In der Pause lag es 7:14 im Rückstand, am Ende lautete das Skore 19:28. Der Trainer hatte die Halle sofort nach dem Schlusspfiff verlassen. Die Dunkelheit spendete aber keinen Trost, sondern förderte langsam, aber sicher eine unangenehme Erkenntnis zutage: «Am Morgen wusste ich, dass ich die Notbremse ziehen muss», schildert Hackel. Er informierte am Vormittag die Mannschaft per Handy-Chat und Heinz Burla vom Vorstand per SMS darüber, dass er per sofort zurücktritt – vor den letzten zwei Partien der Abstiegsrunde.

Der Auftritt in Wetzikon war nicht wegen der Niederlage zu viel für Hackel, sondern, weil ihm vom Gegner vor Augen geführt wurde, was er sich sehnlichst vom eigenen Team wünschte: Aufopferung, Wille, Leidenschaft. «Es lagen drei Ligen zwischen dem Auftreten der beiden Mannschaften», führt Hackel aus. Er setzte mit Gilles Diserens eine Neuverpflichtung am Flügel ein, die zuletzt für die U19-Equipe von GC Amicitia spielte. Das war zwar löblich, in einem solch brisanten Match aber auch riskant. Diserens gab sich Mühe, war aber verständlicherweise überfordert. Hackel verteidigt diesen Schritt: «Wir hatten im vorangegangenen Spiel nur einen Abschluss vom linken Flügel gehabt. Ich wollte einen neuen Akzent setzen, aber es kam nichts zurück vom Team.»

HCDU-Sportchef Dominik Hari und Marketingchef Heinz Burla besuchten gestern Abend das Training, das von Kreisläufer Stefan Galli interimistisch geleitet wurde. Was den plötzlichen Abgang des Trainers anbelangt, wollte Hari vor dem Gespräch mit dem Team keine offizielle Stellungnahme abgeben. Es liegt auf der Hand, dass der Verein keine Freude am Verhalten von Hackel hat, so kurz vor Saisonende. Zum Auftritt der Mannschaft in Wetzikon sagte der Sportchef, dass ihr der Glaube gefehlt habe. In diesem Kontext spricht er von einem «gewissen Verständnis», habe es doch in letzter Zeit «vermehrt Differenzen» zwischen Trainer und Spielern gegeben.

Karsten Hackel will den schwarzen Peter nicht der Mannschaft in die Schuhe schieben. Auf Fehler seinerseits angesprochen, sagt er: «Ich habe die Mannschaft in der Rückrunde nicht genügend motivieren können, das schlägt sich jetzt in der Abstiegsrunde nieder.» Der 33-Jährige spricht auch davon, «die Gesamtsituation zu positiv» gesehen zu haben. Damit spielt er auf die bizarre Situation an, dass er erst kürzlich nach monatelangem Hin und Her seinen Vertrag mit dem Verein verlängert hatte – unabhängig von der Spielklasse. Damals sagte Hackel, er habe deutliche Zeichen ausgemacht, dass die Spieler mit ihm mitziehen wollen.

Eine Mini-Chance bleibt

Wer die Mannschaft als Interimstrainer zum morgigen Match nach Ins (16.30 Uhr, Rötschmatte) begleitet, soll heute bekannt werden. Trotz dreier Niederlagen hat der HCDU sogar noch eine Chance auf den Klassenverbleib, wenn auch eine verschwindend geringe. Die hängt von vielen Faktoren ab: Nur wenn Biel den Aufstieg in die NLB nicht schafft, steigt ein Team weniger aus der 1. Liga ab. Dies, weil die zweite Mannschaft der Bieler nicht auch in der 1. Liga spielen dürfte und deshalb auf den Aufstieg aus der 2. Liga verzichten müsste. Die Limmattaler müssen nach zwei Siegen in ihren letzten beiden Spielen eine bessere Tordifferenz gegenüber Muotathal (plus 11) und Visp (minus 8) aufweisen. Der HCDU steht nach der Abfuhr in Wetzikon mit minus 14 zu Buche. Ausserdem müssen die genannten Kontrahenten ihre beiden letzten Auftritte verlieren. Die Schwyzer gastieren in der Schlussrunde in der Schlieremer
Unterrohrhalle.

LiZ-Tipp: 31:29