Landikontunnel
Hämmern, Staub und Flutlichter – hier wird der Tunnel saniert

Seit März dieses Jahres wird der Landikontunnel für rund 11 Millionen Franken instand gesetzt. Danach sollte er wieder für mindestens 30 Jahre den betrieblichen Anforderungen entsprechen – ein Augenschein.

Florian Niedermann
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1 Schon beim Eingangsportal des Landikontunnels wird klar, dass hier drinn gebaut wird
20 Bilder
2 Das Dröhnen und das grelle Licht aus dem Innern bestätigen diesen Eindruck
3 Projektleiter der SBB, Dumeng Claglüna (3
4 SChon auf den ersten Metern des Tunnelgewölbes zeigen sich Mängel - hier Wasser, das in das Gemäuder eingedrungen ist
5 Das Flickwerk des Gewölbes besteht aus Tuff- und Sandstein sowie aus Spritzbeton
6 Besonders am Tuffstein wird ersichtlich, wie sehr der Zahn der Zeit am 150 Jahre alten Tunnel nagt
7 In diesen Boxen befindet sich die Notfallausrüstung für die Arbeiter
8 Die neben einem Feuerlöscher auch Gasmasken beinhaltet
9 Die Besuchergruppe leuchtet im Dunkeln des Tunnels
10 Bauleiter Marc Hohermut im Gespräch mit einem Besucher
Die Sanierungsarbeiten im Landikontunnel
12 Dabei entsteht nicht nur Lärm, sondern auch viel Staub
13 In diesen Graben werden
...solche Rohre verlegt, um das Wasser aus dem Tunnel abzuleiten.
15 An einer zweiten grossen Maschine ist eine Kresisäge angebracht
16 Das Sägeblatt ist etwa so hoch wie ein halber Mann
17 Mit Laservisier und Spraydose werden die Schnitte der Säge exakt vorgezeichnet
18 Das Sägeblatt muss ständig bewässert werden, damit es nicht überhitzt
19 Langsam frisst sich die Säge durch das Gewölbe aus Stein und Beton
20 Der Lärm, der dabei entsteht, ist ohrenbetäubend

1 Schon beim Eingangsportal des Landikontunnels wird klar, dass hier drinn gebaut wird

Ein Hämmern dröhnt in dieser Nacht durch das Innere der Erde. Die Luft füllt sich mit Staub. Trotz der Flutlichter sieht man kaum den Boden unter den Füssen. Man muss achtgeben, dass man auf dem losen Grund nicht stolpert. Auf den Gleisen, auf denen täglich 130 Züge durch den Landikontunnel donnern, steht ein Eisenbahnwagen mit einem aufgebauten Kran. An dessen Arm ist ein Presslufthammer befestigt, der entlang der Tunnelwand einen Graben bricht. «Darin verläuft später die neue Entwässerung», schreit Dumeng Claglüna, der Projektleiter «Instandsetzung Landikontunnel» der SBB, gegen den Lärm an.

Nur der Wipkingertunnel ist älter

1864 erbaut, ist der Stollen zwischen Birmensdorf und Bonstetten der zweitälteste Tunnel im Kanton Zürich. Nur der Wipkingertunnel ist noch älter. Vor 40 Jahren musste das 482 Meter lange Gewölbe ein erstes Mal umfassend saniert werden. «Ich bin erstaunt, dass er so lange gehalten hat. Selbst bei einem Betontunnel wäre ich mir da nicht sicher», erklärt Claglüna.

Trotz seiner Beständigkeit arbeiten die SBB derzeit wieder mit Hochdruck am Landikontunnel: Witterung, intensive Nutzung und Kräfte im Boden setzten dem Gemäuer stark zu. Es kam zu Wassereintritten, mehrfach mussten die SBB Schäden am Gewölbe aus Kalktuff- und Sandstein flicken. Das Entwässerungssystem verschlammte, bis das Wasser schliesslich kaum mehr abfloss. Dazu kommt, dass der Platz im Tunnel immer knapper wurde. Er war für Dampfbahnbetriebe konzipiert worden. Die heutigen S-Bahnen sind um Einiges höher.

Seit März dieses Jahres wird der Landikontunnel nun für rund 11 Millionen Franken instand gesetzt - danach sollte er wieder für mindestens 30 Jahre den betrieblichen Anforderungen entsprechen. Zu den Massnahmen gehören die Erneuerung der Kabel- und Entwässerungsanlagen, die Sanierung der Flügelmauern und Tunnelportale, die Instandsetzung und Entwässerung des Gewölbes sowie die Absenkung des Bodens im Tunnel und die Installation einer fixierten Stromschiene, um mehr Platz zu schaffen.

Stahlrippen sorgen für Stabilität

Auf der Bonstettener Seite des Tunnels wird der Presslufthammer zunehmend von einem Kreischen übertönt, das einem durch Mark und Bein geht. Eine Kreissäge mit einem Durchmesser von einem halben Mann kämpft sich wassergekühlt und doch hin und wieder Funken schlagend durch eine dicke Schicht von Beton und Stein. In die Schneisen, die so wie Rippen aus dem Gewölbe des Tunnels geschnitten werden, passe man anschliessend Stahlbögen, erklärt Marc Hohermuth, der Verfasser und Bauleiter des Projekts. «Diese Bögen tragen später das neue Gewölbe aus Beton und sorgen so für die Stabilität des Tunnels.»

Die Sanierungsarbeiten bedeuten einen Riesenaufwand, vor allem auch, weil der Bahnbetrieb möglichst nicht gestört werden darf. Die Arbeitsschichten der zehn bis zwölf Arbeiter im Landikontunnel dauern exakt von 21.55 Uhr bis 5.21 Uhr - vom letzten bis zum ersten Zug, der durch die Röhre braust. «Da darf kein Fehler passieren», sagt Hohermuth. Als einmal ein Baufahrzeug kurz vor Schichtende einen Defekt hatte, musste der Morgenverkehr auf Busse verlegt werden, was gleich zu Verspätungen führte.

Abschluss im August 2013

Bisher merkten Pendler aber kaum etwas von den Sanierungsarbeiten. Nur die Züge, die zwischen 22 Uhr und Mitternacht zwischen Birmensdorf und Bonstetten verkehren, werden noch bis zum Abschluss der Instandsetzung Mitte August 2013 durch Busse ersetzt. Würde man das nicht tun, so blieben pro Schicht gerade noch etwa dreieinhalb Stunden produktive Arbeitszeit. Während der Sommerferien im Juli sperrt die SBB den Tunnel während zweier Wochenenden total.

Beim Verlassen den Tunnels kommt dann doch die Frage auf: Hätte es sich nicht gelohnt, den Tunnel für eine Weile ganz zu sperren und in einem Stück zu sanieren? Claglüna verneint: «Auch im Dreischichtbetrieb hätte der Tunnel dann für etwa drei Monate gesperrt werden müssen. Bei der Verkehrsfrequenz ins Knonaueramt hätte das zu einem riesen Chaos geführt.»