Mit gefasster Stimme las die Urdorfer Gemeindepräsidentin Sandra Rottensteiner (EVP) an der Gemeindeversammlung vom Mittwoch die Antwort auf eine Kleine Anfrage vor. Die Exekutive hatte sich mit dem Thema Mobbing in der Gemeindeverwaltung auseinanderzusetzen. Ihren Anfang nahm die Geschichte im vergangenen März.

Damals erhielt der Gemeinderat einen Brief, in dem ihm vorgeworfen wurde, auf der Gemeindeverwaltung ein negatives Betriebsklima gedeihen zu lassen, das Mobbing-Fälle begünstige. Eine hohe Personalfluktuation sei die Folge. Laut Sandra Rottensteiner werden darin auch Personen – zwar nicht namentlich, aber mit der Amtsbezeichnung – aus Verwaltung und Exekutive angegriffen.

Dieser Brief wurde auch an die Spitzen der Urdorfer Parteien sowie an die Rechnungsprüfungskommission (RPK) gesandt. Der Gemeinderat reagierte daraufhin mit einem Schreiben an diese Gremien, in dem er zu den Vorwürfen Stellung nahm.

Scheinbar zur Zufriedenheit von Parteipräsidenten und RPK. Niemand befand es für notwendig, die Anschuldigungen öffentlich zu thematisieren.

Niemand ausser Markus Binder, Präsident der Orts-SVP «Die SVP stellte dem Gemeinderat mehrere Fragen zu den Geschehnissen im Gemeindehaus», sagte Binder gestern gegenüber der Limmattaler Zeitung. Diese seien jedoch nicht beantwortet worden. Daher habe er die Kleine Anfrage gestellt, sodass der Gemeinderat zu einer öffentlichen Stellungnahme verpflichtet sei.

In der Beantwortung kommt der Gemeinderat zum Schluss, dass «die erhobenen Vorwürfe sich nicht erhärtet haben», so Rottensteiner. Auf die Frage, um welche Vorwürfe und um welche Personen es sich genau handelt, antwortet sie: «Diverse Personen aus Gemeinderat und Verwaltung wurden im Schreiben vom März teilweise ehrverletzend angegriffen. Wir fühlen uns dem Schutz unserer Mitarbeiter verpflichtet und kommentieren daher die Details dieses Schreibens, da sie nicht mit Fakten unterlegt werden konnten, nicht.» Auch Absender und genauen Inhalt des Schreibens gibt sie nicht bekannt.

Markus Binder stellt klar, dass es ihm nicht darum gegangen sei, den Verfassern dieses Briefes eine Plattform zu geben. «Im Schreiben sind tatsächlich Dinge enthalten, die es Wert sind, geprüft zu werden», sagt er. Ob er den Inhalt ebenfalls als diffamierend taxieren würde? «Das ist Ansichtssache», so Binder.

Fluktuation unterdurchschnittlich

Bei der Untersuchung zur Beantwortung von Binders Fragen durch den Verwaltungsausschuss – darin finden Rottensteiner, Finanzvorstand Thomas Hächler (FDP) sowie Gesundheitsvorstand Andreas Herren (SP) Einsitz – sowie dem Gesamtgemeinderat kam zutage, dass die Personalfluktuation auf der Gemeindeverwaltung Urdorf in den vergangenen Jahren unterdurchschnittlich tief war.

Bei der kantonalen Verwaltung gibt es jährlich 8,1 Prozent Personalwechsel, in Urdorf sind es 7,98 Prozent. Auch seien in den vergangenen Jahren in keinem Austrittsgespräch Mobbing-Vorwürfe erhoben worden. Gefragt nach dem Führungsstil des Verwaltungskaders verweist der Gemeinderat darauf, dass ihm das uneingeschränkte Vertrauen entgegengebracht werde. Das Fazit: «Es wurde nichts zutage gefördert, was an der Qualität des Arbeitsklimas zweifeln liesse.» Die Sache gilt somit als erledigt.

Ist es angebracht, dass ein kritisiertes Gremium die Prüfung dieser Kritik selbst übernimmt, so wie es in Urdorf geschehen ist? Rottensteiner verweist darauf, dass der Gemeinderat für das Personal der Verwaltung verantwortlich sei, solche Angelegenheiten somit in seinem Kompetenzbereich liegen würden. «Zudem wurde unser Bericht von der RPK geprüft und für gut befunden», sagt sie weiter.

Markus Binder hätte es hingegen durchaus für sinnvoll erachtet, wenn ein externer Prüfer oder ein Mediator sich der Sache angenommen hätte. «Eine Verwaltung ist – wie jede Firma – nie perfekt. Es gibt immer Potenzial nach oben», sagt er. Eine Anlaufstelle für hilfesuchende Mitarbeiter einzurichten, hält der Gemeinderat nicht für nötig. Er verweist darauf, dass es jederzeit die Möglichkeit gäbe, mit der Gemeindepräsidentin ins Gespräch zu treten.