingte Freiheitsstrafe von 20 Monaten angemessen, ebenso eine unbedingte Geldstrafe. Diese solle allerdings nur in der Höhe von 100 Tagessätzen zu 140 Franken ausfallen. Die Ersatzforderung sei auf 68'400 Franken anzusetzen.

Urteil erfolgt schriftlich

Das Obergericht machte es daraufhin spannend: So kam es zu einer längeren geheimen Beratung, bis die Oberrichter die Parteien am Abend entliessen. Sie werden den für den Beschuldigten sehr bedeutenden Entscheid demnächst schriftlich zustellen.