Es war am 31. August 2014, als eine Gruppe von jungen Männern am frühen Nachmittag bei der Haltestelle Letzipark in einen VBZ-Bus der Linie 31 einstieg. Unter den ausgelassenen Partygängern befand sich auch ein heute 25-jähriger Lüftungsmonteur aus Dietikon.

Der aus Mazedonien stammende Limmattaler war nach einer Freinacht nicht nur betrunken, sondern stand auch unter Kokaineinfluss. Fest steht, dass er schon bald mehrere weibliche Fahrgäste lautstark belästigte und sie unter anderem als «Schlampen» beschimpfte.

Hinter dem Beschuldigten sass ein beherzter Passagier, der Zivilcourage zeigte und den Störenfried aufforderte, er solle doch damit aufhören. Laut Anklage dreht sich der Dietiker sofort um und beschimpfte den Zeugen als «jung und dumm». Als dieser entgegnete, dass er noch viel älter und dümmer werde, rastete der Drogenkonsument völlig aus.

Er griff das am Fenster sitzende Opfer an und schlug ihm eine Bierflasche so stark auf den Kopf, dass sie in Brüche ging. Laut Anklage griffen nun die Begleiter des Angreifers ein.

Sie versuchten, ihn zu beruhigen und vor weiteren Schlägen gegen den Geschädigten abzuhalten. Vergebens. So schlug er erneut zu und brachte dem bereits verletzten Passagier mit der Flasche massive Schnittverletzungen im Gesicht bei.

Dabei zerbarst auch die Fensterscheibe des Busses. Als das Fahrzeug anhielt, flüchtete der Täter nach draussen. Allerdings wurde er wenige Tage später von der Polizei ausfindig gemacht und verbrachte danach 34 Tage in Untersuchungshaft.

Falsche Billett-Kontrolle

Nun musste sich der beschuldigte Dietiker am Bezirksgericht Zürich verantworten. Nicht nur wegen schwerer Körperverletzung und Sachbeschädigung, sondern auch wegen einer Amtsanmassung.

So hatte sich er sich nur eine Woche vor der Attacke in einem Interregio-Zug zwischen Altstetten und Dietikon wahrheitswidrig als SBB-Sicherheitsmann ausgegeben und einen Fahrgast einer «Billett-Kontrolle» unterzogen. Da der Passagier die Maskerade durchschaute, scheiterte der Plan, eine Busse für ein angeblich falsches Ticket einzukassieren.

Vor Gericht zeigte sich der Beschuldigte weitgehend nicht geständig. Er gab lediglich einen Schlag mit der Bierflasche zu und machte Notwehr sowie Panik geltend. So habe er zuerst vom Geschädigten einen Faustschlag kassiert, erklärte er. Die Amtsanmassung stellte er gänzlich in Abrede. Einzig beim Konsum von Kokain rang er sich zu einem Geständnis durch.

Der zuständige Staatsanwalt ging von einem erheblichen Verschulden aus und verlangte wegen schwerer Körperverletzung und weiteren Delikten eine hohe Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren.

Der Verteidiger sah dagegen nur eine einfache Körperverletzung als erstellt an und setzte sich für einen bedingten Freiheitsentzug von 20 Monaten ein. Der Rechtsanwalt führte zudem aus, dass das Opfer seinem Klienten heute verziehen habe. Auch wenn dieses auf Betreiben seines Rechtsvertreters weiterhin an Schadenersatz und Genugtuung festhalten würde.

Das Gericht schlug zum Schluss den Mittelweg ein. So verneinte es zwar eine schwere Körperverletzung, ging aber von einer versuchten schweren Körperverletzung aus.

So habe der Beschuldigte um die Gefährlichkeit seines Tuns gewusst und eine erhebliche Verwundung des Geschädigten in Kauf genommen, führte der Gerichtsvorsitzende Reto Nuotclà während der Urteilseröffnung aus. Das Gericht lastete dem Beschuldigten eine erschreckende Aggressivität und ein grosses Gewaltpotenzial an.

Trotz des Drogenrausches gingen die Richter von einem zielgerichteten Vorgehen des Beschuldigten aus. Er habe heftig und gezielt zugeschlagen sowie den Bus danach verlassen. Deshalb liege nur eine leichte Verminderung der Schuldfähigkeit vor, erklärte Nuotclà.

Ausschaffung droht

Das Gericht setzte zum Schluss eine unbedingte Freiheitsstrafe von 42 Monaten fest. Sollte der Entscheid in Rechtskraft erwachsen, droht dem Handwerker ein längerer Aufenthalt im Gefängnis.

Zudem muss der in der Schweiz geborene Mazedonier aufgrund der Strafhöhe mit der Ausschaffung in seine Heimat rechnen. Er wurde grundsätzlich zu Schadenersatz verpflichtet und soll dem Geschädigten wegen einer bleibenden Narbe ein Schmerzensgeld von 7000 Franken entrichten. Bei der Amtsanmassung trat das Gericht wegen einer zu wenig präzise formulierten Anklage nicht auf die Vorwürfe ein.